Technologie

Bosch-Chef will langfristig an Verbrenner-Technologie festhalten

Der Umstieg auf E-Autos verläuft holpriger als von der Politik geplant. Der Chef des Autozulieferers Bosch glaubt, dass Verbrenner noch viele Jahrzehnte lang benötigt werden und ist damit in guter Gesellschaft. Denn der Toyota-Boss hatte zuletzt etwas ganz ähnliches behauptet.
03.03.2024 19:00
Aktualisiert: 03.03.2024 21:26
Lesezeit: 2 min

Der Zulieferer Bosch sieht Unternehmen trotz der Elektroauto-Offensive einen großen Bedarf für Elektromotoren. "Wir müssen weiterhin Verbrenner-Technologie in Deutschland bereitstellen, sonst wird die Welt damit nicht zurechtkommen", sagte Bosch-Chef Stefan Hartung dem Portal "The Pioneer". Man könne Kunden außerhalb Europas nicht zwingen, Verbrenner nicht einzusetzen, auch weil es zum Teil keine alternativen Lösungen gebe, erklärte er mit Blick auf das geplannte Verbrenner-Verbot ab 2035 in der Europäischen Union.

Komplette Umstellung der globalen Autoproduktion würde mindestens drei Jahrzehnte dauern

Verbrenner würden noch über viele Jahrzehnte auf den Straßen unterwegs sein, sagte der Chef des Auto-Zulieferers. Man werde mindestens 30 bis 35 Jahre benötigen, um weltweit alle Fahrzeuge zu elektrifizieren. Rund um den Globus gebe es geschätzte 1,4 Milliarden Autos. Wenn man die jährliche Fertigungskapazität der weltweiten Autoindustrie von rund 90 Millionen Fahrzeugen zugrunde lege und ab sofort nur noch E-Autos bauen würde, würde es mindestens 16 Jahre dauern, um die gesamte Fahrzeugflotte auszutauschen. In der Realität würden aber auch weiter Verbrenner-Fahrzeuge produziert, die im Laufe der Zeit wieder ersetzt werden müssten. Daher sei es plausibel, von mindestens der doppelten Anzahl an Jahren auszugehen.

Auch das ist natürlich eine Milchmädchen-Rechnung. Außerhalb Europas herrschen ganz andere klimapolitische Verhältnisse. Die Akzeptanz von E-Autos ist in den USA, Lateiamerika und Asien (vielleicht abgesehen von China) eher noch niedriger als etwa in Deutschland. Und selbst bei uns läuft die Verbreitung sehr schleppend und die Nachfrage stagniert. Auch in anderen Ländern war der Absatz von Elektroautos zuletzt ins Stocken geraten. Hohe Preise, technische Probleme, mangelnde Lade-Infrastruktur und zu geringe Reichweiten schrecken potentielle Käufer ab.

Auch Toyota-Chef glaubt nicht an dominante Zukunft der Elektromobilität

Der Bosch-CEO ist mit seiner Ansicht nicht alleine. Im September 2023 hatte BMW-Vorstandschef Oliver Zipse die deutsche Industriepolitik und das EU-Verbrennerverbot scharf kritisiert. Erst diesen Januar stieß der Autovermieter Hertz ein Drittel seiner Elektroautoflotte ab, um sie mit Verbrennern zu ersetzen. Zur selben Zeit hatte sich mit Akio Toyoda, Chef des global führenden Autobauers Toyota, ein absolutes Schwergewicht der Branche ebenfalls kritisch zu den Elektroauto-Zielen geäußert. Toyoda ist von dem unaufhaltsamen Siegeszug des Elektroautos, anders als viele deutsche Autobauer und Politiker, keineswegs überzeugt. Der Toyota-Boss prognostiziert, dass Elektrofahrzeuge bestenfalls einen Anteil von 30 Prozent am Weltmarkt erreichen werden. Der Enkel des Toyota-Gründers meint, dass der Umstieg auf Elektrofahrzeuge keine Lösung sei, solange weltweit eine Milliarde Menschen ohne Strom leben.

In der EU dürfen ab 2035 nur noch klimaneutrale Fahrzeuge auf den Markt gebracht werden. Die Vorgabe soll 2026 überprüft werden. Grundsätzlich sei die E-Mobilität ein Wachstumsmarkt, meint Bosch-Chef Hartung. "Nur, wie wir auch von Fahrzeugherstellern hören, wird der Hochlauf langsamer verlaufen als bisher angenommen". Die Frage, ob das Verbrenner-Aus in der EU zu früh ausgerufen wurde, verneinte der Manager. "Wichtig bei den Klimazielen war erst mal, dass wir uns überhaupt ein Ziel setzen."

"Elektrische Erntemaschinen würden wahrscheinlich im Boden versinken"

Hartung sagte, man müsse trotzdem weiter Verbrenner-Technologie bereitstellen - auch in Deutschland. Für eine komplette Elektrifizierung bedürfe es Erfindungen und Lösungen, die es bisher nicht gebe. Hartung nennt als Beispiel Erntemaschinen, die nicht ohne Weiteres elektrisch fahren könnten. "Denn sie fahren bis zu zwölf Stunden und ziehen dabei pro Stunde 250 bis 300 Kilowatt Leistung. Mit einer dafür benötigten Batterie würde das Fahrzeug wahrscheinlich im Boden versinken."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Wandel im Vaping-Markt: Nachhaltigkeit und Kostendruck treiben Wechsel zu Mehrwegsystemen

Der Markt für E-Zigaretten durchlebt eine tiefgreifende Transformation. Lange Zeit galten Einweg-Vapes, popularisiert durch Marken wie Elf...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Micron und SanDisk im Sog des anhaltenden Chip-Ausverkaufs
29.07.2026

Turbulenzen an den US-Märkten: Warum Anleger jetzt starke Nerven brauchen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Dänemark-Handelspolitik: „Langlebige Mythen über Afrika sind kostspielig“
29.07.2026

Afrika gewinnt im globalen Wettbewerb um Märkte, Wertschöpfungsketten und die grüne Transformation zunehmend an Bedeutung. Damit...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Dieses Familienunternehmen profitierte vom Krieg, nun droht der Kontrollverlust
29.07.2026

Aller Petfood blieb mit zwei Fabriken in Russland aktiv und profitierte zunächst vom abgeschotteten Markt. Nun geraten das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europäischer Gaspreis steigt wieder: Iranische Attacken nach US-Angriffsstopp – Entspannung nicht in Sicht
29.07.2026

Die Hoffnung auf eine Entspannung im Nahen Osten war nur von kurzer Dauer. Neue militärische Entwicklungen lassen den europäischen...

DWN
Finanzen
Finanzen Europa droht ein Preisschock und ein stärker als erwarteter Anstieg des Euribor
29.07.2026

Der 6-Monats-Euribor ist auf den höchsten Stand seit anderthalb Jahren geklettert. Der Anstieg dürfte sich fortsetzen, da ein unerwartet...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie: Starke Quartalszahlen stützen Erholung, Cashflow bleibt Belastungsfaktor
29.07.2026

Nach Monaten deutlicher Kursverluste zeigt sich die Rheinmetall-Aktie am Mittwoch von ihrer besten Seite – dank starker Quartalszahlen....

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Ende der Einspeisevergütung: Was sich durch die EEG-Reform bei der Solarförderung ändert
29.07.2026

Die Bundesregierung stellt die Förderung von Solarstrom grundlegend um. Das Kabinett hat eine Reform des EEG beschlossen, die private...

DWN
Finanzen
Finanzen DWS-Aktie sackt ab: Deutsche-Bank-Tochter enttäuscht mit Erträgen
29.07.2026

Auf den ersten Blick liefert DWS starke Zahlen: Milliarden fließen neu in die Fonds, das verwaltete Vermögen erreicht einen Höchststand...