Unternehmen

Selbstständige: Mit Sorgen in das neue Jahr

Mit wenig Optimismus schauen Selbstständige und Kleinstunternehmen in das neue Jahr. Dies ergab eine aktuelle Umfrage zu den Geschäftserwartungen. Auch der Blick zurück fällt düster aus - das vergangene Jahr war für diese Unternehmer von Existenzsorgen geprägt.
Autor
08.01.2024 17:01
Aktualisiert: 08.01.2024 17:01
Lesezeit: 2 min
Selbstständige: Mit Sorgen in das neue Jahr
Die Geschäftslage und die Erwartungen der Selbstständigen ist düster. (Foto: dpa) Foto: ronniechua

Zwar habe sich trotz eines enttäuschenden Weihnachtsgeschäfts die Stimmung bei den Selbstständigen leicht verbessert, doch liegen alle relevanten Indikatoren tief im Minus. Deshalb könne „von einer Trendwende bei der Stimmung noch nicht gesprochen werden“, erklärte Katrin Demmelhuber vom Münchner ifo-Institut. Das renommierte Wirtschaftsforschungsinstitut ifo gibt mit dem Online-Anbieter Jimdo seit Dezember 2021 den monatlichen Jimdo-ifo-Geschäftsklimaindex heraus, der speziell die Stimmung und das Geschäftsklima bei Selbstständigen und Kleinstunternehmen untersucht.

Nach Angaben des ifo-Instituts ist zudem der kleine Anstieg sowohl bei der aktuellen Geschäftslage wie auch bei der Geschäftserwartung auf die etwas besseren Zahlen beim Verarbeitenden Gewerbe und beim Bau zurückzuführen. In diesen Bereichen habe sich zuletzt die Geschäftslage als auch die Stimmung ein wenig aufgehellt, hingegen hätten sich die Indikatoren für Dienstleister und Einzelhändler weiter verschlechtert.

Düstere Lage beim Einzelhandel

Besonders deutlich zeichne sich diese Entwicklung im Einzelhandel ab. Dieser habe auch im Dezember eine rückläufige Geschäftsentwicklung feststellen müssen, da auch das Weihnachtsgeschäft hinter den Erwartungen zurückgeblieben sei. Dies dämpfe auch die Geschäftserwartungen für die nächsten Monate, da infolge des schleppenden Absatzes im Dezember die Lagerbestände hoch seien und mit Nachbestellungen daher in der nächsten Zeit kaum im nennenswerten Umfang zu rechnen sei.

Das gesamte vergangene Jahr über hätten alle wesentlichen Geschäftsindikatoren für Selbstständige und Kleinstunternehmen eine deutlich schlechtere Lage angezeigt als für den Rest der Wirtschaft. Dies zeige sich in allen wesentlichen Punkten: von der schwachen Auftragslage über die gedämpften Geschäftserwartungen; von den Kreditmöglichkeiten bis hin zur häufigeren Bedrohung der Existenzgrundlage, erklärt der Geschäftsführer von Jimdo, Matthias Henze. Besonders signifikant sei der Unterschied bei der geplanten Investitionstätigkeit. So plane nur jeder siebte Selbstständige, seine Investitionen im nächsten Jahr zu erhöhen. Ganz anders sehe es aber in der Gesamtwirtschaft aus – dort beabsichtigen mehr Unternehmer im nächsten Jahr ihr Geschäft auszuweiten als zu reduzieren.

Schwierige Geldbeschaffung

Auch bei der Kreditbeschaffung seien, so Henze, unterschiedliche Trends zu beobachten: Während im letzten Quartal des vergangenen Jahres der Anteil der Selbstständigen stieg, die Probleme bei der Beschaffung neuer Gelder hatte, ging dieser in der Gesamtwirtschaft im selben Zeitraum zurück.

Die jüngsten Zahlen des Jimdo-Ifo-Index nimmt der Vorstandsvorsitzende des Verbandes der Gründer und Selbstständigen Deutschland (VGSD), Andreas Lutz, zum Anlass, an die Bundesregierung zu appellieren, umgehend positive Impulse für Solo- und Kleinstunternehmen zu setzen: „Die Regierung sollte das neue Jahr zum Anlass nehmen, in ihrer Politik für Solo- und Kleinstunternehmen einen Neustart zu machen.

Der Jimdo-Ifo-Index für Selbstständige befragt jeden Monat 1500 Solo-Selbstständige sowie Kleinstunternehmen mit bis zu neun Mitarbeitern zu ihrer aktuellen Geschäftslage und zu ihren Erwartungen. In Deutschland gibt es 3,9 Millionen Solo- und Kleinstunternehmen, sie erwirtschaften einen Jahresumsatz von 440 Milliarden Euro.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Unternehmen
Unternehmen VinFast-Gründer: Der Vietnamese, der Milliarden riskiert
21.09.2026

Pham Nhat Vuong baute in der Ukraine ein Nudelgeschäft auf, kehrte nach Vietnam zurück und schuf mit Vingroup ein Wirtschaftsimperium....

DWN
Politik
Politik Deutschland braucht einen nationalen Hitzeschutzplan: Doch wer trägt die Kosten?
21.09.2026

Sommer, Sonne, Hitze: Extrem hohe Temperaturen belasten zunehmend den Alltag vieler Menschen in Deutschland und verursachen...

DWN
Technologie
Technologie 70.000 Dollar für eine Hand: Deutschlands Chance im Roboter-Boom
21.09.2026

China lieferte im ersten Halbjahr 97 Prozent aller humanoiden Roboter weltweit aus. Warum eine Fraunhofer-Studie ausgerechnet in deren...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft IAB-Studie: Rüstungsindustrie kann Stellenabbau nicht auffangen
21.09.2026

Die Rüstungsindustrie wächst, doch als Auffangbecken für Beschäftigte aus kriselnden Industriezweigen taugt sie bislang kaum. Neue...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Škoda Peaq im Test: Wenn die Reichweite ihrem Namen alle Ehre macht
21.09.2026

Mit dem Škoda Peaq stellt die Marke ihr bislang größtes Elektroauto vor. Der SUV setzt auf hohe Reichweite, viel Innenraum, starke...

DWN
Finanzen
Finanzen Vonovia-Aktie unter Druck nach Berlin-Wahl – Diskussion um Enteignungen
21.09.2026

Die Berlin-Wahl setzt die Vonovia-Aktie unter Druck. Forderungen nach Enteignungen großer Wohnungskonzerne sorgen bei Anlegern für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wirtschaftsprofessor Luis Garicano: So vermeiden Sie, Ihren Job an KI zu verlieren
21.09.2026

Viele Warnungen vor KI und Massenarbeitslosigkeit klingen dramatisch. Der Ökonom Luis Garicano hält sie für übertrieben. Sein Argument:...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Novo Nordisk-Aktie: Warum der Ozempic-Riese plötzlich alles ändert
21.09.2026

Novo Nordisk macht aus sich selbst „Novo“ und dreht sogar den berühmten Stier im Logo um. Doch hinter der vermeintlichen kosmetischen...