Unternehmen

IW-Umfrage: Deutsche Industrie kämpft gegen chinesischen Wettbewerbsdruck

Laut einer Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) kämpfen Industriefirmen gegen unfaire Subventionen aus China. Fast die Hälfte reagiert mit Entlassungen. Forderungen nach Strafzöllen und Verbot des Technologietransfers werden laut.
11.06.2024 11:11
Aktualisiert: 11.06.2024 11:11
Lesezeit: 2 min

Eine repräsentative Umfrage des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) in Köln zeigt, dass fast die Hälfte der deutschen Industriefirmen auf den zunehmenden Wettbewerbsdruck aus China mit Entlassungen reagiert.

„China spielt beim Handel schon seit Jahren kein faires Spiel“, sagt IW-China-Experte Jürgen Matthes.

Rund 60 Prozent der befragten Unternehmen gehen davon aus, dass chinesische Subventionen den Wettbewerb verzerren und sehen sich dadurch gezwungen, Produktionskürzungen und Entlassungen vorzunehmen.

Chinesische Konkurrenz als große Herausforderung

Der Umfrage zufolge betrachten fast zwei Drittel der Unternehmen im produzierenden Gewerbe die Konkurrenz aus China als große oder eher große Herausforderung. Besonders gravierend ist, dass selbst innovative Firmen, die kontinuierlich in Forschung und Entwicklung investieren, von den Preisdumping-Strategien der Chinesen stark betroffen sind. 61 Prozent dieser innovativen Firmen empfinden die Konkurrenz aus China als große Herausforderung.

Ein zentrales Ergebnis der Befragung ist, dass chinesische Firmen die Preise deutscher Produkte häufig um mehr als 20 Prozent unterbieten. Bei fast der Hälfte der Industrieunternehmen liegt diese Unterbietung sogar bei über 30 Prozent. „Es geht darum, gleiche Wettbewerbsbedingungen zu schaffen. Die EU darf die chinesische Subventionspolitik nicht tatenlos hinnehmen“, fordert Matthes.

Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt

Die Auswirkungen auf den Arbeitsmarkt sind erheblich: Die Industriefirmen, die mit Entlassungen reagieren, repräsentieren knapp 19 Prozent der fast 11 Millionen Arbeitsplätze im produzierenden Gewerbe. Im verarbeitenden Gewerbe sind es sogar 23 Prozent von 7,5 Millionen Erwerbstätigen. Nahezu jedes dritte Unternehmen plant zudem eine Verlagerung der Produktion ins Ausland, um den Kostendruck zu mindern.

Aufgrund der unfairen Subventionen aus China sprechen sich über 80 Prozent der befragten Firmen für Strafzölle auf chinesische E-Autos aus. Auch den Vorschlag, den Transfer von Technologien zu unterbinden, die China für sein Militär nutzen könnte, befürworten 76 Prozent der Firmen, trotz möglicher Einschränkungen der unternehmerischen Freiheit. „Die Nutzung von Handelsschutzinstrumenten hat nichts mit regelwidrigem Protektionismus zu tun. Diese Instrumente sind regelkonform und von der Welthandelsorganisation (WTO) legitimiert“, betont Matthes.

Die Umfrage zeigt deutlich, dass die oft als subventioniert empfundene China-Konkurrenz einen gravierenden Stressfaktor für das deutsche Geschäftsmodell darstellt. Das Bedrohungsniveau scheint hoch zu sein und kontinuierliche Forschungs- und Entwicklungsanstrengungen schützen nur bis zu einem begrenzten Ausmaß vor den negativen Folgen des immensen Konkurrenzdrucks.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

avtor1
Farhad Salmanian

Zum Autor:

Farhad Salmanian arbeitet bei den DWN als Online-Redakteur. Er widmet sich den Ressorts Politik und Wirtschaft Deutschlands sowie der EU. Er war bereits unter anderem für die Sender BBC und Radio Free Europe tätig und bringt mehrsprachige Rundfunkexpertise sowie vertiefte Kenntnisse in Analyse, Medienbeobachtung und Recherche mit.

DWN
Panorama
Panorama Von der Pandemie zur erschöpften Gesellschaft: Verschwindet die Menschlichkeit immer mehr?
12.07.2026

Alles begann mit der COVID-19-Pandemie, seitdem geht es weiter bergab. Es entstehen immer neue militärische Konflikte, wirtschaftliche...

DWN
Technologie
Technologie Verliebt in einen Bot – Sind KIs die besseren Partner?
12.07.2026

Immer verfügbar, stets zuvorkommend, keine Ego-Touren: Im Gespräch mit KI-Bots fehlt der menschliche Faktor. Kann das unter Umständen...

DWN
Immobilien
Immobilien Vom Leerstand zum Lebensraum – der Staat will leere Büros in Wohnraum verwandeln
12.07.2026

Die deutschen Innenstädte stecken in einer bizarren Identitätskrise: Auf der einen Seite suchen Menschen verzweifelt nach bezahlbarem...

DWN
Panorama
Panorama Porträt: Er erbte Milliarden und ein Schloss – so hält er das Erbe seines berühmten Großvaters am Leben
12.07.2026

Er erbte Tausende von Werken des vielleicht größten Künstlers der Welt. Nun widmet er seine Zeit dem Verleihen dieser Werke an Museen...

DWN
Politik
Politik Renteneintritt: Die Babyboomer-Welle trifft den Arbeitsmarkt hart
11.07.2026

Der bevorstehende Rentenboom der Babyboomer-Generation wird die deutsche Wirtschaft weitaus härter treffen als bislang prognostiziert. Zu...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Das Ende der Mitte: Hellweg und das Baumarkt-Sterben
11.07.2026

Die Krise verlässt die Baustellen: Mit Hellweg und den zum Verbund gehörenden BayWa Bau- und Gartenmärkten geraten über 100 Märkte in...

DWN
Finanzen
Finanzen In Luxusuhren investieren: „Ziemlich furchtbar, wenn unter dem Anzug eines Mannes eine riesige Garmin hervorschaut“
11.07.2026

Eine Luxusuhr verbindet Status, Leidenschaft für Uhren und in manchen Fällen auch die Hoffnung, Geld zu vermehren. Erfahrene...

DWN
Unternehmen
Unternehmen BMW iX3 im Test: Elektrischer SUV mit erstaunlicher Reichweite
11.07.2026

Der neue BMW iX3 50 xDrive verbindet kräftige Fahrleistungen mit einer Reichweite, die im Alltag wirklich überzeugt. Zwei Elektromotoren,...