Immobilien

Immobilienblase: Wo ein Platzen der Immobilienblase möglich ist!

Das Risiko einer Immobilienblase für den Wohnimmobilienmarkt ist zwar leicht gesunken, aber das Verhältnis zwischen Kaufpreisen und Mieten bleibt angespannt. In welchen deutschen Städten ist das Blasenrisiko noch besonders hoch? Die DWN haben sich die Ergebnisse einer vierteljährlichen Analyse genauer angeschaut!
08.06.2024 06:44
Lesezeit: 3 min
Immobilienblase: Wo ein Platzen der Immobilienblase möglich ist!
Lage unverändert: Noch herrscht keine Normalität am Immobilienmarkt (Foto: iStockphoto.com/TheaDesign). Foto: TheaDesign

Die Blasengefahr am deutschen Wohnimmobilienmarkt sinkt etwas, aber nur sehr langsam und die Warnstufe in mehreren Metropolen ist immer noch hoch. Wo besteht also noch die Gefahr, dass die Immobilienblase platzt? Unter den 12 größten deutschen Metropolen weisen Essen, Frankfurt am Main und Stuttgart ein „mäßiges“ Blasenrisiko auf, Dortmund und Hamburg ein „hohes“ und alle anderen ein „eher hohes“ Risiko. Das sind die Ergebnisse des jüngsten Blasenindex des Forschungs- und Beratungsinstituts Empirica für das erste Quartal 2024 für Wohnimmobilien.

Konkret heißt das: Ein nach wie vor angespanntes Verhältnis zwischen Kaufpreisen und Mietpreisen und eine weiterhin unsichere Lage am Immobilienmarkt.

„Die Verteilung der Blasengefahr zeigt, dass in 307 von 400 Landkreisen in Deutschland die Mieten und Kaufpreise nicht mehr im Gleichklang wachsen. In 344 Kreisen sind die Kaufpreise den Einkommen enteilt, während in 146 Kreisen zu viele Wohnungen gebaut werden“, kommentierten die Studien-Autoren. Insgesamt zeigte der Empirica-Blasenindex für 341 Kreise ein mäßiges bis hohes Blasenrisiko.

Was ist eine Immobilienblase?

Eine Immobilienblase ist ein spekulativer Preisauftrieb, der durch den Zusammenhang von Angebot und Nachfrage auf dem Immobilienmarkt nicht mehr zu rechtfertigen ist. Gefährlich wird eine Blase, wenn sie platzt. Dann wird Vermögen vernichtet, weil die Buchwerte der Immobilien an Wert verlieren. Es entstehen Leerstände und im schlimmsten Fall kommt es zu einer Bankenkrise, weil die Kreditausfälle außer Kontrolle geraten.

Spanien und Irland sind Beispiele: Um die Jahre 2006 und 2007 sind in beiden Ländern Immobilienblasen geplatzt. Laut der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung sind Hauspreise in Spanien relativ zum Bruttoinlandsprodukt bis 2012 um 4,6 Prozent pro Jahr gesunken. In Irland sind sie sogar um 10,0 Prozent pro Jahr gefallen.

Noch keine Normalität

Empirica zufolge kann man derzeit noch nicht von Normalität am krisengeschüttelten Immobilienmarkt reden. Bis Mitte 2022 drifteten Kaufpreise und Mieten immer weiter auseinander. Das hohe Preisniveau war während der Niedrigzinsphase gerechtfertigt, jedoch nicht länger, so die Studien-Autoren. „Zwei Entwicklungen könnten diese Diskrepanz aufheben: fallende Preise oder steigende Mieten. Derzeit steigen die Mieten aufgrund hoher Wohnungsknappheit und eines Einbruchs der Neubautätigkeit außerordentlich schnell, was das hohe Bewertungsniveau der Immobilien nachträglich rechtfertigen könnte.“

Dennoch rechtfertige die Wohnungsknappheit nur einen Teil des Preiszuwachses, ein Grund, warum die Preise bereits etwas nachgegeben hätten. „Ob das neue Gleichgewicht stabil ist, bleibt abzuwarten. Das Rückschlagpotenzial der Preise ist um etwa ein Drittel gesunken, zum Beispiel in den Top-7-Städten von 49 Prozent auf 30 Prozent“, kommentierte Reiner Braun, Vorstandsvorsitzender der Empirica AG.

Hintergrund: Krise auf dem Mietmarkt

Wohnungsmieten in Deutschland steigen aktuell überdurchschnittlich stark – auch außerhalb der großen Metropolen. Der jüngste Wohnindex des Instituts der deutschen Wirtschaft zeigt, dass Wohnimmobilien-Mietpreise sich im Jahresvergleich im ersten Quartal des Jahres komplett gegensätzlich zu Kaufpreisen in gleichen Zeitraum entwickelt haben. Im ersten Quartal 2024 sind Kaufpreise im Jahresvergleich noch gesunken, während sie im Jahresquartalsvergleich (verglichen mit dem vierten Quartal 2023) stabil waren.

Dagegen sind inserierte Neuvertragsmieten innerhalb eines Jahres um 5,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahresquartal gestiegen – doppelt so stark wie im Jahr 2019. Im Vergleich zum Vorquartal gab es ein Plus von 1,5 Prozent.

Laut einer Studie im Auftrag des Berliner Mietervereins kann sich ein Drittel der Berliner Haushalte auf dem freien Markt keine Wohnung mehr leisten. Mehr als jeder zweite Berliner Mieter-Haushalt verdient demnach so wenig, dass er Anspruch auf staatliche Hilfe wie einen Wohnberechtigungsschein für Sozialwohnungen hat. Die Ergebnisse der Studie des Forschungsinstituts Asum zeigen, dass kleine und große Haushalte durchschnittlich 45 Prozent ihres Einkommens für die Bruttokaltmiete zahlen.

Der Neubau von geförderten Wohnungen sei sinnvoll, so das Forschungsinstitut, würde jedoch mittelfristig keine „spürbaren Auswirkungen auf das Wohnungsangebot haben, denn die Einstiegsmieten dort sind nach den derzeitigen Förderbestimmungen viel zu hoch.“ Laut Asum verbessere der Neubau unter aktuellen Bedingungen nicht die Krise auf dem Wohnungsmarkt für einen Großteil der Bevölkerung, weil er keine leistbaren Wohnungen schaffe. Stattdessen sei der große Hebel, leistbare Mieten im Bestand zu sichern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis bei 10.000 US-Dollar? Warum Analysten einen historischen Durchbruch erwarten

Gold gilt seit jeher als sicherer Hafen, doch die aktuelle Debatte wirkt anders. Steigende globale Verschuldung, anhaltende Inflation und...

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: US-Börsen blieben nach Zentralbankentscheidung stabil
28.01.2026

Die erwartete Entscheidung der US-Notenbank, die Zinssätze stabil zu halten, ließ die Märkte auf klarere Hinweise bezüglich künftiger...

DWN
Politik
Politik Energieprojekt Bornholm: Dänemark und Deutschland einigen sich auf gemeinsame Finanzierung
28.01.2026

Deutschland und Dänemark rücken bei einem zentralen Energieprojekt enger zusammen. Welche wirtschaftlichen und strategischen Folgen hat...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis-Rekordhoch: Trump treibt Gold-Rallye weiter an – sind bald schon 6.000 Dollar möglich?
28.01.2026

Der Goldmarkt erlebt derzeit eine historische Ausnahmesituation: Ein neues Goldpreis-Rekordhoch folgt dem nächsten. Trumps...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Puma unter chinesischem Großaktionär: Welche europäischen Sportmarken unabhängig bleiben
28.01.2026

Der Einstieg eines chinesischen Großaktionärs bei Puma rückt die Eigentümerstrukturen europäischer Sportmarken in den Fokus. Welche...

DWN
Finanzen
Finanzen Verdacht auf Geldwäsche: BKA durchsucht Deutsche Bank
28.01.2026

Erneut Ärger wegen möglicher Geldwäsche: Justiz und BKA sichern Beweise bei der Deutschen Bank. Die Ermittlungen stehen im Zusammenhang...

DWN
Politik
Politik Haseloff-Nachfolger: Schulze neuer Ministerpräsident von Sachsen-Anhalt
28.01.2026

Nach 15 Jahren Reiner Haseloff übernimmt Sven Schulze das Amt des Regierungschefs in Sachsen-Anhalt – und muss gleich gegen einen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau: Amazon streicht weltweit 16.000 Arbeitsplätze
28.01.2026

Der weltgrößte Onlinehändler Amazon baut erneut Tausende Stellen ab. Was hinter den Entlassungen steckt und wie der Konzern auf die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Konjunkturausblick für Deutschland: Bundesregierung reduziert Wachstumsprognose
28.01.2026

Die Bundesregierung senkt ihre Wachstumsprognose und passt den wirtschaftspolitischen Kurs an. Welche Folgen hat der Beschluss für...