Unternehmen

BASF-Aktie mit Performance-Problemen: Chemiebranche vor großen Herausforderungen

In der Chemiebranche läuft es gar nicht gut. Auch BASF, der weltgrößte Chemiekonzern, hat im Jahr 2023 nicht gut performt - und alle Ziele bei Umsatz und Gewinn verfehlt. Eine neue ifo-Umfrage zeigt, dass der Chemieriese ein Spiegelbild der gesamten Branche ist. Worauf sich die Unternehmen einstellen müssen.
24.01.2024 10:54
Aktualisiert: 24.01.2024 10:54
Lesezeit: 2 min
BASF-Aktie mit Performance-Problemen: Chemiebranche vor großen Herausforderungen
Das beleuchtete BASF-Stammwerk in Ludwigshafen: Schwierige Zeiten für die Chemiebranche Foto: BASF

Mit knapp 69 Milliarden Euro Umsatz 2023 ist die BASF SE deutlich unter den prognostizierten 73 bis 79 Milliarden Euro geblieben. Auch der EBIT-Gewinn, vor Zinsen, Steuern und Sonderabgaben, bleibt deutlich unter den Erwartungen. Mit wohl 3,8 Milliarden Euro wurde das Gewinnziel von 4 bis 4,4 Milliarden Euro weit verfehlt. Dabei ist insbesondere auch der Abstand zum Vorjahr 2022 groß. Hier lag der Umsatz noch bei über 87 Milliarden Euro und der EBIT-Gewinn bei 6,9 Milliarden.

BASF-Aktie: Preisdruck, Auftragsflaute und hohe Kosten belasten

Die bereits umfangreich eingeleiteten Sparmaßnahmen 2023 konnten die sehr niedrigen Gewinnmargen nicht auffangen. Speziell China stellt ein Problem dar. BASF hatte besonders im zweiten Halbjahr 2023 mit Aufholeffekten nach der Pandemie gerechnet, die jedoch ausblieben. China sitzt auf Überkapazitäten, die sie nach Europa liefern. Dies führt hier zu einem enormen Preisdruck.

Auch der hohe Preisschub bei Energie macht dem Konzern zu schaffen. Zusätzlich kämpft es durch die generelle Konjunkturflaute mit einer nachlassenden Nachfrage nach seinen Produkten, die den Grundstoff für viele weitere Güter bilden.

Die BASF-Aktie reagierte sehr volatil auf die enttäuschenden Zahlen vom vergangenen Freitag. Zum Start in die neue Handelswoche gab das Papier um 0,5 Prozent nach, in den ersten drei Wochen des Jahres 2024 büßte der Aktienkurs annähernd 10 Prozent ein.

Chemie-Krise läuft branchenweit

BASF steht in der Krise nicht allein da. Die gesamte Chemiebranche leidet unter einer schwachen Nachfrage, auch im Auslandsgeschäft, und steigenden Energiekosten. Die vom ifo-Institut ermittelte Branchenstimmung ist im Keller. Sie ist im Dezember 2023 auf -15,2 Punkte gefallen. Ein Aufwärtstrend ist dabei noch nicht in Sicht. Die ungünstigen Aussichten schlagen sich auch bei der Beschäftigung nieder. Hier wird ein noch größerer Personalabbau erwartet.

Auch 2024 wird für die Branche ein schwieriges Jahr werden. BASF erwirtschaftete die Hälfte seines operativen Gewinns 2023 im ersten Quartal. Im laufenden Jahr wird deshalb auch nicht mit einer Verbesserung zu rechnen sein.

Zusätzliche Lieferengpässe durch Unruhen im Roten Meer

Containerschiffe werden nach den Angriffen der jemenitischen Huthis nicht mehr durch das Rote Meer und den Suezkanal geleitet, sondern um Afrika herum. Für die deutsche Chemiebranche, die immerhin die größte in Europa ist, sind die Lieferverzögerungen mittlerweile spürbar. Für einige Unternehmen bedeutet dies eine Drosselung der Produktionskapazitäten.

Auch Unternehmen wie Evonik oder die Gechem GmbH, die für große Industriekunden Chemikalien mischt, müssen sich auf höhere Transportkosten und Lieferverzögerungen einstellen. Andere Unternehmen der Branche sind zwar weniger von Lieferverzögerungen betroffen, wohl aber von den höheren Kosten für den Transport.

Die Transportprobleme durch die Unruhen im Roten Meer treffen die Chemiebranche zu einer Zeit, in der sie aufgrund der allgemeinen Rezession und auch den hohen Energiekosten sowieso schon unter Druck steht.

Chemiebranche ist stark mittelständisch geprägt

Annähernd 2.000 Unternehmen gehören deutschlandweit zur Chemiebranche. Mehr als 90 Prozent davon sind kleine und mittelständische Unternehmen mit weniger als 500 Beschäftigten. Sie erwirtschaften rund 27 % des Umsatzes der Branche. Ein Drittel aller Mitarbeiter der Branche ist hier beschäftigt.

Dabei sind innerhalb der Chemiebranche die Mittelständler weniger die Zulieferer der Großunternehmen als vielmehr ihre Kunden. Die Großunternehmen der Chemie liefern die Vorprodukte, die dann im Mittelstand zu Fertigprodukten weiterverarbeitet werden. Die KMU sind dabei in sehr vielen unterschiedlichen Produktbereichen tätig. Diese reichen von Arzneimitteln, Wasch- und Reinigungsmitteln, Farben, Lacken, Klebstoffen bis hin zu Schuh- und Möbelpolituren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Warum Deon Markets in der Krypto-Landschaft herausragt

In der dynamischen Welt der Kryptowährungen hebt sich Deon Markets deutlich ab. Diese Plattform bietet mehr als nur den Handel mit...

 

DWN
Politik
Politik Deutschland kauft Tomahawk-Marschflugkörper in den USA
09.07.2026

Die US-Regierung hat der vereinbarten Stationierung von Tomahawk-Marschflugkörpern unter Trump eine Absage erteilt. Nun gibt es eine...

DWN
Finanzen
Finanzen Umfrage: Deutsche sorgen sich um finanzielle Zukunft
09.07.2026

Inflation und Krisen setzen viele Menschen unter Druck: In einer Umfrage gibt mehr als die Hälfte der Deutschen an, künftig mehr sparen...

DWN
Politik
Politik Wird Montenegro das nächste EU-Mitglied? Brüssel zählt die Tage, Zagreb stellt Bedingungen
09.07.2026

Nach Jahren der Erweiterungsmüdigkeit zählt Brüssel wieder herunter: Montenegro soll bis 2028 EU-Mitglied werden. Doch vor dem Beitritt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliarden-Zukauf: Deutz möchte Rüstungsfirma FFG kaufen
09.07.2026

Der Motorenbauer Deutz setzt seinen Expansionskurs fort und hat zuletzt eine Akquisition nach der anderen verkündet. Nun plant das...

DWN
Finanzen
Finanzen Europas Fußball-Markt: Erneut Umsatzrekord, doch Stagnation droht
09.07.2026

Europas Fußball-Markt hat laut einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft seinen Rekordkurs fortgesetzt. Auch die Bundesliga trägt dazu bei....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Künstliche Intelligenz in der Autoindustrie: Warum Ford wieder Menschen braucht
09.07.2026

Ford wollte mit künstlicher Intelligenz Qualität sichern, Kosten senken und die Produktion effizienter machen. Doch ausgerechnet dort, wo...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Rohstoffe für Russland? Irlands Regierung weicht Verstaatlichung aus
08.07.2026

Das irische Alumina-Werk Aughinish steht wegen russischer Eigentümerstrukturen und Exporten nach Russland unter Druck. Trotz Sorgen über...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Insolvente Unternehmen: Immer mehr Firmen vorm endgültigen Aus
08.07.2026

Steigende Energiepreise, hohe Arbeitskosten, drohende Lieferkettenstörungen: Die Rettung zahlungsunfähiger Firmen in Deutschland wird...