Unternehmen

Konfliktlösung ohne Gericht: Verbraucherschlichtung als Chance für Ihr Business

Verabschieden Sie sich von langwierigen Gerichtsverfahren! Mit dem Verbraucherstreitbeilegungsgesetz (VSBG) senken Sie Ihre Kosten, stärken das Risikomanagement und erhöhen die Kundenzufriedenheit. Erfahren Sie, wie Ihr Unternehmen von proaktiver Schlichtung profitiert!
27.04.2024 16:13
Lesezeit: 3 min
Konfliktlösung ohne Gericht: Verbraucherschlichtung als Chance für Ihr Business
Eine Schlichtung statt Streit spart Kosten und stärkt Kundenbeziehungen. Ihr Unternehmen kann durch das VSBG profitieren. (Foto: iStock.com, lakshmiprasad S) Foto: lakshmiprasad S

Wo es Geschäfte gibt, da gibt es auch Streitigkeiten – sei es durch Missverständnisse, Fehlkommunikation oder divergierende Erwartungen. Oft landen solche Konflikte vor Gericht – doch es gibt Alternativen!

Haben Sie sich bereits mit den Möglichkeiten auseinandergesetzt, die Ihnen das Verbraucherstreitbeilegungsgesetz (VSBG) an die Hand gibt? Seit seiner Einführung im April 2016 hilft es, Streitigkeiten zwischen Konsumenten und Unternehmen zu lösen. Dies kann durch Mediation, Schiedsverfahren oder durch eine Ombudsstelle erfolgen. Der Fokus liegt auf einer schnellen, kosteneffizienten und gerechten Lösung, die die Interessen aller Parteien berücksichtigt.

„In einem Schlichtungsverfahren können nicht nur die juristischen Aspekte, sondern auch individuelle Umstände einer Kundenbeziehung berücksichtigt werden“, so das positive Fazit eines Versicherungsunternehmens.

Das außergerichtliche Schlichtungsverfahren in der unternehmerischen Praxis

Als Unternehmer stoßen Sie vielleicht auf Herausforderungen wie diese: Ein Kunde meldet einen Defekt an einer gelieferten Ware – eine Behauptung, die Sie in Frage stellen. Ihre erste Intuition ist es, auf Ihr Recht zu pochen, aber durch das Schlichtungsverfahren können Sie einen neutralen Mittelweg finden und einen Gerichtsprozess vermeiden.

Sie und der Kunde bringen bei einer unabhängigen Schlichtungsstelle wie der Universalschlichtungsstelle des Bundes ihre Beweise – Kaufbelege, technische Gutachten – ein und der Schlichter schlägt eine Lösung vor. Vielleicht verzichtet der Kunde im besten Fall auf seine Ansprüche; oder Sie bieten eine Reparatur oder einen Umtausch an. Dieser Konsens bewahrt nicht nur Ihre Ressourcen, sondern auch das Vertrauen Ihres Kunden.

Proaktive Lösungsfindung: Wie Schlichtung zu Win-Win-Ergebnissen führt

Bei einer weiteren Auseinandersetzung erwirbt ein Kunde eine Softwarelizenz, bemerkt jedoch anschließend die Inkompatibilität der Software mit seinem bestehenden System. Die Schlichtungsstelle deckt auf, dass die Systemanforderungen im Vorfeld nicht eindeutig kommuniziert wurden. Daraufhin willigt der Softwareanbieter ein, eine angepasste Version zu entwickeln, ohne zusätzliche Kosten zu verursachen, während der Kunde im Gegenzug auf jegliche Schadensersatzforderungen verzichtet.

Die Beispiele verdeutlichen, dass sich außergerichtliche Konfliktlösungen zur Zufriedenheit beider Parteien erreichen lassen. Besonders die Freiwilligkeit und die Neutralität des Verfahrens legen das Fundament für nachhaltige Ergebnisse. Für Unternehmen bieten sich zudem die Chancen, sich als kundenfreundlich zu präsentieren, das Image zu stärken und sich vorteilhaft von Wettbewerbern abzuheben.

Erfahrungen aus der Praxis einer E-Commerce Plattform bekräftigen den Ansatz: „Die Schlichtung stellt für uns ein weiteres Instrument in unserem Kundenservice dar. Gerade wenn beide Parteien nicht mehr fähig oder willens sind, sich zu einigen, hilft ein neutraler Blick von außen. Nicht zuletzt, um auch die eigene Reputation als ein service-orientiertes Unternehmen zu sichern, sollte jedes Unternehmen an einer Schlichtung teilnehmen (…).“

Die außergerichtliche Schlichtung: Ein strategisches Instrument mit flexiblem Verfahren

Gibt es im Schlichtungsprozess starre Prozeduren? Nein. Das VSBG räumt Schlichtungsstellen die Möglichkeit ein, maßgeschneiderte Prozesse zu entwickeln – angefangen bei Mediationsverfahren bis hin zu durchdachten Schlichtungsempfehlungen. Die spezifischen Verfahrensabläufe bestimmt jede Schlichtungsstelle selbst, in ihrer eigenen Verfahrensordnung.

Das Verfahren ist für Unternehmen nicht nur kostengünstig, sondern auch zeitlich effizient: Normalerweise strebt die Schlichtungsstelle eine Lösung innerhalb von 90 Tagen an, vorausgesetzt, alle benötigten Informationen liegen vor. Verbrauchern entstehen keine Kosten. Die Entscheidung über die Annahme eines Schlichtungsvorschlags liegt bei den Parteien, die zugleich umfassend über die rechtlichen Folgen einer Zustimmung und die Optionen eines möglichen Gerichtsverfahrens aufgeklärt werden.

Verbraucherstreitbeilegungsgesetz: Unternehmer haben Transparenzpflichten!

Das VSBG verlangt von allen Unternehmen klare Angaben über die Beteiligung an Schlichtungsprozessen. Wie der ehemalige Bundesaußenminister Heiko Maas betont, müssen sie „offenlegen, ob sie sich an außergerichtlicher Streitbeilegung beteiligen“. Was heißt das?

  • Transparenz als Aushängeschild: Informieren Sie auf Ihrer Webseite oder in Ihren AGBs klar und deutlich, ob und unter welchen Bedingungen Sie zur Schlichtung bereit sind. Haben Sie schon überprüft, ob Ihre aktuellen Angaben dem entsprechen?

  • Klare Kommunikation bei Ablehnung: Es ist Ihr Recht, nicht an einem Schlichtungsverfahren teilzunehmen. Doch Sie müssen Ihren Kunden deutlich mitteilen, wenn Sie diesen Weg nicht beschreiten wollen.

  • EU-weite Verbindlichkeit: Operieren Sie online im EU-Raum? Dann verpassen Sie nicht, auf die ODR-Plattform zur Streitbeilegung der Europäischen Kommission zu verweisen. Dieser Link auf Ihrer Webseite ist nicht nur ein rechtliches Muss, sondern kann auch zu einer schnelleren und unkomplizierteren Konfliktlösung beitragen.

Das Bundesamt für Justiz und Verbraucherschutz stellt umfassende Informationen zu Verfahren und etablierten Schlichtungsstellen zur Verfügung. In Bereichen ohne spezialisierte Anlaufstellen haben Unternehmen die Möglichkeit, sich zusammenzuschließen und eigene Schlichtungsstellen zu gründen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

avtor1
Anika Völger

Freie Wirtschaftsjournalistin, Autorin, Bankkauffrau, Verwaltungswirtin, Dozentin für Recht. Anika Völger verbindet juristisches und wirtschaftliches Fachwissen mit journalistischer Klarheit. Die Hannoveranerin ordnet wirtschaftliche und politische Entwicklungen ein, analysiert rechtliche Zusammenhänge und erklärt Wirtschafts-, Finanz-, Technologie- und Kryptothemen für ein breites Publikum. Sie schreibt u. a. für die Deutschen Wirtschaftsnachrichten, für Kanzleien sowie für Finanz- und Technologieunternehmen.
DWN
Technologie
Technologie Telekom testet Quantentechnologie: Glasfasernetz in Berlin im Praxiseinsatz
25.04.2026

Ein Berliner Experiment bringt Quanten-Teleportation erstmals über ein Telekom-Glasfasernetz in eine reale Infrastruktur und markiert...

DWN
Politik
Politik Energieanalyst Demostenes Flores: Europa wird beim Iran-Krieg den Preis zahlen
25.04.2026

„Wir befinden uns in einer Art drittem Weltkrieg in Etappen“, warnt der Energieanalyst Demostenes Floros über den aktuellen Konflikt...

DWN
Politik
Politik EU plant Reform der DSGVO: Weniger Bürokratie für Unternehmen
25.04.2026

Die EU will zentrale Digitalregeln wie DSGVO und Cookie-Vorgaben vereinfachen und stärker aufeinander abstimmen. Führt der geplante Umbau...

DWN
Politik
Politik Großzügig, teuer, umstritten: Wie tragfähig ist unser Sozialstaat noch?
25.04.2026

Arbeit soll sich lohnen. So lautet das Versprechen. Doch zwischen Grundsicherung, Arbeitsanreizen und Fachkräftemangel werden die Zweifel...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Neues E-Auto von Volkswagen: Cupra Raval im Test
25.04.2026

Der Cupra Raval rückt als günstiges Elektroauto in den Fokus der europäischen Herstellerstrategie. Kann das Modell eine neue...

DWN
Panorama
Panorama 40 Jahre nach Tschernobyl: Die langfristigen Folgen für Deutschland
25.04.2026

Die Nuklearkatastrophe von 1986 wirkt bis heute nach – auch in Deutschland. Doch wie stark ist die Strahlenbelastung 40 Jahre nach...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Open-XDR gegen Cyberangriffe: Wie Unternehmen den Überblick behalten
25.04.2026

Unternehmen stehen angesichts wachsender Cyberangriffe und komplexer IT-Strukturen vor der Herausforderung, Sicherheitsrisiken schneller...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Wettbewerbsfähigkeit: Draghi-Bericht setzt neue Maßstäbe in der EU-Politik
25.04.2026

Draghis Bericht zu Europas Wettbewerbsfähigkeit gewinnt in Brüssel spürbar an Einfluss und prägt zentrale wirtschaftspolitische...