Politik

Merz kritisiert Ampel für unzureichende Haushaltspolitik

Vor den Etatberatungen im Bundestag hat CDU-Chef Friedrich Merz der Ampel-Koalition eine unsolide Haushaltspolitik vorgeworfen. Besonders beanstandete er die im Haushaltsentwurf 2025 vorgesehene globale Minderausgabe von 12 Milliarden Euro – eine Summe, die durch keine Einnahmen gedeckt ist.
09.09.2024 08:01
Lesezeit: 2 min

"Das ist die größte Zahl, die jemals in einen Haushaltsentwurf eingeflossen ist. Das ist einfach nicht mehr seriös", sagte Merz der Deutschen Presse-Agentur in Berlin.

"Das ist der Versuch, sich über die tatsächlichen Zahlen hinwegzutäuschen, irgendwie einen Haushalt zusammenzubasteln und ihn dann durchs Parlament zu bringen." Er zeigte sich gespannt, ob die Abgeordneten der Ampel-Koalition dies akzeptieren werden. "Das wird im Haushaltsausschuss zu langwierigen Beratungen führen", sagte Merz voraus.

Vergleich mit einer Restaurant-Rechnung

"Es ist, als würde jemand mit der Familie ins Restaurant gehen, wohlwissend, dass er die Rechnung nicht zahlen kann, und darauf hoffen, dass der Wirt im Laufe des Abends die Preise reduziert. Diese Hoffnung dürfte angesichts der Höhe der globalen Minderausgabe enttäuscht werden", erklärte Merz.

Nach der Sommerpause nimmt der Bundestag seine Arbeit in der traditionellen Haushaltswoche wieder auf. Am Dienstag wird Bundesfinanzminister Christian Lindner (FDP) den mühsam ausgehandelten Haushaltsentwurf für 2025 vorstellen. Der Entwurf sieht Ausgaben von über 488 Milliarden Euro vor, wobei 51,3 Milliarden Euro durch neue Schulden gedeckt werden sollen.

Lindner: Loch im Haushalt muss kleiner werden

Lindner betonte im "Bericht aus Berlin" der ARD, dass das Defizit im Haushalt verringert werden müsse. Geplant ist eine globale Minderausgabe von zwei Prozent des Haushaltsvolumens, "weil nie alle Projekte vollständig umgesetzt werden". Bei dem aktuellen Volumen des Haushalts wären dies 9,6 Milliarden Euro. "Wir haben bis Ende November noch eine Aufgabe von 2,4 Milliarden Euro vor uns", sagte Lindner. Er fügte hinzu, dass er bereit sei, weitere Sparvorschläge zu machen, wenn dies gewünscht werde.

Der Einsatz von globalen Minderausgaben ist üblich, da erwartet wird, dass die Ministerien ihre vorgesehenen Ausgaben nicht vollständig nutzen. Die Höhe von 12 Milliarden Euro ist jedoch laut Bundesfinanzministerium beispiellos. Es ist die größte Deckungslücke in einem Haushaltsentwurf der letzten 20 Jahre.

Merz warf der Bundesregierung zudem vor, rechtlich bindende Verpflichtungen einzugehen, die erst ab 2026 greifen und zukünftige Haushaltsgesetzgeber binden. "Das hat es in diesem Ausmaß noch nie gegeben", erklärte Merz. "Und das ist die eigentliche Perfidie dieser Haushaltspolitik. Die jetzige Regierung schiebt die größten Probleme auf die nächste."

Urteil des Verfassungsgerichts als mögliches Risiko

Merz hält es für möglich, dass das Bundesverfassungsgericht die Ampel-Koalition erneut unter Druck setzen könnte, wie schon im Haushaltsurteil 2023. "Es kann gut sein, dass uns in diesem Jahr ein ähnlich einschneidendes Urteil aus Karlsruhe bevorsteht – das betrifft die Klage der FDP-Abgeordneten gegen den Soli", sagte Merz. "Sollten der Bundesregierung zusätzlich 12 bis 13 Milliarden Euro fehlen, wird es sehr schwierig."

Den Solidaritätszuschlag zahlen seit 2021 nur noch Besserverdiener und Unternehmen. Die FDP setzt sich schon lange für dessen Abschaffung ein. Mehrere FDP-Bundestagsabgeordnete zogen gegen den Soli vor das Verfassungsgericht, bevor die Liberalen Teil der Regierung wurden. Dennoch plant Finanzminister Lindner für das kommende Jahr Soli-Einnahmen von 12,75 Milliarden Euro fest ein.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Das anstehende Wirtschaftsereignis Fußball-WM 2026 & warum Daten, Prognose sowie Online-Portale einen eigenen Digitalmarkt bilden

Die WM ist in diesem Jahr nicht bloß ein bedeutendes Ereignis auf sportlicher Basis, denn sie wird zum Härtetest für Datenökonomie,...

DWN
Finanzen
Finanzen Goldpreis aktuell: US-Inflation, Dollar und Renditen bremsen den Goldkurs
13.05.2026

Nach einer starken Vorwoche verliert Gold wieder an Schwung. Ausgerechnet die jüngsten US-Konjunkturdaten sorgen für Gegenwind und...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Krankheitswelle: Warum die E-Krankschreibung nicht der Sündenbock ist
13.05.2026

Die Rekordzahlen bei den Fehltagen liegen laut aktuellen Analysen des Deutschen Instituts für Wirtschaftsforschung (DIW) weniger an der...

DWN
Politik
Politik Mageres Ergebnis nach Nachtsitzung: Koalition vertagt Reform-Details
13.05.2026

Sechs Stunden Verhandlungsmarathon, aber kaum konkrete Beschlüsse: Union und SPD haben sich im Kanzleramt zwar auf einen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft VDA warnt: Autoindustrie warnt vor massivem Stellenabbau bis 2035
13.05.2026

Die Sorgen um den Wirtschaftsstandort Deutschland wachsen weiter. Während die Autoindustrie tausende Jobs gefährdet sieht, warnen auch...

DWN
Politik
Politik Wahlumfrage in MV: AfD bleibt vorne, SPD holt auf
13.05.2026

Vier Monate vor der Landtagswahl in Mecklenburg-Vorpommern sorgt eine neue Wahlumfrage für Bewegung im Parteienfeld. Während die AfD klar...

DWN
Finanzen
Finanzen RWE-Aktie: DAX-Wert profitiert von Windkraft-Boom – was das für den Aktienkurs heißt
13.05.2026

Mit überraschend starken Zahlen startet der Energiekonzern RWE ins Jahr. Die RWE-Bilanz profitiert von Offshore-Windkraft, zusätzlichen...

DWN
Finanzen
Finanzen Deutsche Telekom-Aktie: DAX-Wert mit Rückenwind aus den USA – doch Risiken bleiben
13.05.2026

Die Deutsche Telekom-Aktie reagiert positiv auf die Bilanzvorlage am Mittwoch. Vor allem die starke Entwicklung der US-Tochter sorgt für...

DWN
Finanzen
Finanzen Siemens-Aktie: Softwaregeschäft federt Belastungen ab – DAX-Wert setzt auf Milliarden-Rückkäufe
13.05.2026

Siemens legt robuste Siemens-Zahlen vor und kündigt ein Aktienrückkaufprogramm über 6 Milliarden Euro an. Doch trotz steigender...