Politik

Nahrungsmittel bleiben teuer - trotz sinkender Inflation

Die gute Nachricht – Energiepreise für Verbraucher sind rückläufig und drücken damit die aktuelle Inflation. Diese erreicht im Oktober das niedrigste Niveau seit dem Spätsommer 2021. Verbraucher leiden jedoch weiterhin unter hohen Preisen, insbesondere bei Lebensmitteln.
24.12.2023 20:18
Aktualisiert: 24.12.2023 20:18
Lesezeit: 3 min

Im Vergleich zum Vorjahresmonat sind die Verbraucherpreise im Oktober 2023 insgesamt um 3,8 Prozent gestiegen, wie das Statistische Bundesamt in Wiesbaden nun bestätigte. Dadurch wird der Preisauftrieb im Vergleich zu den Vormonaten auf der Verbraucherebene aktuell etwas eingedämmt. Von Behördenseite wird jedoch auch mittel- bis langfristig noch eine relativ hohe Inflationsrate erwartet. Das von der EZB angestrebte Ziel von 2 Prozent Teuerungsrate wird dabei nicht kurzfristig erreichbar sein, laut EZB-Chefökonom Philip Lane.

Hohes Preisniveau bei Lebensmitteln bleibt

Die Energie- und Lebensmittelpreise sind in den vergangenen drei Krisenjahren deutlich gestiegen. Die aktuell rückläufigen Energiepreise im Oktober dieses Jahres (-3,2 Prozent zum Vorjahr) bescherten den Verbrauchern jedoch Preisrückgänge bei leichtem Heizöl von -28,2 Prozent sowie Erdgas von -13,0 Prozent. Auch Kraftstoffe waren im Oktober um 7,7 Prozent günstiger als im Vorjahresmonat. Diese Entwicklung gilt allerdings nicht für die Strompreise, die mit plus 4,5 Prozent zum Vorjahr teurer sind.

Anders sieht es aus bei den Preisentwicklungen für Lebensmittel. Diese verteuerten sich im Oktober 2023 nochmals um durchschnittlich 6,1 Prozent im Vergleich zum Oktober 2022 und liegen damit deutlich über der durchschnittlichen Inflationsrate. Sie hielten sich zwar auf dem Preisniveau des Septembers 2023, jedoch verzeichnet auch der September 2023 eine Preissteigerung von 7,5 Prozent zum Vorjahr und der August 2023 ganze 9,0 Prozent.

Besonders stark im Vergleich zum Oktober 2022 sind dabei Süßwaren, Zucker, Marmelade und Honig mit einem Plus von 13,4 Prozent im Preis gestiegen, gefolgt von +10,9 Prozent bei Brot und anderen Getreideerzeugnissen. Aber auch Obst (+9,6 Prozent) und Fisch (+8,6 Prozent) sind deutlich teurer als noch im Vorjahr. Alkoholhaltige Getränke und Tabakwaren verzeichneten zusätzlich einen Preisanstieg um +8,5 Prozent. Die Preisentwicklungen bei Lebensmitteln treiben damit die Inflationsrate maßgeblich mit an.

Generell steigen die Lebensmittelpreise bereits seit dem Sommer 2021 deutlich an. Vergleicht man die aktuellen Preise im Oktober 2023 mit den Preisen vor den ersten drastischen Erhöhungen im Juni 2021, ergibt sich dabei eine Steigerung von ganzen 28 Prozent. Die Lebensmittelpreise und auch die stark gestiegenen Energiepreise haben damit seit dieser Zeit die Inflationsrate angetrieben. Das war vor dieser Zeit umgekehrt - in den Jahren zwischen 2000 und 2019 lag die durchschnittliche Teuerungsrate bei Lebensmitteln bei ca. 1,5 Prozent. Sie sind in diesem Zeitraum weniger stark angestiegen als andere Lebenshaltungskosten und bremsten dadurch die Inflation.

Verbraucherschutzverbände schlagen Alarm

Die Verbraucherzentralen verzeichnen bereits eine Vielzahl von Anfragen und Beschwerden zu den weiter steigenden Preisen für Lebensmittel. Wie die Chefin des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen mitteilte, sei die Preisbildung bei Lebensmitteln für die Verbraucher vollkommen intransparent. Es sei derzeit unklar, wie sich die Preise bei Lebensmitteln bilden und wo Gewinne zulasten der Verbraucher eben mitgenommen werden.

Die Entwicklung der Lebensmittelpreise habe sich von der Entwicklung der Energiepreise und der allgemeinen Inflation vollkommen abgekoppelt. Die Verbraucherschützer fordern deshalb die Bundesregierung auf, dieser Entwicklung Einhalt zu gebieten und Lösungen anzubieten.

Dabei wird von den Verbraucherzentralen auch gefordert, dass Supermärkte alle Preise ihrer Produkte online verfügbar machen sollen und eben nicht nur für ausgewählte Produkte in Sonderangebotsprospekten. Auch fordern sie eine Beobachtungsstelle auf Bundesebene, die die gesamte Wertschöpfungskette bei Lebensmitteln von der Produktion über den Transport bis hin zum Handel hin genauer untersucht, um die Kostentreiber zu identifizieren.

Zudem sollen versteckte Preiserhöhungen verhindert werden, die durch eine Änderung von Packungsgrößen oder einem geringeren Abfüllgewicht (sog. „Mogelpackungen“) entstehen bei gleichbleibenden Preisen. Die Verbraucherzentralen fordern hierbei, dass Hersteller diese Änderungen mit einem Warnhinweis auf dem Produkt kennzeichnen.

Zusätzlich sollten staatliche jährliche Einmalzahlungen für z. B. Rentner, Geringverdiener oder Alleinerziehende geleistet werden nach den Vorstellungen der Verbraucherschützer.

Handelsverband wehrt sich

Der Lebensmittelhandel hat auf die Forderungen reagiert und sich in Bezug auf die Preissteigerungen gerechtfertigt. Wie ein Verbandssprecher mitteilte, seien die Einkaufspreise im Handel eine wichtige Kalkulationsbasis für die Verkaufspreise. Dabei seien eben auch die gesamten Preissteigerungen der vergangenen Monate in der kompletten Lieferkette zu berücksichtigen, die sich sowohl bei Rohstoffen als auch Logistik und Energie wiederfinden. Der Handel könne dabei nur einen Teil dieser Preissteigerungen auffangen.

In Bezug auf die Preisinformationen verweist der Lebensmittelhandel darauf, dass diese bereits in großem Umfang zur Verfügung stehen würden. Neben den wöchentlichen Prospekten seien viele Produkte und Preise bereits im Internet zu finden oder können über eine Reihe von Apps abgefragt werden.

Auch die Preistransparenz sei weitgehend gegeben, da Produkte immer auch mit einem Grundpreis ausgezeichnet seien, der neben dem Produktpreis auch den Preis für einen Liter oder ein Kilogramm eines Produktes ausweist. Allerdings werden diese Informationen meistens nur sehr kleingedruckt auf den Preisschildern verfügbar gemacht.

Außerdem vertritt der Handelsverband auch die Auffassung, dass Verbraucher und Verbraucherinnen bereits ein müssen, ihre Einkäufe im Zweifelsfall auf verschiedene Geschäfte aufzuteilen, um günstig einzukaufen. Allerdings stehe dabei das Sparpotenzial oftmals in keinem vernünftigen Verhältnis zum Aufwand.

Ob sich die Entwicklung bei den Lebensmittelpreisen entspannt, bleibt abzuwarten. Aktuell ist zumindest der Preisauftrieb etwas eingedämmt. Mit 6,1 Prozent Preissteigerung zum Vorjahr und einem Halten des Preisniveaus vom Vormonat September ist die Entwicklung im Oktober 2023 jedoch zunächst einmal positiv.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026: Milliarden fließen in wenige Taschen
15.06.2026

Die in Nordamerika beginnende Fußball-WM 2026 ist größer als je zuvor. Von den astronomischen Einnahmen dieses Sportfestes profitieren...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Leitzins angehoben: Wer sind die Verlierer und Gewinner?
15.06.2026

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins für die Eurozone am vergangenen Donnerstag angehoben. Für Sparer, Kreditnehmer, Staaten und...

DWN
Politik
Politik Europäische Schlüsselstaaten wollen Kaja Kallas’ Macht beschneiden
15.06.2026

Mehrere Mitgliedstaaten der Europäischen Union, allen voran Deutschland und Frankreich, suchen nach Möglichkeiten, die Macht der Hohen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Investoren verlieren Geduld: Merz-Beauftragter Blessing warnt vor Ernüchterung
15.06.2026

Deutschland gilt international weiterhin als verlässlicher und stabiler Standort. Dennoch wächst bei manchen Investoren die Skepsis...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft USA-Iran-Abkommen: Kommt jetzt die Entlastung bei den Spritpreisen?
15.06.2026

Die Einigung zwischen den USA und dem Iran sorgt weltweit für Aufmerksamkeit – auch an den Energiemärkten. Experten sehen Chancen auf...

DWN
Politik
Politik Ukraine entwickelt kostengünstige Alternative zu US-amerikanischen Patriot-Raketen
15.06.2026

Die Ukraine hat eine neue Luftabwehrrakete getestet, die eine kostengünstigere und für die Serienfertigung geeignete Alternative zum...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
15.06.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX, Anthropic und OpenAI in Ihrem ETF-Fonds? Vielleicht schneller, als Sie denken
15.06.2026

Während Tesla ein ganzes Jahrzehnt gebraucht hat, um in den S&P 500 und damit in passiv verwaltete ETF-Fonds aufgenommen zu werden,...