Politik

SPD-Linke warnen Lindner vor Kürzungen bei Entwicklungspolitik

Ringen um den Bundeshaushalt 2025: Linke SPD-Abgeordnete schießen scharf gegen Finanzminister Christian Lindner und fordern "es dürfen keine Kürzungen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit geben".
30.05.2024 15:00
Lesezeit: 2 min
SPD-Linke warnen Lindner vor Kürzungen bei Entwicklungspolitik
SPD-Linke warnen Lindner vor Kürzungen bei Entwicklungspolitik. (Foto: dpa) Foto: Michael Kappeler

Weil es eine Milliarden-Lücke gibt, soll laut Finanzminister auch bei der Entwicklungshilfe gekürzt werden. Nun gibt es Widerstand: Mehrere linke SPD-Abgeordnete warnen Finanzminister Christian Lindner vor Kürzungen bei der Entwicklungspolitik. „Sicherheit gewährleisten wir nicht nur mit unseren militärischen Kapazitäten, sondern auch mit der Entwicklung, der Stabilität und dem Wohlstand unserer Nachbarn und Partner weltweit“, sagte die Bundestagsabgeordnete Sanae Abdi der Deutschen Presse-Agentur. „Es darf keine Kürzungen im Bereich der Entwicklungszusammenarbeit geben.“

Auch die Vorsitzenden der Parlamentarischen Linken in der SPD, Matthias Miersch und Tim Klüssendorf, griffen Lindner an. Der FDP-Politiker müsse sich fragen, „ob er eigentlich noch einen richtigen Kompass hat“, sagte Miersch. Wissenschaft, Wirtschaft und breite Teile der Gesellschaft forderten Investitionen für den Erhalt der Zukunft, während Lindner populistisch Kabinettskollegen angreife.

Klüssendorf kritisierte: „Der Bundesfinanzminister macht seine Hausaufgaben nicht und liefert bis heute keine Ideen aus seinem eigenen Verantwortungsbereich.“ Die SPD-Linke will durch eine Reform der Schuldenbremse und die höhere Besteuerung von Erbschaften und Vermögen für mehr finanziellen Spielraum sorgen.

Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD): „Entwicklungszusammenarbeit ist gut investiertes Geld.“

Im Zuge der aktuellen Diskussion um den Bundeshaushalt hatte zu vor bereits Entwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) vor den möglichen Auswirkungen einer Budgetkürzung im Entwicklungsbereich gewarnt. Sie prognostiziert potenzielle Flüchtlingswellen und eine erhöhte Terrorgefahr, sollten Projekte im Sahel und in der Ukraine nicht fortgesetzt werden. Auffällig ist, dass Bundesentwicklungsministerin Svenja Schulze (SPD) im Haushaltsstreit zunehmend die Eigeninteressen der Bundesrepublik hervorhebt: „Entwicklungszusammenarbeit ist gut investiertes Geld“, betonte sie in der ARD-Sendung „Bericht aus Berlin“. „Jeder zweite Euro wird im Export verdient, deswegen müssen wir uns auch mit unseren Partnerländern beschäftigen.“

Doch Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) muss sparen. Besonders hart soll es im Haushalt 2025 das Auswärtige Amt (AA) und eben das Bundesentwicklungsministerium (BMZ) treffen. Die geplanten Kürzungen sind happig: Das AA fordert 7,4 Milliarden Euro für das kommende Jahr, soll aber laut Lindners Finanzplan nur 5,1 Milliarden Euro bekommen. Das BMZ hat 12,2 Milliarden angemeldet, das Finanzministerium gesteht ihm aber nur knapp 10 Milliarden Euro zu.

Lindner hat die Ministerien inzwischen öffentlich dazu aufgefordert, Sinn und Zielgenauigkeit ihrer Ausgabenpolitik zu überprüfen. Als Beispiel nannte er ein Projekt des BMZ aus Zeiten Gerd Müllers (CSU), das Fahrradwege in Peru finanzierte. Die AfD hatte das Projekt als Symbol für verschwendete Steuergelder in den sozialen Medien lanciert. Angeblich habe Deutschland dafür 315 Millionen Euro gezahlt – tatsächlich waren es aber 44 Millionen in Form von Krediten und Zuschüssen.

Das Ringen um den Bundeshaushalts 2025 dürfte ein Kraftakt bleiben. Das könnte die Ampelkoalition diesmal an ihre Grenzen führen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen ChatGPT geht an die Börse
09.06.2026

Der ChatGPT-Entwickler OpenAI steuert auf die Börse zu. Zugleich macht das Unternehmen aber deutlich, dass es sich für diesen Schritt...

DWN
Politik
Politik Analyse: Nein, es gibt keine Aussicht auf Frieden in der Ukraine
09.06.2026

Weder militärisch noch diplomatisch gibt es eine Aussicht auf einen Waffenstillstand, geschweige denn auf Frieden im Krieg zwischen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Außenhandel gewinnt trotz Iran-Unsicherheit an Fahrt
09.06.2026

Chinas Exporte legen erneut kräftig zu. Der Außenhandel bleibt eine zentrale Stütze der Wirtschaft – und verschärft zugleich...

DWN
Politik
Politik EU plant Einreiseverbot für russische Ukraine-Kämpfer
09.06.2026

Ursula von der Leyen will mit neuen Sanktionen den Druck auf Russland weiter erhöhen. Diesmal rücken auch Soldaten in den Fokus – und...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX & Co: Warum sie trotz Kurswachstum nicht jetzt einsteigen sollten
09.06.2026

Das Ende einer neunwöchigen Aufwärtsbewegung der Indizes und die schlechteste Woche für Bitcoin seit 2022.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Chefs, Stress und Traurigkeit: Wie unglücklich wir bei der Arbeit sind – und welche Lösungen es gibt
09.06.2026

Viele Beschäftigte sind der Meinung, jederzeit einen neuen Job finden zu können. Trotzdem wechseln nur wenige ihren Arbeitgeber, obwohl...

DWN
Politik
Politik Irland gerät wegen Russland-Exporten unter Druck
09.06.2026

Ein irisches Werk liefert offenbar Aluminiumoxid an einen russischen Konzern, dessen Produkte laut Recherchen in der Rüstungsindustrie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Entlassungswelle: Kurz und schmerzhaft – wie Kündigungen in Deutschland ablaufen
09.06.2026

Kündigungen in Deutschland nehmen stark zu und viele Arbeitnehmer trifft eine Entlassung überraschend, schnell und oft ohne Abfindung....