Wirtschaft

Inflation sinkt im August auf unter 2 Prozent

Die Preisschocks der vergangenen Jahre scheinen vorüber zu sein. Im August schwächt sich die Inflation in Deutschland weiter ab und bleibt knapp unter der wichtigen Marke von 2 Prozent.
10.09.2024 10:10
Lesezeit: 2 min
Inflation sinkt im August auf unter 2 Prozent
Verbraucher in Deutschland mussten zuletzt nur geringfügige Preissteigerungen erdulden. (Foto: dpa)

Erstmals seit über drei Jahren ist die deutsche Inflationsrate im August unter der 2-Prozent-Marke geblieben. Die Verbraucherpreise stiegen mit einer Rate von 1,9 Prozent zum Vorjahresmonat so langsam wie seit März 2021 nicht mehr, bestätigt das Statistische Bundesamt seine vorläufige Schätzung.

Vor allem Energie war 5,1 Prozent billiger als vor einem Jahr, während die Preise für Dienstleistungen überdurchschnittlich um 3,9 Prozent gestiegen sind. Besonders heftig war die Preisentwicklung bei Autoversicherungen, die den Erhebungen nach um mehr als ein Viertel teurer wurden. Auch für Dienstleistungen sozialer Einrichtungen (+7,8 Prozent) oder in Gaststätten (+6,7 Prozent) zogen die Preise noch deutlich an. Hintergrund sind hier unter anderem deutlich höhere Gehälter der Beschäftigten.

Lebensmittel sind auf einem hohen Niveau nur noch 1,5 Prozent teurer geworden als vor einem Jahr. Einzelne Produkte wie etwa Olivenöl (+35,0 Prozent) haben sich aber stark verteuert. Hier hat es Missernten in den Mittelmeerländern gegeben. Auch Süßes wie Honig, Marmelade, Zucker und andere Süßwaren sind 5,0 Prozent teurer. Billiger als vor einem Jahr waren hingegen Molkereiprodukte.

Der Preisdruck auf die Verbraucher geht nach mehreren Jahren mit sehr hohen Inflationsraten zurück. Noch im Juli hatten die Statistiker einen Anstieg der Verbraucherpreise um 2,3 Prozent verzeichnet nach 2,2 Prozent im Juni. Zuletzt wurde im März 2021 eine niedrigere Teuerungsrate erfasst als im August, in dem die Preise auch 0,1 Prozent niedriger waren als im Juli. Die Kerninflation ohne Energie und Nahrungsmittel ging um 0,1 Punkte auf 2,8 Prozent zurück.

Sollte die Inflation im Jahresverlauf in Deutschland und im Euroraum insgesamt sinken, gäbe das der Europäischen Zentralbank Spielraum für Leitzinssenkungen. Sie hat im Juni erstmals seit der Inflationswelle die Leitzinsen um 0,25 Prozentpunkte gesenkt. Im Juli hielt die EZB die Leitzinsen stabil und ließ die Tür für eine Zinssenkung bei der Ratssitzung am 12. September offen. An den Finanzmärkten wird mit einer Zinssenkung gerechnet. Im Euroraum war die Inflationsrate für den August auf 2,2 Prozent geschätzt worden.

Volkswirte erwarten auch wegen der Basiswerte aus dem Vorjahr, dass die Inflationsrate zum Jahresende wieder ansteigt. Selbst wenn die Inflationsrate im September und Oktober unter zwei Prozent bleiben sollte, sei das Problem noch nicht gelöst, warnt etwa Volkswirt Sebastian Becker von Deutsche Bank Research. Auch das Wirtschaftsinstitut ZEW aus Mannheim mag nur einen Zwischenerfolg sehen, aber noch keinen Durchbruch in Richtung Preisstabilität.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kappa Rus: Wie Putin einen Unternehmer um sein Lebenswerk bringt
20.10.2026

Jahrelang baute ein schwedischer Unternehmer in Russland ein millionenschweres Geschäft auf. Nun nimmt ihm Wladimir Putin per Dekret die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Leere Lager, stockende Bänder: Die deutsche Industrie im Würgegriff neuer Materialengpässe
20.10.2026

Elektronikkomponenten und chemische Rohstoffe werden zur Mangelware. Die neuesten ifo-Daten zeigen, wie fragil der Standort Deutschland im...

DWN
Finanzen
Finanzen Altersvorsorgedepot: Sozialverband warnt vor staatlich geförderter Kostenfalle
20.10.2026

Maximal ein Prozent Gebühren pro Jahr darf das neue Altersvorsorgedepot ab dem 1. Januar 2027 kosten. Dennoch warnt der Sozialverband vor...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX-Aktie: Musk verspricht jedem US-Kind eine Aktie seiner Weltraumfirma
20.10.2026

Jedes Kind in den USA soll von Elon Musk eine Aktie seiner Weltraumfirma SpaceX bekommen. Wie genau das passieren soll, ist noch unklar....

DWN
Finanzen
Finanzen Staatsverschuldung: Wie teuer Deutschlands Schulden jetzt werden
20.10.2026

Deutschlands Staatsschulden wachsen, während die Zinsen an den Anleihemärkten steigen. Der Bund muss immer mehr Geld aufnehmen und...

DWN
Politik
Politik Sonntagsumfrage: AfD bleibt stärkste Kraft
20.10.2026

Die AfD liegt in der YouGov-Umfrage weiter vorn, während sich bei mehreren Parteien kaum etwas bewegt. Welche Verschiebungen es im...

DWN
Finanzen
Finanzen Vier Jahre Kursentwicklung an der Wall Street: Jetzt wird der Aufschwung auf die Probe gestellt
20.10.2026

Der US-Aktienmarkt hat sich in vier Jahren mehr als verdoppelt. Doch hohe Zinsen und Finanzierungssorgen für den KI-Boom haben nun für...

DWN
Finanzen
Finanzen Buffer-ETFs: Warum der Airbag fürs Depot vor allem Rendite kostet
20.10.2026

Buffer-ETFs versprechen Aktienrenditen ohne die schlaflosen Nächte. In den USA ist daraus ein 78-Milliarden-Dollar-Business geworden, in...