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Shisha-Branche vor Pleitewelle

Das Rauchen von Wasserpfeifen lag jahrelang im Trend, in den Städten öffneten immer mehr Shisha-Bars. 5.000 soll es in Deutschland geben. Doch inzwischen sind ihre wirtschaftlichen Aussichten trist.
11.02.2024 16:26
Aktualisiert: 11.02.2024 16:26
Lesezeit: 2 min
Shisha-Branche vor Pleitewelle
Lange galten Sisha-Bars als angesagt. Doch eine Verpackungsvorschrift bedroht die Branche. (Foto: dpa) Foto: Patrick Lux

Der Shishabranche droht nach Einschätzung eines Branchenverbandes in diesem Jahr eine Pleitewelle. „Wenn der Bund nicht umsteuert und eine unsinnige Verpackungsvorschrift kippt, wird vermutlich jede dritte oder jede vierte Shisha-Bar am Ende dieses Jahres geschlossen sein“, sagte der Geschäftsführer des Bundesverbandes Wasserpfeifentabak, Folke Rega, der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

Er bezog sich dabei auf Gespräche mit Barbetreibern und Händlern, die von einer stark gesunkenen Nachfrage nach legalem Tabak berichteten. Einige Ladenschließungen habe es bereits gegeben. Bei den Herstellern und Händlern sei die wirtschaftliche Situation sehr angespannt, hier drohten sogar „akut“ Insolvenzen.

Verpackungsvorschrift bedroht Branche

Die Mitte 2022 eingeführte Vorschrift besagt, dass Shisha-Tabak nur noch in Einzeldosen-Verpackungen und nicht mehr in großen Gebinden verkauft werden dürfen. Dadurch hat sich der Preis nach Einschätzung des Verbandes etwa verdoppelt. Um Geld zu sparen, besorgten sich viele Konsumenten illegale Produkte. Sie inhalierten daheim und nicht mehr in einer Shisha-Bar. „Schwarzmarkt-Produkte sind gefährlich, sie unterliegen keiner staatlichen Lebensmittelkontrolle und enthalten verunreinigten Tabak und verbotene Stoffe“, warnte Rega.

Ein Blick auf die Steuerstatistik bestätigt den schlechten Zustand der Shisha-Branche. Laut Statistischem Bundesamt wurden 2023 Steuerzeichen für 727 Tonnen Wasserpfeifentabak ausgegeben und damit deutlich weniger als 2022 (893 Tonnen). Das ist der Netto-Wert, also nach Abzug von Rückerstattungen. Im Vergleich zu 2021 – also dem Jahr vor der Einführung der Verpackungsvorschrift – waren es laut Generalzolldirektion 6897 Tonnen gewesen.

Der legale Markt macht aktuell also nur etwa ein Zehntel seines Volumens von 2021 aus. Rechnet man Vorzieheffekte heraus, die es 2021 angesichts einer anstehenden Steuererhöhung gegeben hatte und die legale Menge damals mit einem Sondereffekt vergrößert hatten, so wäre es circa ein Siebtel des damaligen Marktes.

Während die Steuereinnahmen stark gesunken sind, ist der Konsum nach Schätzung des Branchenverbandes stabil geblieben. Dies schlussfolgert Verbandsgeschäftsführer Rega aus Rückmeldungen von Importeuren, die spezielle Shisha-Kohle verkaufen und weiterhin gute Geschäfte vermelden. „Ein Großteil der Shisha-Kohle wird dafür genutzt, um den Schwarzmarkt-Tabak anzuzünden.“

Untätiger Zoll

Ihn ärgert, dass Verkäufer von unversteuertem Wasserpfeifentabak in sozialen Medien offensiv und teilweise sogar mit Klarnamen auftreten, um für die Deals in Hinterhöfen zu werben. „Polizei und Zoll bleiben weitgehend untätig, obwohl es sich um systematische Rechtsverstöße handelt, die dem ehrlichen Kaufmann das Leben schwer machen.“ Er appelliert an das Bundesfinanzministerium, die Verordnung über die Verpackungsgröße zu ändern und wieder größere Gebinde zuzulassen. „Das würde den Schwarzmarkt abwürgen und das legale Geschäft ankurbeln“, sagt Rega. „Der Bund hätte dann wesentliche Steuermehreinnahmen, die er doch gerade jetzt, in Zeiten knapper Kassen, gut gebrauchen dürfte.“ Der Wert der Steuerzeichen, die der Staat für Wasserpfeifen-Tabak ausgab, lag 2023 laut Statistischem Bundesamt bei 41,2 Millionen Euro, erheblich weniger als 2021.

Damals hatte das Bundesfinanzministerium geschätzt, dass die Tabaksteuerreform zu Steuereinnahmen von 155 Millionen Euro für Wasserpfeifentabak kommen werde - und zwar als Mehreinnahmen, die zu den Einnahmen, die es ohne Verpackungsvorschrift gegeben hätte, dazu kommen. Inzwischen ist allerdings klar, dass der tatsächliche Gesamtbetrag der Shisha-Steuereinnahmen wesentlich niedriger ist. (dpa)

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