Finanzen

Wachstumschancengesetz: Höhere Nachsteuerrendite bei Rürup-Rente

Steuervorteile für Rürup-Sparer: Wie Kunden einer Basisrente mit dem Wachstumschancengesetz künftig Steuern sparen können.
11.05.2024 11:40
Aktualisiert: 11.05.2024 13:01
Lesezeit: 2 min
Wachstumschancengesetz: Höhere Nachsteuerrendite bei Rürup-Rente
Das Wachstumschancengesetz: Langfristige Steuerentlastungen für Rürup-Sparer und flexiblere Besteuerung der Altersvorsorge. (Foto: iStock.com, zamrznutitonovi) Foto: zamrznutitonovi

Mit dem vom Bundesrat Ende März 2024 verabschiedeten Wachstumschancengesetz sollen einerseits Unternehmen steuerlich entlastet werden. Andererseits senkt das Gesetz auch die Steuerlast im Alter, wovon insbesondere Kunden einer Basisrente wie der Rürup-Rente profitieren. Konkret geht es um eine Neuregelung für den Besteuerungsanteil der sogenannten 1. Schicht. Darin ist neben der Gesetzlichen Rentenversicherung (GV) und den berufsständischen Versorgungswerken auch die Basisrente, besser bekannt als Rürup-Rente.

Seit das Wachstumschancengesetz verabschiedet wurde, blieb diese Neuregelung allerdings weitgehend unbeachtet. Was verwundert, spielt sie doch eine nicht ganz unwichtige Rolle bei der Besteuerung der Rürup-Rente. Nach bisheriger Rechtslage hätten neue Renten ab 2040 vollständig besteuert werden sollen. Die nun beschlossene Steuerentlastung ergibt sich daraus, dass der Anteil der zu versteuernden Renten aus der 1. Schicht der Altersvorsorge, zu der auch die Rürup-Rente zählt, langsamer wachsen soll als bisher geplant.

Wachstumschancengesetz: Vollständige Renten-Besteuerung erst ab 2058

Durch den nun angepassten Besteuerungsanteil wird der vollständige Besteuerungszeitpunkt gemäß Paragraf 22 Nr. 1 Satz 3 a) aa) des Einkommensteuergesetzes (EStG) jedoch auf das Jahr 2058 verschoben, indem die Steigerungen des zu versteuernden Rentenanteils über die Jahre verteilt werden. Das wird möglich, weil der Besteuerungsanteil rückwirkend ab 2023 in Schritten von 0,5-Prozent erhöht wird, anstatt wie bisher in 1-Prozent-Schritten.

Absetzbarkeit und Steuerpflicht & Absetzbarkeit bei der Rürup-Rente

Die Tabelle zeigt, dass der steuerpflichtige Teil der Rente von Jahr zu Jahr steigt, während der steuerfreie Teil sinkt, bis die Rente ab 2058 voll besteuert wird. Bis 2020 steigt der steuerpflichtige Anteil jährlich um 2 Prozent, danach um 1 Prozent pro Jahr.

Mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz wird jedoch eine Änderung eingeführt: Ab 2023 steigt der steuerpflichtige Anteil nur noch um 0,5 Prozent pro Jahr. Das bedeutet, dass nach der ursprünglichen Regelung alle Rentnerinnen und Rentner, die ab 2040 in Rente gehen, ihre Rente voll versteuern müssen. Mit dem Wachstumsbeschleunigungsgesetz verschiebt sich dies auf Renteneintritte ab 2058.

Langfristige Steuervorteile für Rürup-Sparer

Diese auf den ersten Blick banale Änderung hat weitreichende Folgen. Denn: Der steuerpflichtige Teil bestimmt den Freibetrag, der für die gesamte Rentenlaufzeit gilt. Ein Beispiel: Wenn Sie eine Basisrente abgeschlossen haben und Ihre Rente im Jahr 2038 beginnt, sind 90 Prozent Ihrer Rente steuerpflichtig (bisher 98 Prozent). Das bedeutet, dass 10 Prozent der Rente dauerhaft steuerfrei sind (bisher 2 Prozent).

Zusammengefasst heißt das: Ab 2023 können Sie Ihre Altersvorsorgeaufwendungen vollständig von der Steuer absetzen, was Ihre Steuerlast im Alter senkt und die Nachsteuerrendite Ihrer Basisrente verbessert, da Beiträge zur Rürup-Rente steuerlich voll absetzbar sind. Im Jahr 2024 können Sie Beiträge zur gesetzlichen Rentenversicherung, zu berufsständischen Versorgungswerken und zur Rürup- bzw. Basisrente bis zu einem Betrag von 27.566 Euro pro Person absetzen.

Vorteil Steuerstundungseffekt

Ein weiterer Vorteil, den Sie als Rürup-Sparer nutzen können, ist der so genannte Steuerstundungseffekt. Das bedeutet, dass Ihre Steuerersparnis in der Ansparphase in der Regel höher ist als Ihre Steuerbelastung in der nachgelagerten Besteuerung der Rente. Grund dafür ist, dass Ihr Einkommen während des Erwerbslebens in der Regel höher ist als Ihre Rente und Ihre Erwerbsphase zudem länger ist als die Zeit des Rentenbezugs. Einen Wehrmutstropfen gibt es allerdings: Wer heute mit 28 Jahren eine Rürup-Rente abschließt, muss diese bei der Auszahlung im Jahr 2058 mit 62 Jahren voll versteuern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kennzeichnung im Produktionstempo: Wie Brady die Industrie neu taktet

Produktionslinien laufen schneller denn je, doch die Rückverfolgbarkeit hinkt oft hinterher. Brady setzt genau hier an und zeigt, wie sich...

avtor1
Carsten Schmidt

Carsten Schmidt ist seit Januar 2024 freier Autor für die Deutschen Wirtschafts­nachrichten. Der Finanz- und Wirtschaftsjournalist ist seit über zehn Jahren für verschiedene Wirtschafts- und Finanzmedien aktiv, unter anderem für CAPinside, DASINVESTMENT.com, multiasset.com, das private-banking-magazin.de sowie den Norddeutschen Rundfunk und die Lübecker Nachrichten. Darüber hinaus war er unter anderem für die HypoVereinsbank und verschiedene Kommunikationsagenturen tätig. Seine Schwerpunkte liegen auf Finanzmärkten und Fondsanalysen sowie Mittelstand und Wirtschaftspolitik. Carsten Schmidt ist Diplom-Germanist und Mitgründer des Surf- und Outdoormagazins Waves & Woods (2017).
DWN
Technologie
Technologie BioNTech-Aktie: Investoren konkurrieren um neues mRNA-Projekt
13.04.2026

Die BioNTech-Gründer Ugur Sahin und Özlem Türeci planen ein neues Biotech-Unternehmen mit Fokus auf mRNA-Therapien, das bereits vor dem...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie unter Druck: Schwache Verkaufszahlen belasten - in China ist VW dennoch wieder Spitzenreiter
13.04.2026

Der VW-Aktienkurs schwächelt angesichts rückläufiger Auslieferungen weltweit. Besonders China und die USA belasten die Entwicklung der...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie unter Druck: Schwache Verkaufszahlen belasten - in China ist VW dennoch wieder Spitzenreiter
13.04.2026

Der VW-Aktienkurs schwächelt angesichts rückläufiger Auslieferungen weltweit. Besonders China und die USA belasten die Entwicklung der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Effizienz im Job: So optimieren Sie Prozesse im Büro – und senken Kosten
13.04.2026

Meetings ohne Ergebnis, wachsende To-do-Listen und überholte Regeln: In vielen Teams hat sich unbemerkt Ballast angesammelt. Ein gezielter...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: Warum Gold trotz Krisen schwächelt – und wie Anleger reagieren sollten
13.04.2026

Der Goldpreis zeigt sich aktuell überraschend schwach, obwohl geopolitische Krisen und steigende Energiepreise eigentlich Unterstützung...

DWN
Politik
Politik Tankrabatt, Krisenbonus, Entlastungsprämie: Welche Maßnahmen die Regierung konkret plant
13.04.2026

Der Tankrabatt kehrt zurück, begleitet von Energiesteuer-Senkung und Entlastungsprämie. Die Politik verspricht schnelle Hilfe für...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Krieg im Nahen Osten: IWF sieht steigenden Finanzbedarf in zweistelliger Milliardenhöhe
13.04.2026

Der Krieg im Nahen Osten setzt die betroffenen Volkswirtschaften zunehmend unter finanziellen und strukturellen Druck, während...

DWN
Politik
Politik Steuerentlastung für Autofahrer: Koalition beschließt neue Maßnahmen gegen hohe Spritpreise
13.04.2026

Die Energiepreiskrise bringt Autofahrer und Wirtschaft zunehmend unter Druck. Die Koalition setzt auf steuerliche Entlastungen und neue...