Wirtschaft

Milliarden-Subventionen für Eon, VW & Co.: Wie Dax-Konzerne vom Staat profitieren

Deutschlands größte Börsenkonzerne haben 2023 erneut milliardenschwere Subventionen vom Staat erhalten, so eine aktuelle Studie. Top-Empfänger waren demnach Eon, VW und BMW. Vor allem die Begründung für die massiven Staatsgelder sorgt für Unverständnis.
05.08.2024 06:20
Lesezeit: 3 min

Die deutschen Dax-Konzerne haben im Jahr 2023 mindestens 10,7 Milliarden Euro an staatlichen Subventionen erhalten. Das geht aus einer aktuellen Studie des Flossbach von Storch Research Instituts hervor. Demnach waren die Subventionen im vergangenen Jahr doppelt so hoch wie im Jahr 2022, als sie bei sechs Milliarden Euro lagen.

„Das Ausmaß, in dem profitabel wirtschaftende Konzerne mit öffentlichen Geldern versorgt werden, ist über die vergangenen Jahre drastisch angestiegen“, so Studienautor Philipp Immenkötter. Von 2016 bis 2023 flossen insgesamt rund 35 Milliarden Euro an die größten börsennotierten Unternehmen in Deutschland.

VW und Eon Top-Empfänger von Staatsgeldern

Der Energiekonzern Eon und der Autobauer Volkswagen gehören zu den größten Empfängern staatlicher Subventionen. Laut der Analyse hat Eon seit 2016 mehr als 9,3 Milliarden Euro erhalten, vor allem aufgrund des Strompreisbremse- und des Gaspreisbremsengesetzes.

Diese Gesetze ersetzten Zahlungen von Kunden oder reduzierten Einkaufspreise. Zudem bekam Eon diverse staatliche Investitionszuschüsse. VW folgte mit 6,4 Milliarden Euro, die für Steuervergünstigungen und Förderungen in der Antriebs- und Digitaltechnik verwendet wurden. BMW erhielt 2,3 Milliarden Euro, unter anderem für den Bau von Standorten. Laut Immenkötter sei diese Summe konservativ geschätzt, da Unternehmen Spielräume hätten, was sie in Geschäftsberichten als Subventionen kennzeichnen.

Kritik an Subventionspraxis

Die massive Subventionierung profitabler Unternehmen ist in den vergangenen Tagen vielfach kritisiert worden. „Müssen profitable Unternehmen noch Geld vom Staat bekommen?“, fragt etwa Daniel Goffart in einem Kommentar in der WirtschaftsWoche und prangert an, dass die ständige Weiterentwicklung von Produkten eine Kernaufgabe der Unternehmen sei und nicht mit Staatsgeldern finanziert werden sollte.

Zudem kritisiert Goffart, dass solche Subventionen zu einer Art von Plan- und Staatswirtschaft führen könnten, die der freien Marktwirtschaft entgegenstehen. Laut Goffart habe sich bei den DAX-Konzernen eine Tendenz eingeschlichen, die man etwas zugespitzt mit „Erpressung“ vergleichen könne. Erhalte ein großes Unternehmen keine Zuschüsse, drohe es dem Bund, dem Land oder der jeweiligen Kommune mit Konsequenzen. Wahlweise werde dann eine geplante Fabrik irgendwo anders gebaut oder eine bestehende verlagert, wenn es für die „Treue zum Standort“ keine Belohnung in Form von Subventionen gebe.

Gründe für die Subventionen

Studienautor Immenkötter nennt mehrere Gründe für den Anstieg der Subventionen. So seien die Unterstützung der Wirtschaft während der Corona-Pandemie und des Ukraine-Krieges sowie die Förderung des ökologischen Umbaus zentrale Faktoren. „Das Geld kam unter anderem aus dem Klima- und Transformationsfonds und dem Wirtschaftsstabilisierungsfonds“, erklärt Immenkötter. Diese Fonds wurden eingerichtet, um die hiesige Wirtschaft in Krisenzeiten zu stabilisieren und den Übergang zu einer nachhaltigeren Wirtschaftsweise zu fördern. In diesem Zusammenhang merkt Goffart in seinem Kommentar an, dass die Politik alles, was sich irgendwie grün etikettieren lasse, mit öffentlichen Geldern fördern wolle, um die Klimaziele zu erreichen. „Angesichts enger werdender finanzieller Spielräume muss die Politik aber lernen, immer öfter Nein zu sagen“, so Goffarts Forderung.

Wettbewerbsverzerrung eine Folge der Subventionspolitik

Die umfangreiche Subventionspraxis habe weitreichende Auswirkungen, warnt Immenkötter: „Mögliche Folgen der Subventionspolitik sind Ressourcenverschwendung, Wettbewerbsverzerrung und eine Abhängigkeit der Wirtschaft von staatlichen Geldern.“ Die Studie zeigt, dass ein Großteil der Gelder privates Kapital ersetzt und Konzerne in Geschäftsfelder investieren, bei denen unklar ist, ob sie langfristig profitabel sind. Sowohl Goffart als auch Immenkötter weisen darauf hin, dass die ausufernde Subventionierung der Wirtschaft es immer schwieriger mache, eine schlüssige Argumentation für Strafzölle aufrechtzuerhalten. “Die Glaubwürdigkeit der geplanten Aufschläge an den Außengrenzen der EU wird durch die hohen Subventionen erschüttert”, warnt Autor Immenkötter.

Studie zeigt Reformbedarf auf

Angesichts der finanziellen Herausforderungen, vor denen die Bundesregierung steht, wird die Notwendigkeit einer Reform der Subventionspolitik immer deutlicher. Philipp Immenkötter betont: Es darf nicht sein, dass staatliche Subventionen die Investitionsentscheidungen der Unternehmen dominieren. Stattdessen sollten sich Unternehmen stärker an Marktpotenzialen und Absatzchancen orientieren, auch wenn dies mit unternehmerischem Risiko verbunden sei. Immenkötter mahnt: „Die Unternehmen dürfen sich nicht daran gewöhnen, Steuergelder in ihre Kalkulation einzubeziehen.“

Klar ist: Die Diskussion über die Notwendigkeit und Wirkung staatlicher Subventionen für profitable Dax-Konzerne dürfte weitergehen, da die Regierung gleichzeitig versucht, im Haushalt zu sparen. Studienautor Immenkötter: „Es bleibt abzuwarten, ob die Politik künftig einen restriktiveren Kurs bei der Vergabe von Subventionen einschlägt.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Verbessern Sie die Lieferketten-Transparenz

Identifizieren, scannen und übermitteln von eindeutigen Komponentendaten

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Chinas Autooffensive in Europa verlangsamt sich: Struktureller Rückzug oder taktische Pause?
02.03.2026

Nach einem Rekordjahr verlieren chinesische Automarken in Europa plötzlich Marktanteile. Handelt es sich um eine Trendwende oder lediglich...

DWN
Politik
Politik Deutsche Umwelthilfe: Verbrenner-Aus 2030? BGH prüft Klimaklagen gegen Autobauer
02.03.2026

Wenn es nach der Deutschen Umwelthilfe geht, müssen BMW und Mercedes-Benz 2030 den Verkauf klimaschädlicher Verbrenner einstellen. Um den...

DWN
Finanzen
Finanzen Erdgas-Preis aktuell: Iran-Krieg lässt Erdgas-Preis nach oben schnellen
02.03.2026

Nach dem Angriff auf den Iran steigt der Erdgaspreis so stark wie lange nicht. Analysten warnen vor weiteren Preissprüngen, sollte der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation in Frankreich und Spanien: Unerwarteter Anstieg zwingt EZB harten Wechselkurs aufrechtzuerhalten
02.03.2026

Neue Inflationsdaten aus Frankreich und Spanien sorgen für Unruhe an den Märkten. Muss die Europäische Zentralbank ihre Zinspolitik...

DWN
Politik
Politik Nahost-Krieg: Bundeswehr letzte Wahl bei der Rückholung von Deutschen
02.03.2026

Etwa 30.000 Touristen von deutschen Reiseveranstaltern hängen im Nahen Osten fest. Die Bundesregierung sieht aber in erster Linie nicht...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft ADAC: Sprit so teuer wie seit fast zwei Jahren nicht mehr
02.03.2026

Der Irankonflikt macht Öl teuer. Das bekommen auch die deutschen Autofahrer zu spüren. Bisher hält sich die Reaktion an den Zapfsäulen...

DWN
Unternehmen
Unternehmen PCK-Raffinerie GmbH: Treuhandverwaltung für Rosneft Deutschland verlängert
02.03.2026

Die deutschen Töchter des russischen Staatskonzerns Rosneft stehen wegen des Ukraine-Kriegs jetzt unter Kontrolle der Bundesnetzagentur...

DWN
Technologie
Technologie Blackout-Vorsorge: Notstromlösung mit Solaranlagen auf Balkon oder Dach – was dabei wichtig ist
02.03.2026

Ein plötzlicher Blackout kann Haushalte und Unternehmen unvorbereitet treffen. Immer mehr Eigentümer setzen deshalb auf eine...