Immobilien

Krise auf dem Gewerbeimmobilienmarkt: Frankfurt verzeichnet drastischen Rückgang bei Transaktionen

Die Gewerbeimmobilien-Krise hat Frankfurt fest im Griff, wie jüngste Zahlen des Immobilienspezialisten Jones Lang LaSalle (JLL) zeigen. Im ersten Quartal wurden kaum noch Objekte gehandelt, was einen historischen Tiefstand markiert und die Sorgen um den Immobilienmarkt weiter verstärkt.
10.04.2024 06:13
Lesezeit: 1 min

Große Investoren kauften im ersten Quartal kaum noch Objekte wie Büros und Einzelhandelsimmobilien, wie der Immobilienspezialist Jones Lang LaSalle (JLL) am Dienstag mitteilte. Demnach gab es von Januar bis März nur acht Transaktionen, so wenige in einem ersten Quartal wie seit 14 Jahren nicht mehr.

"Internationale Investoren haben in den ersten drei Monaten keine Ankäufe in der Bankenmetropole vollzogen", berichtete JLL. Üblicherweise kaufen Anleger etwa aus Asien und den USA gerne in Frankfurt, ihr Anteil liege sonst bei etwa einem Drittel des Volumens. Viele Investoren lauerten auf eine Zinssenkung der Notenbanken, erklärte JLL. Im zweiten Halbjahr werde der Markt wohl wieder anziehen.

Der Investmentumsatz lag JLL zufolge im ersten Quartal bei rund 120 Millionen Euro, rund 65 Prozent weniger als ein Jahr zuvor (340 Mio Euro). Schon im vergangenen Jahr hatte es einen Einbruch auf rund 1,5 Milliarden Euro Umsatz gegeben, nach gut 5,2 Milliarden 2022.

Die Krise an den Immobilienmärkten im Zuge gestiegener Zinsen trifft Gewerbeobjekte noch stärker als Wohnungen. So stehen wegen des Homeoffice-Trends viele Büros leer und strengere Energievorgaben belasten ältere Gebäude. Die Investments in Büros in Frankfurt schrumpften 2023 um fast 90 Prozent auf 347 Millionen Euro, noch stärker als im Bundesschnitt (-76 Prozent). Einzelhandelsimmobilien wiederum leiden unter dem Onlinehandel und Konsumzurückhaltung in der Inflation. Die Gewerbeimmobilien-Krise belastet inzwischen Banken, die mehr Geld für Kreditausfälle zurücklegen müssen.

Die Nachfrage nach Büros zur Miete konzentriert sich laut JLL zunehmend auf das Premiumsegment - sowohl bei Gebäudequalität als auch der Lage. Das beste Produkt in den jeweiligen Teilmärkten werde enorm nachgefragt", sagte Suat Kurt, Niederlassungsleiter JLL Frankfurt. "Das heißt im Umkehrschluss: Auch das nachhaltigste und modernste Bürogebäude wird an einem Standort mit schwacher Infrastruktur und schlechter ÖPNV-Anbindung große Probleme bei der Vermietung haben." Ebenso gerieten Eigentümer älterer Büroimmobilien zusehends unter Druck. Gebäude, die älter seien als 20 Jahre, ließen sich so gut wie gar nicht mehr vermieten, "egal in welcher Lage sie sich befinden", sagte Kurt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Micron führt Chip-Rallye an, während Wall Street leicht zulegt
01.10.2026

Überraschende Impulse an der Wall Street – Erfahren Sie, welche Kräfte den Markt heute bewegten.

DWN
Politik
Politik Frankreichs Schüler rebellieren: Knapp 2.000 Festnahmen bei Schulprotesten in Frankreich
01.10.2026

Seit Tagen demonstrieren Schüler an Frankreichs Gymnasien gegen kaputte Gebäude, zu wenig Lehrer und angekündigte Sparmaßnahmen in der...

DWN
Politik
Politik Innenministerkonferenz ändert Regeln: Bundesländer wollen mit Mehrheit gegen AfD entscheiden
01.10.2026

Die Innenministerkonferenz (IMK) verabschiedet sich vom Einstimmigkeitsprinzip, um zukünftig "Blockaden" zu verhindern. Aus Angst vor der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Autozulieferer vorm Aus: Bohai-Automotive schließt Werk in Sachsen-Anhalt
01.10.2026

Erst nach der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt kommt die offizielle Nachricht: Der ostdeutsche Autozulieferer Bohai-Automotive schließt sein...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Deutscher Tierhandelsriese Fressnapf legt Pläne offen: Schnelles Wachstum in Polen
01.10.2026

Polen gehört zu den wichtigsten Märkten der Fressnapf-Gruppe, dem europäischen Marktführer im Zoofachhandel. Die zum Konzern gehörende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Der schrumpfende Riese: Warum Deutschlands Arbeitsmarkt vor einer historischen Trendwende steht
01.10.2026

Der deutsche Arbeitsmarkt galt über Jahre hinweg als Fels in der Brandung. Trotz globaler Krisen, geopolitischer Verwerfungen und einer...

DWN
Unternehmen
Unternehmen VW-Softwaretochter Cariad vor massivem Stellenabbau
01.10.2026

Volkswagen stellt seine Softwarestrategie weiter auf den Prüfstand. Bei Cariad droht ein neuer Stellenabbau, während Investitionen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Toyota Corolla Cross im Test: Der Hybrid, der an einen Diesel erinnert
01.10.2026

Der Toyota Corolla Cross verbindet Hybridtechnik mit viel Komfort und erstaunlich niedrigem Verbrauch. In der getesteten GR-Sport-Version...