Finanzen

Einzelhandel mit größtem realen Umsatzschwund seit Finanzkrise

Preisbereinigt sinken die Umsätze im Einzelhandel deutlich. Wie es 2024 weitergeht, hängt von der Inflation ab.
05.01.2024 10:42
Aktualisiert: 05.01.2024 10:42
Lesezeit: 1 min

Die deutschen Einzelhändler haben ihren Umsatz im vergangenen Jahr nur dank steigender Preise erhöht. Er sei voraussichtlich um 2,4 Prozent im Vergleich zu 2022 gewachsen, teilte das Statistische Bundesamt am Freitag zu seiner ersten Schätzung mit. Preisbereinigt (real) fiel der Umsatz allerdings um 3,1 Prozent niedriger aus - ein größeres Minus gab es hier zuletzt 2009 im Gefolge der weltweiten Finanzkrise.

Besonders starke Einbußen verzeichneten diesmal Lebensmittelfachgeschäfte wie Bäckereien und Metzgereien sowie Läden für Einrichtungsgegenstände, Haushaltsgeräte und Baubedarf.

"Die Konsumstimmung leidet bis heute unter den Auswirkungen des russischen Krieges in der Ukraine und der hohen Inflation", behauptete der Sprecher des Handelsverbandes Deutschland (HDE), Stefan Hertel. "2024 hofft die Branche natürlich auf bessere Umsätze." Angesichts des erwarteten Rückgangs der Inflation scheine "vorsichtiger Optimismus" angebracht.

Zuletzt zeigte der Trend ausgerechnet im beginnenden und traditionell umsatzstarken Weihnachtsgeschäft überraschend deutlich nach unten: Im November mit Sonderaktionen wie "Black Friday" und "Cyber Monday" schrumpfte der reale Umsatz um 2,5 Prozent im Vergleich zum Vormonat. "Eine Konsumwende ist weiterhin außer Sicht", kommentierte der Chefvolkswirt der Hauck Aufhäuser Lampe Privatbank, Alexander Krüger.

Die nachlassende Teuerung könnte im Laufe des Jahres nach und nach für neue Impulse für den privaten Konsum sorgen. "Die Inflationsdynamik in Deutschland ist gebrochen und die Zeit wirklich hoher Inflationsraten ist vorbei", sagte der wissenschaftliche Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung (IMK), Sebastian Dullien. Er rechnet damit, dass sich die Teuerungsrate 2024 mehr als halbiert - auf 2,5 Prozent von 5,9 Prozent 2023.

Lesen Sie dazu: Inflation im Dezember durch „Sondereffekte“ deutlich gestiegen

Dadurch könnten die Reallöhne wieder deutlicher wachsen und damit die Kaufkraft der Verbraucher stärken. Im dritten Quartal legten die Reallöhne in Deutschland mit 0,6 Prozent so kräftig wie seit über zwei Jahren nicht mehr zu und damit bereits das zweite Vierteljahr in Folge. Ein Konsumboom, der die deutsche Wirtschaft aus der Flaute zieht, ist aber nicht in Sicht.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Online-Broker-Vergleich: Die besten Aktiendepots für Anleger – Tipps zur Anbieterauswahl

Ein Online-Broker-Vergleich beginnt beim Wertpapierdepot: Ein Depot ist die Eintrittskarte zur Börse, nur mit einem Depot können Anleger...

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen Anthropic-IPO rückt näher, OpenAI bremst: Was passiert mit den Rekord-Börsengängen?
25.09.2026

Was ist über Zeitplan, Bewertungen und Forderungen nach einer langsameren KI-Entwicklung vor den angekündigten Börsengängen bekannt?

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Henkel feiert 150 Jahre: Das sind die größten Herausforderungen
25.09.2026

Mit seinen bekannten Markenprodukten prägt Henkel seit Jahrzehnten den Alltag vieler Kunden. Ein Blick auf wichtige Meilensteine, Krisen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliardeninvestition richtet Hunderte Satelliten auf Putin
25.09.2026

Die finnische Satellitenfirma Iceye spielt bereits eine wichtige Rolle für die Ukraine und ihre Angriffe auf russische Ziele. Nun will das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gold für mehr als acht Milliarden Dollar: Russland meldet weitere Verkäufe
25.09.2026

Russlands Zentralbank verkauft seit Jahresbeginn kontinuierlich Gold. Fast 56 Tonnen verschwanden bereits aus den offiziellen Reserven, ihr...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Defekte Schraube an der Lenkung: Großrückruf bei VW, Audi und Seat
25.09.2026

Wegen möglicher Mängel an der Lenkung muss der Volkswagen-Konzern bundesweit fast eine Million Fahrzeuge der Marken VW, Audi und Seat in...

DWN
Politik
Politik Protest gegen den Zwang: Zehntausende Schüler gehen gegen drohende Wehrpflicht auf die Straße
25.09.2026

Die Sorge vor einer Rückkehr der Wehrpflicht treibt die Jugend auf die Straße. Mit einem bundesweiten Aktionstag fordert eine...

DWN
Politik
Politik Neue Sitzordnung und Streit um Ausschüsse: Landtag von Sachsen-Anhalt vor Neuausrichtung
25.09.2026

Im Landtag von Sachsen-Anhalt stehen vor der anstehenden konstituierenden Sitzung spürbare Veränderungen an. Neben optischen Anpassungen...

DWN
Politik
Politik Parteibuch im Notenbank-Vorstand: Ex-Staatssekretär Nimmermann wechselt zur Bundesbank
25.09.2026

Direkt aus dem Ministerium an die Spitze der Währungshüter: Mit dem früheren Staatssekretär Philipp Nimmermann zieht erstmals ein...