Finanzen

Für die Wall Street ist es ein herber Crash: Warum stürzen die Börsen plötzlich weltweit ab?

Die Woche an den Finanzmärkten begann mit starken Rückgängen der Indizes an den Aktienmärkten. Wir haben vier Gründe zusammengefasst, warum es zum Börseneinbruch kam. Auch der legendäre Investor Warren Buffett hat dabei seine Finger im Spiel.
05.08.2024 17:05
Aktualisiert: 05.08.2030 13:56
Lesezeit: 3 min

Die weltweiten Börsen sind in Rot gefärbt. Die Woche an den Finanzmärkten begann mit großen Rückgängen der Indizes an den Weltbörsen. Hier haben wir vier Gründe zusammengefasst, warum es zu den Kurskorrekturen kommt.

1. Märkte in Angst vor einer amerikanischen Rezession

Besonders an den amerikanischen Märkten, deren Geschehen auch weltweit widerhallt, wächst die Angst, dass die US-Notenbank Fed möglicherweise zu spät die Leitzinsen senkt, um die amerikanische Wirtschaft noch vor einer Krise zu bewahren.

Der Grund für die verstärkte Sorge liegt in zwei kürzlich veröffentlichten Daten:

  • Die US-Arbeitslosenquote stieg im Juli auf 4,3 Prozent, den höchsten Stand seit fast drei Jahren. Bekannt ist auch, dass rund zwei Drittel des US-BIP aus den privaten Ausgaben der amerikanischen Haushalte stammen.
  • Der Wert des US-Einkaufsmanagerindex PMI für die Aktivität in der amerikanischen verarbeitenden Industrie enttäuschte erneut. Im Juli fiel der Index auf den niedrigsten Stand der letzten acht Monate, weiter in den Schrumpfungsbereich: Im Juni betrug er 48,5 Punkte, im Juli fiel er auf 46,8 Punkte. Das war noch schlechter als von Analysten erwartet (die eine Verschlechterung erwartet hatten, jedoch eine geringere als diese). Auch die neuen Aufträge gingen zurück, der Teilindex der neuen Aufträge fiel von 49,3 Punkten im Juni auf 47,4 Punkte im Juli.

Wie groß die Nervosität unter den Anlegern ist, zeigt unter anderem der Vix-Index, den einige auch als „Angstbarometer der Wall Street“ bezeichnen, da er misst, wie stark die erwartete kurzfristige Schwankungsintensität des S&P 500-Index ist. Konkret misst der Vix kontinuierlich die erwartete 30-tägige Volatilität des US-Aktienmarktes, wie sie in Echtzeit aus den Terminpreisen von Kauf- und Verkaufsoptionen auf den S&P 500 ablesbar ist.

Der Wert des Vix-Index lag Anfang Juli auf historisch niedrigen Niveaus, am 2. Juli betrug er 12,03 Punkte. Doch am vergangenen Freitag sprang der Index, und am Montag (5. Juli) bewegte sich sein Wert kurz vor Mittag mitteleuropäischer Zeit auf einem Niveau von 39,79 Punkten.

2. Angst vor dem Platzen der KI-Blase

Unter den Marktteilnehmern wächst und verbreitet sich die Angst vor dem Platzen der Aktienblase im Zusammenhang mit künstlicher Intelligenz (KI), die in letzter Zeit das Marktwachstum beflügelt hat.

Alle erfuhren von einem Investitionsbrief, den der amerikanische Investmentfonds Elliot Investment Management an seine Kunden verschickte und darin klar Skepsis über die weitere Entwicklung von Technologiewerten äußerte, die in diesem Jahr maßgeblich für den Boom des Aktienmarktes verantwortlich sind.

Bei Elliot teilte man den Kunden mit, „dass der Kurs der Nvidia-Aktie in einer Blase steckt, die durch überbewertete KI-Technologie befeuert wird“, und dass „künstliche Intelligenz überbewertet ist, da viele angebliche Anwendungen der KI niemals kosteneffizient sein, nicht richtig funktionieren, zu viel Energie verbrauchen oder sich als unzuverlässig erweisen werden.“

3. Kritische Bedingungen in der Weltwirtschaft

Die Märkte sind nicht nur wegen der Möglichkeit eines wirtschaftlichen Rückgangs in den USA besorgt, sondern die Sorge über schwache Bedingungen ist breiter gefasst.

Ein schwacher Zustand ist nicht zuletzt auch in Europa zu beobachten. Vor einigen Tagen veröffentlichte Eurostat, dass Deutschland im zweiten Quartal unerwartet einen Rückgang des BIP verzeichnete. Die gute Nachricht war lediglich, dass das BIP der Eurozone insgesamt dennoch leicht gewachsen ist: Im zweiten Quartal im Vergleich zum ersten stieg das BIP der Eurozone um 0,3 Prozent.

Besonders besorgniserregend ist die Lage in China. Das Land, das bis vor kurzem als der Motor der Weltwirtschaft galt, ist jetzt nur noch ein blasser Schatten seines ehemaligen Selbst, wie Handelsblatt berichtet. Die Gründe sind vielfältig, einer der auffälligsten ist die Krise im Zusammenhang mit dem Rückgang des chinesischen Immobilienmarktes.

4. Gefahr der Eskalation im Nahen Osten

Man sollte die Möglichkeit einer Eskalation des Konflikts im Nahen Osten nicht unterschätzen, warnen bei Handelsblatt und fügen hinzu, dass es die Möglichkeit einer Vergeltungsaktion des Iran nach dem doppelten Angriff Israels auf Beirut und Teheran gibt.

Eine Eskalation hätte auch Auswirkungen auf die Energiepreise. Man darf nicht vergessen, dass die OPEC, in der die Länder des Nahen Ostens dominieren, etwa ein Drittel des weltweiten Rohölangebots ausmacht, das etwa 100 Millionen Barrel pro Tag beträgt.

Aus ausländischen Berichten geht hervor, dass der Iran allein im Juni 3,2 Millionen Barrel pro Tag produziert hat, was etwa drei Prozent des weltweiten Angebots ausmacht.

Und noch etwas: Buffett verkaufte die Hälfte seiner Apple-Investitionen und löste ebenfalls Fragen aus

Ob Warren Buffett möglicherweise mehr weiß als andere, ist eine der aktuellen Fragen unter den Anlegern, zumal die Investoren-Legende als langfristig orientiert gilt und nun zwei Quartale in Folge seine Beteiligung an einem der prominentesten amerikanischen Technologieriesen, Apple, reduziert hat.

Die Berkshire Hathaway-Gesellschaft gab am Samstag bekannt, dass sie im zweiten Quartal fast die Hälfte ihrer Apple-Aktien aus ihrem Portfolio verkauft hat, nachdem sie ihren Anteil im ersten Quartal bereits um 13 Prozent reduziert hatte. Apple-Aktien behalten zwar den größten Anteil unter allen Aktien im Portfolio von Berkshire Hathaway, aber es mangelt nicht an Fragen.

Das Beteiligungs-Unternehmen von Warren Buffett hat im zweiten Quartal Aktien im Wert von insgesamt 75 Milliarden Dollar aus seinem Portfolio verkauft hat (mit Gewinn) und nun rekordverdächtige 277 Milliarden Dollar an Barmitteln angehäuft. Einige spekulieren, dass es sich um steuerlich motivierte Verkäufe handelt, fügen jedoch fast im selben Atemzug hinzu, dass das Verkaufsvolumen für diesen Zweck sehr groß ist. Andere sagen, dass die enorme Menge an Bargeld (Geld, Geldäquivalente und kurzfristige Staatsanleihen) vor allem Besorgnis über die Zukunft der Märkte enthüllt.

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