Unternehmen

Galeria Karstadt Kaufhof meldet erneut Insolvenz an

Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern Galeria Karstadt Kaufhof beantragt erneut ein Insolvenzverfahren. Es ist das dritte innerhalb weniger Jahre. Was mit den gut 90 Warenhäusern und mehr als 15 000 Beschäftigten passiert, ist unklar.
09.01.2024 13:16
Aktualisiert: 09.01.2024 13:16
Lesezeit: 2 min

Die Warenhauskette Galeria Karstadt Kaufhof (GKK) hat beim Amtsgericht Essen einen Insolvenzantrag gestellt. Das teilte das Unternehmen am Dienstag in Essen mit. Galeria sucht demnach einen neuen Eigentümer. Gespräche mit potenziellen Investoren seien bereits angelaufen, Ziel sei die Fortführung von Galeria.

Galeria-Chef Olivier van den Bossche sagte: «Galerias operativer Erfolg wird durch die Rahmenbedingungen der alten Eigentümerstruktur belastet. Wir sehen in dem heutigen Tag ausdrücklich einen Befreiungsschlag.» Weiter heißt es in der Mitteilung: «Die Insolvenzen der Signa-Gruppe schädigen Galeria massiv, behindern das laufende Geschäft und schränken durch hohe Mieten und teure Dienstleistungen die künftige Entwicklungsmöglichkeit stark ein.»

Ungewissheit über Millionen-Zahlungen von Signa

Für GKK ist es schon die dritte Insolvenz innerhalb von weniger als vier Jahren. Vorausgegangen war die Schieflage des Mutterkonzerns Signa. In den vergangenen Wochen hatten mehrere Unternehmen aus der Handels- und Immobiliengruppe des österreichischen Unternehmers René Benko Insolvenz angemeldet - darunter die Signa Retail Selection AG, zu der GKK gehört. Sie hatte Ende November angekündigt, ihr Geschäft geordnet abzuwickeln, was einen Verkauf von GKK bedeutet.

Deutschlands letzter großer Warenhauskonzern hatte erst Ende 2022 Rettung in einem Schutzschirmverfahren suchen müssen. Im März 2023 stimmte die Gläubigerversammlung dem Insolvenzplan zu. Signa hatte für die Sanierung 200 Millionen Euro zugesagt, die in mehreren Tranchen bis 2025 fließen sollen, die ersten 50 Millionen dem Vernehmen nach im Februar.

Ob GKK mit der Zahlung rechnen kann, ist weiter unklar. Der österreichische Insolvenzexperte Karl-Heinz Götze von der Gläubigerschutzorganisation KSV1870 geht nicht davon aus. Er kenne jedoch die entsprechenden Zahlungsvereinbarungen nicht, betonte Götze, dessen Organisation im Gläubigerausschuss der Holding-Insolvenz vertreten ist. Der Insolvenzverwalter von Signa Holding wollte sich auf Anfrage dazu nicht äußern.

Bangen um mehr als 15 000 Stellen

Nach der vergangenen Insolvenz hatte der Warenhauskonzern etwa 40 Filialen schließen müssen. Die letzten 18 davon machen im Laufe dieses Monats dicht. Galeria betreibt aktuell 92 Warenhäuser und beschäftigt nach eigenen Angaben mehr als 15 000 Menschen.

Lesen Sie dazu: Arbeitslosigkeit und Kurzarbeit nehmen zu

Was die neue Insolvenzanmeldung für die Beschäftigten bedeutet, lässt sich noch nicht sagen. Der Gesamtbetriebsrat war zunächst nicht für ein Statement zu erreichen. Während des letzten Insolvenzverfahrens hatte die Bundesagentur für Arbeit den Galeria-Beschäftigten drei Monate lang Insolvenzgeld gezahlt.

In den beiden zurückliegenden Insolvenzverfahren hatten die Gläubiger von Galeria auf Milliardenforderungen verzichtet, damit die Warenhauskette einen Weg aus der Krise findet. Auch der deutsche Staat half mit viel Geld: 2021 und 2022 hatte der Wirtschaftsstabilisierungsfonds (WSF) dem Unternehmen mit insgesamt 680 Millionen Euro unter die Arme gegriffen. Laut dem Insolvenzplan vom Frühjahr 2023 sollte der WSF nur einen kleinen Teil aus der Verwertung des Warenbestands zurückerhalten.

Diesmal hat die Galeria Karstadt Kaufhof GmbH ein Regelinsolvenzverfahren beantragt. Das Amtsgericht Essen bestellte Rechtsanwalt Stefan Denkhaus (Essen, Hamburg) zum vorläufigen Insolvenzverwalter.

Die Geschäftsführung bleibt zwar im Amt, aber alle Geschäfte bedürfen der Zustimmung des vorläufigen Insolvenzverwalters. Der muss ein Gutachten erstellen, ob die Insolvenzantragsgründe gegeben und die Kosten des Verfahrens gedeckt sind. Sind die Voraussetzungen erfüllt, wird das Verfahren eröffnet. Die Erstellung eines Insolvenzplans kann entweder schon jetzt durch die Geschäftsführung oder nach der Verfahrenseröffnung durch den Insolvenzverwalter erfolgen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

 

DWN
Politik
Politik EZB-Zinsentscheid: Bleiben die Zinsen stabil oder deutet Lagarde schon die nächste Erhöhung an?
27.10.2026

In dieser Woche stehen zwei Zinsentscheidungen an. Am Mittwoch tagt die US-Notenbank Fed, am Donnerstag folgt der EZB-Zinsentscheid.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Wolfgang Grupp junior: Audis Vier-Milliarden-Werk in den USA verschärft die Standortdebatte in Deutschland
27.10.2026

Trigema-Geschäftsführer Wolfgang Grupp junior kritisiert den Fokus auf den politischen Auftritt des Audi-Chefs in den USA. Er fragt...

DWN
Politik
Politik Was passiert, wenn Ägypten in den Krieg im Nahen Osten eintritt
27.10.2026

Ägyptens Parlament hat Präsident Abdel Fattah al-Sisi grünes Licht für militärische Unterstützung Saudi-Arabiens gegeben. Die...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Allianz-Prognose: Unternehmensinsolvenzen bleiben auf hohem Niveau
27.10.2026

Mehr und mehr Unternehmen werden zu Sanierungsfällen: Der Kreditversicherer Allianz Trade rechnet dieses und nächstes Jahr mit nahezu je...

DWN
Politik
Politik Gelockerter Kündigungsschutz für Hochverdiener: Was Arbeitgeber für 2027 wissen sollten
27.10.2026

Die Bundesregierung plant eine Reform des Kündigungsschutzes, in der Hochverdiener leichter kündbar werden sollen. Arbeitgeber können...

DWN
Finanzen
Finanzen Verivox: Preiskampf in der Kfz-Versicherung ist zurück
27.10.2026

In den vergangenen Jahren haben etliche Kfz-Versicherer ihre Preise drastisch erhöht. Diese Phase scheint vorbei: Nun schwingt das Pendel...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Robin Zeng: Der Chinese, von dem Deutschlands Autobauer abhängen
27.10.2026

Er baut keine Autos, doch ohne ihn hätten BMW, Volkswagen und Mercedes-Benz ein gewaltiges Problem. Der chinesische Milliardär Robin Zeng...

DWN
Finanzen
Finanzen Zigaretten mag ich nicht, aber diese Nikotin-Aktie reizt mich
27.10.2026

Eine etwas unanständige Aktie ist auf meinem Radar aufgetaucht: Imperial Brands.