Technologie

Im Visier der Cyberangriffe: Digitale Souveränität soll im Mittelpunkt stehen

Anstieg der Cyberangriffe in Deutschland: Die Politik und das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik fordern verstärkte Abwehr. Gleichzeitig sind weitere Maßnahmen erforderlich.
06.05.2024 13:01
Lesezeit: 3 min

Deutschland sieht sich zunehmend Cyberangriffen ausgesetzt. Diese Angriffe stammen oft von staatlichen Akteuren aus Russland, China und anderen autoritären Staaten. Besonders betroffen sind politische Institutionen wie die SPD. Deren E-Mail-Konten wurden 2023 von der russischen Militärgeheimdiensteinheit APT28 angegriffen. Diese Gruppe, auch bekannt als „Fancy Bear“, ist seit 2004 aktiv.

APT28 betreibt vorwiegend Cyberspionage und führt Desinformationskampagnen durch. Sie wurde auch für den Angriff auf die Demokratische Partei in den USA vor den Präsidentschaftswahlen 2017 verantwortlich gemacht.

Die Cyberangriffe können kritische Bereiche wie Logistik, Rüstung, Luft- und Raumfahrt sowie IT-Dienstleistungen bedrohen. Das stellt eine Gefahr für die politische Integrität und die wirtschaftliche Sicherheit dar.

Zunahme der Angriffe: Statistiken

Laut einem Bericht von Europol aus dem Jahr 2021 hat sich die Anzahl der von Russland ausgeführten Cyberangriffe auf europäische Ziele in den vergangenen fünf Jahren verdoppelt. Diese Angriffe umfassen sowohl Spionageaktivitäten als auch Versuche, kritische Infrastrukturen direkt zu sabotieren.

Eine Analyse des Bundesamtes für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) zeigt, dass im Jahr 2020 insbesondere die Sektoren Energie, Wasser, Gesundheit und Transport die Hauptziele von Cyberangriffen waren, mit dem Ziel, maximale Störungen in der öffentlichen Versorgung und Sicherheit zu verursachen.

Vorherige Angriffe und ihre Auswirkungen

Ein bemerkenswerter Vorfall war der Angriff auf den Deutschen Bundestag im Jahr 2015, der dem GRU zugeschrieben wird. Dabei wurden Daten von Abgeordneten und Mitarbeitern gestohlen, was zu erheblichen Sicherheitsbedenken und einer Überarbeitung der IT-Sicherheitsstrategien führte.

Ein weiterer signifikanter Angriff ereignete sich 2017, als der deutsche Energieversorger RWE einer Ransomware-Attacke zum Opfer fiel, die Teile seiner operativen IT lahmlegte. Dieser Vorfall wurde ebenfalls mit staatlich unterstützten Hackern aus Russland in Verbindung gebracht, obwohl Moskau solche Aktionen regelmäßig bestreitet.

Forderung nach entschlossenem Handeln

Konstantin von Notz, Grünen-Innenpolitiker und Vorsitzender des Parlamentsgremiums zur Kontrolle der Geheimdienste, fordert entschlossenes Handeln der Bundesregierung. „Staatlich organisierte Einflussnahme-Operationen aus Russland, China und anderen autoritären Staaten bedrohen unsere Freiheit und Sicherheit ganz massiv“, erklärte von Notz der „Rheinischen Post“. „Die krassen und ernsten Risiken sind lange bekannt. Politisch müssen wir ihnen endlich ganz anders als bisher begegnen und unsere Demokratie sehr viel wehrhafter aufstellen“, fügte er hinzu.

Als Reaktion auf die steigende Bedrohung hat die Bundesregierung bereits ihre Investitionen in die Cyberabwehr erhöht. Über 1 Milliarde Euro wurden 2021 für die Verbesserung der IT-Sicherheit und die Stärkung der cyberabwehrfähigen Strukturen bereitgestellt.

Warnungen des BSI

Claudia Plattner, Präsidentin des BSI in Bonn, warnte in den ARD-„Tagesthemen“ vor weiteren ähnlichen Fällen und unterstrich die Ernsthaftigkeit der Situation: „Wir haben eine besorgniserregende Bedrohungslage“, sagte Plattner.

„Dem sei man aber nicht schutzlos ausgeliefert. Es gibt die technischen Möglichkeiten, sich zu schützen. Die müssen wir jetzt konsequent miteinander umsetzen.“

Plattner wies weiterhin auf die Notwendigkeit hin, alle IT-Systeme auf Vordermann zu bringen und regelmäßige Back-ups zu erstellen.

Maßnahmen und Perspektive

Als Reaktion auf die steigende Bedrohung durch Cyberangriffe hat die Bundesregierung ihre Investitionen in die Cyberabwehr deutlich erhöht. Im Jahr 2021 wurden über eine Milliarde Euro für die Verbesserung der IT-Sicherheit und die Stärkung der cyberabwehrfähigen Strukturen bereitgestellt.

Diese Investitionen sind Teil eines umfassenderen Ansatzes, der auch die Zusammenarbeit mit internationalen Organisationen wie der NATO und der EU im Cyber-Verteidigungszentrum in Tallinn umfasst. Diese Kooperation zielt darauf ab, gemeinsame Standards zu entwickeln und eine schnellere Reaktion auf grenzüberschreitende Cyberbedrohungen zu ermöglichen. Gleichzeitig sollten politische und rechtliche Konsequenzen härter als bisher ausfallen, um die Cyberangriffe effektiv zu bekämpfen.

Langfristig können die zuständigen Bundesbehörden trotz bestehender Schwierigkeiten und Hürden die Identifizierung und internationale Verfolgung von mutmaßlichen Tätern, die solche Angriffe durchführen, ins Auge fassen.

Die digitale Souveränität soll somit ein wichtiger Bestandteil der Sicherheits- und Digitalpolitik der Bundesregierung bleiben.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

avtor1
Farhad Salmanian

Zum Autor:

Farhad Salmanian arbeitet bei den DWN als Online-Redakteur. Er widmet sich den Ressorts Politik und Wirtschaft Deutschlands sowie der EU. Er war bereits unter anderem für die Sender BBC und Radio Free Europe tätig und bringt mehrsprachige Rundfunkexpertise sowie vertiefte Kenntnisse in Analyse, Medienbeobachtung und Recherche mit.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Wachstum in Europa: EIB-Ökonom rät Unternehmen, stärker nach Süden zu blicken
24.10.2026

Deutschland erholt sich, doch Europas Wirtschaft kämpft weiter mit Bürokratie, Investitionsschwäche und einem fragmentierten...

DWN
Finanzen
Finanzen Steuervergleich 2026: Was von 50.000 Euro Gehalt, Gewinn und Kapital wirklich übrig bleibt
24.10.2026

50.000 Euro verdienen und trotzdem völlig unterschiedlich viel Geld behalten? In Deutschland entscheidet nicht nur die Höhe des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Online-Handel: Amazon plant Investitionen von rund 16 Milliarden Euro
24.10.2026

16 Milliarden Euro will Amazon 2027 in Deutschland investieren – ein großer Teil soll in Cloud und KI rund um Frankfurt fließen. Was...

DWN
Finanzen
Finanzen Flucht in die Endlichkeit: Wie ein überforderter Anleihemarkt den Bitcoin-Kurs treibt
24.10.2026

Das US-Finanzministerium kauft seine eigenen Schulden zurück, damit sie überhaupt noch jemand haben mag, und der Bitcoin hat das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BMW X5 im Test: Warum die fünfte Generation alles anders macht
24.10.2026

Fast 100.000 Euro Einstiegspreis, bis zu 845 Kilometer elektrische Reichweite und ein Auftritt, der kaum zu übersehen ist: Mit dem neuen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kokain am Arbeitsplatz: Wenn ausgerechnet die besten Mitarbeiter abhängig werden
24.10.2026

Kokain ist längst keine Droge mehr, die nur auf Partys konsumiert wird. Immer häufiger erreicht der Konsum auch den Arbeitsalltag....

DWN
Finanzen
Finanzen Aktien kaufen: Diese Branchen könnten den KI-Hype schlagen
24.10.2026

Die Börsen brechen Rekorde, doch der Höhenflug steht auf wackligen Beinen. Wenige Technologiekonzerne treiben die Kurse, während...

DWN
Politik
Politik China macht seine Grenzen dicht: Ein neuer Eiserner Vorhang
24.10.2026

China macht seine Grenzen dicht, und längst trifft es nicht mehr nur politisch unbequeme Bürger. Lehrer, Ärzte und KI-Ingenieure dürfen...