Immobilien

IW-Studie: Bundesweiter Mietendeckel würde Wohnraum-Probleme noch weiter verschlimmern

In Deutschland wurde im Jahr 2015 die Mietpreisbremse eingeführt, Berlin benutzt außerdem auch einen Mietendeckel. Doch laut einer Analyse sind diese Mietkontrollen mit erheblichen Nachteilen verbunden. Lesen Sie, warum Experten vor den Folgen weiterer Verschärfungen von Mietpreisregulierungen warnen und was sie stattdessen raten.
14.09.2024 13:39
Lesezeit: 2 min
IW-Studie: Bundesweiter Mietendeckel würde Wohnraum-Probleme noch weiter verschlimmern
Blick auf Wohnhäuser im Berliner Bezirk Kreuzberg. Laut dem Institut der deutschen Wirtschaft braucht es andere Lösungen als Mietpreisregulierungen für den angespannten deutschen Miet- und Wohnungsmarkt. (Foto: dpa) Foto: Monika Skolimowska

Mietpreisregulierungen haben eine lange Tradition in Deutschland. Immer dann, wenn der Wohnungsmarkt besonders angespannt ist und die Wohnungsnot kaum mehr erträglich ist, rückt das Thema wieder ins Rampenlicht.

Mehr als jeder Zweite in Deutschland wohnt zur Miete - doch es gibt zu wenig Wohnungen in den beliebten Gegenden. Vor allem in den Groß- und Universitätsstädten steigt deshalb seit Jahren der Druck auf den Mietmarkt. Bisher blieben vor allem strukturschwache und ländliche Regionen verschont, doch auch in einigen dünn besiedelten Regionen wird das Mieten jetzt teurer - wenn auch auf vergleichsweise eher niedrigem Niveau.

Jetzt zeigt eine aktuelle Studie des Instituts der deutschen Wirtschaft (IW), dass die Einführung eines bundesweiten Mietpreisdeckels die Wohnungsnotlage im Land nicht verbessern würde. „Ergebnisse (der Analyse) zeigen, dass Mietpreisregulierungen keine Lösung für die Anspannung des Wohnungsmarktes sein können“, sagten Pekka Sagner, IW-Economist für Wohnungspolitik und Immobilienökonomik, und IW-Immobilienexperte Michael Voigtländer.

Angebotsverknappung durch Verschärfung von Preisregulierungen

Laut der Studie, im Auftrag der Friedrich-Naumann-Stiftung, würde eine weitere Verschärfung von Mietpreisregulierungen vielmehr zu mehr Angebotsverknappung führen: „Würde eine Mietpreisregulierung nach Berliner Vorbild überall dort eingeführt, wo heute schon eine Mietpreisbremse gilt, hätte dies gravierende Folgen: Die Anzahl der inserierten Wohnungen würde um über 60 Prozent von 280.000 neu inserierten Wohnungen auf rund 108.000 Wohnungen innerhalb eines Jahres sinken“, so die Autoren. Die ohnehin schon schwierige Suche nach einer Mietwohnung in vielen Orten würde sich noch weiter verschlechtern.

Hintergrund: Wo gilt aktuell eine Mietpreisbremse?

Bundesweit gilt eine Mietpreisbremse aktuell in 477 Gemeinden. Das heißt, dort dürfen Vermieter von neuen Mietern höchstens eine Miete verlangen, die zehn Prozent über der ortsüblichen Vergleichsmiete liegt. Der Berliner Mietendeckel habe besonders stark in den Markt eingegriffen, indem er Obergrenzen festgelegt hat, die teils deutlich unter den marktüblichen Mieten lagen, so die Studie. Die IW-Autoren haben untersucht, welche Folgen der Berliner Mietendeckel auf den Wohnungsmarkt dort hatte und wie sich eine bundesweite Einführung auswirken würde.

Berliner Mietendeckel: Einkommensstarke Mieter profitierten, Familien wurden benachteiligt

In Berlin führte der Deckel dazu, dass die Mieten während seiner Gültigkeit schnell sanken – in der Spitze um elf Prozent. Gleichzeitig halbierte sich aber auch die Zahl der inserierten Wohnungen. „Kein Wunder, denn für Vermieter war es oft lukrativer, Wohnungen zu verkaufen oder in Ferienwohnungen umzuwandeln“, kommentierten Sagner und Voigtländer. „Letztlich haben in erster Linie ältere und einkommensstarke Mieter, die selten umziehen, vom Mietendeckel profitiert.“

Dagegen wurde es für wohnungssuchende Familien deutlich schwieriger, eine passende Wohnung zu finden. Ein weiteres Problem: Vermieter investierten weniger in ihre Wohnungen, wodurch sich die Qualität vieler der Immobilien deutlich verschlechterte.

Die Alternative: Wohnungsbau muss priorisiert werden

Den IW-Experten zufolge sollte der Fokus unter anderem auf einen Mix aus mehr Wohnungsbau in den Großstädten sein, um die Lage im Wohnungsmarkt zu verbessern. „Statt auf Mietpreisregulierungen zu setzen, sollte die Politik den Wohnungsbau in den Städten vorantreiben, das Umland attraktiver gestalten und gezielte sozialpolitische Maßnahmen ergreifen, wie etwa die Treffsicherheit von Sozialwohnungen zu erhöhen“, kommentierte Voigtländer. „Nur so kann die angespannte Lage auf dem Wohnungsmarkt nachhaltig verbessert werden.“

Laut dem Bundesinstitut für Bau-, Stadt- und Raumforschung ist Berlin inzwischen die zweitteuerste Miet-Stadt Deutschlands. Während man nach einem Umzug für die Durchschnittswohnung im Bundesschnitt 10,55 Euro je Quadratmeter hinlegen musste, kostet die gleiche Fläche in der Hauptstadt mehr als 16 Euro. Höher liegen die Mieten allein in München mit mehr als 20,50 Euro pro Quadratmeter.

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Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

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