Unternehmen

Studie: Wirtschaftskriminalität in Deutschland erreicht Höchstmarke

Das Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) schlägt Alarm: Wirtschaftskriminalität erreicht Rekordniveau. Über ein Drittel der Unternehmen sind betroffen.
04.04.2024 07:40
Aktualisiert: 04.04.2024 09:16
Lesezeit: 2 min

Betrug, Korruption, verbotenen Preisabsprachen, Steuerhinterziehung oder Schwarzarbeit: Von Wirtschaftskriminalität ist im vergangenen Jahr ein Drittel der Unternehmen in Deutschland (34 Prozent) konfrontiert gewesen. Das sei die höchste Quote seit 2014, heißt es in der Studie des Kölner Instituts der deutschen Wirtschaft (IW). Zuerst hatte die „Rheinische Post“ berichtet. Der Großteil der Vergehen konnte aufgeklärt werden - das IW geht aber von einer erheblichen Dunkelziffer aus.

Das IW stützt sich auf eine repräsentative Umfrage, bei der 1001 deutsche Unternehmen im Jahr 2023 befragt wurden. Daten aus der Polizeikriminalstatistik des Bundeskriminalamts (BKA) aus dem Jahr 2022 untermauern laut IW den Befund. Die Zahl der Wirtschaftsdelikte stieg demnach im dritten Jahr in Folge. Das sei „alarmierend“. Die Summe der Fälle belief sich demnach auf 73.114; in den letzten fünf Jahren betrug die durchschnittliche Anzahl demnach 52.916 Fälle.

Auch das Schadenspotenzial ist laut IW „nicht zu unterschätzen". Der durch Wirtschaftskriminalität verursachte monetäre Schaden betrug 2022 insgesamt 2,083 Milliarden Euro. Dieser Wert sei zuletzt aber rückläufig gewesen.

Täterprofile in der Wirtschaftskriminalität

Die Studienautoren werteten auch verfügbare Daten über die Täterprofile aus. Zusammenfassend ist der Wirtschaftskriminelle in Deutschland zumeist männlich, Ende 30 bis Mitte 40, weiß, meist deutscher Herkunft und weist ein hohes Bildungsniveau in Kombination mit einer mehrjährigen Berufserfahrung in einer Führungsposition auf", erklärten die Autoren. Der typische deutsche Wirtschaftskriminelle sei "auf persönlicher Ebene tendenziell neurotisch, extrovertiert sowie offen für neue Erfahrungen, wenig gewissenhaft und sozial unverträglich.“

Eine große Mehrheit von 91,8 Prozent der bekannten Fälle konnte 2022 aufgeklärt werden. Auch 2021 war die Quote mit fast 89 Prozent bereits hoch gewesen. „Wirtschaftskriminelle Tatverdächtige können oftmals durch die Anzeigenden benannt werden, weshalb eine derartige Aufklärungsquote erzielt werden kann“, zitieren die IW-Forschenden aus der Statistik des BKA. Trotzdem müsse von einer hohen Dunkelziffer ausgegangen werden.

Aufklärungsarbeit und internationale Perspektiven

International ist die Zahl der von Wirtschaftskriminalität betroffenen Unternehmen laut IW nochmals höher als in Deutschland. Einer Studie der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PWC zufolge sahen sich weltweit 46 Prozent der Firmen damit konfrontiert. Unternehmensbefragungen, die das Dunkelfeld mit einbeziehen, zeigen laut IW, dass Korruption, Kartelle und Schwarzarbeit jährliche Umsatzeinbußen von durchschnittlich jeweils 4,7 bis 7,1 Prozent verursachen.

Kriminelle beeinträchtigten nicht nur die Wirtschaft selbst, sondern auch das Vertrauen in Unternehmen und die Integrität der Wirtschaft, so das IW. Firmen müssten deshalb präventive Maßnahmen verfolgen, wie die Einführung eines Wertemanagementsystems und die Schaffung von Compliance-Anlaufstellen. Zudem müsse an Verhaltenskodizes erinnert und Vorbildverhalten gezielt eingesetzt werden.

(dpa/DWN)

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Online-Broker-Vergleich: Die besten Aktiendepots für Anleger – Tipps zur Anbieterauswahl

Ein Online-Broker-Vergleich beginnt beim Wertpapierdepot: Ein Depot ist die Eintrittskarte zur Börse, nur mit einem Depot können Anleger...

 

DWN
Politik
Politik Geran-5: Wie die Ukraine auf Russlands schnelle Drohne reagiert
28.09.2026

Russlands schnelle Angriffsdrohnen stellen die ukrainische Luftverteidigung vor ein neues Problem. Während ältere Geran-5-Modelle...

DWN
Politik
Politik Europa schließt Fabriken und träumt von strategischer Autonomie
28.09.2026

Da es keine Antwort auf die heute und jetzt hohen Energiepreise gibt, zu denen auch die Politik der EU beigetragen hat, verkauft Ursula von...

DWN
Politik
Politik Verteidigungsfähigkeit: Bericht zu Verteidigungsbereitschaft der EU offenbart Lücken
28.09.2026

Signifikante Lücken bei der Luftverteidigung, bei Drohnen und bei Munitionsbeständen: Vor dem Treffen der europäischen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Milliardeninvestition richtet Hunderte Satelliten auf Putin
28.09.2026

Die finnische Satellitenfirma Iceye spielt bereits eine wichtige Rolle für die Ukraine und ihre Angriffe auf russische Ziele. Nun will das...

DWN
Politik
Politik Erneuerbare Energien: Solarstromproduktion übertrifft Vorjahreswert
28.09.2026

Bereits Ende September hat die Solarstromproduktion in Deutschland den Vorjahreswert übertroffen. Welche Faktoren zu diesem Rekord...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltweite Schulden mit Gold tilgen? Dann müsste es 400.000 Dollar kosten
28.09.2026

Die Goldpreise erreichen 2026 Rekordstände. Doch was wäre, wenn Staaten ihre Schulden theoretisch mit ihren Goldreserven decken wollten?...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU-China-Handelskonflikt: Expertin warnt vor 50 verlorenen Jahren
28.09.2026

Chinas Exportmaschine setzt Europas Industrie zunehmend unter Druck, und ausgerechnet Deutschland trifft der neue Wettbewerb besonders...

DWN
Politik
Politik Klima-Transformation: Das steckt hinter dem Umbau der Stahlindustrie
28.09.2026

Weg von Kohle, hin zu Wasserstoff: Die deutsche Stahlindustrie steckt Milliarden in die Produktion von grünen Stahl. Doch die...