Unternehmen

Kosten senken, Zukunft sichern: Wie Unternehmen ihre Energienutzung diversifizieren

Die Energiepreise steigen, und Nachhaltigkeitsanforderungen werden strenger. Unternehmen brauchen neue Strategien – ein Mix aus erneuerbaren Energien, langfristigen Verträgen und smarter Steuerung hilft, die Kontrolle über Kosten zu behalten und Klimaziele zu erreichen. Mit der richtigen Planung wird die Energieversorgung zum Wettbewerbsvorteil.
28.09.2024 08:20
Aktualisiert: 28.09.2024 12:20
Lesezeit: 3 min
Kosten senken, Zukunft sichern: Wie Unternehmen ihre Energienutzung diversifizieren
Viele Unternehmen stellen sich die Frage: Wie kann der Energieverbrauch effizient reduziert und gleichzeitig auf umweltfreundlichere Quellen umgestellt werden? (Foto: iStock.com, vchal) Foto: vchal

Angesichts der steigenden Energiepreise und des zunehmenden Drucks zur Erfüllung von Nachhaltigkeitsvorgaben stehen viele Unternehmen vor schwierigen Entscheidungen. Gesetzliche Vorgaben wie das Klimaschutzgesetz und CSR-Richtlinien schaffen zwar den rechtlichen Rahmen für eine nachhaltigere Wirtschaft, erhöhen aber auch den Druck, diese Anforderungen zu erfüllen und langfristige Strategien für die Energieversorgung zu entwickeln.

Außerdem sind traditionelle Energieträger wie Öl und Kohle stark von Preisschwankungen betroffen, was es schwierig macht, stabile Betriebskosten zu kalkulieren. Zum Beispiel kann ein plötzlicher Anstieg der Ölpreise die Betriebsausgaben deutlich erhöhen. Die Frage, die sich viele Unternehmen stellen, lautet also: Wie lässt sich der Energieverbrauch effizient senken und gleichzeitig auf umweltfreundlichere Quellen umstellen?

Zertifikate werden teurer: Nachhaltigkeit braucht echte Lösungen

Viele Unternehmen greifen auf Herkunftsnachweise (HKNs) zurück, um ihren konventionellen Strom als „grün“ zu deklarieren. Diese Zertifikate bescheinigen, dass irgendwo in Europa grüne Energie erzeugt wurde. Doch auch wenn sie eine schnelle Lösung darstellen, sind sie keine langfristige Strategie, um die eigenen CO₂-Emissionen zu senken – und sie werden immer teurer. Während ein Ökostrom-Herkunftsnachweis im Jahr 2021 noch etwa 5 Euro pro Megawattstunde (MWh) kostete, ist dieser Preis 2023 bereits auf 6,30 Euro/MWh gestiegen.

Nachhaltige Lösungen erfordern echte Investitionen in grüne Energiequellen. Viele Unternehmen entscheiden sich daher, eigene Anlagen zu installieren oder Strom direkt von erneuerbaren Energiequellen zu beziehen. Erneuerbare Energien wie Wind- und Solarenergie bieten eine Alternative zu den volatilen fossilen Brennstoffen. Obwohl sie oft hohe Anfangsinvestitionen erfordern, bieten sie langfristig den Vorteil stabiler und oft sinkender Kosten. Ein Beispiel ist ein Fertigungsbetrieb in Süddeutschland, der kürzlich eine Photovoltaikanlage installiert hat, die nun 30-Prozent seines Energiebedarfs deckt.

Handlungsanweisung: Überdenken Sie Ihre Strategie zum Bezug von „grünem“ Strom. Setzen Sie weniger auf teure Zertifikate und investieren Sie stattdessen in eigene erneuerbare Energiequellen, um langfristig Geld zu sparen. Beraten Sie sich mit einem Energieberater, um Ihre Optionen abzuwägen.

Verschiedene Energiequellen nutzen: Langfristig Kosten senken und Nachhaltigkeit fördern

Um Kosten zu senken und gleichzeitig nachhaltig zu bleiben, setzen immer mehr Unternehmen auf einen Mix verschiedener Energiequellen. Die Plattfom Fastercapital dazu: „Ein widerstandsfähiges Energieportfolio zeichnet sich durch einen vielfältigen Mix an Energiequellen aus. Dies mindert die Risiken, die mit einer übermäßigen Abhängigkeit von einer einzigen Quelle einhergehen und stellt eine stabile Energieversorgung sicher, selbst wenn eine Quelle gefährdet ist. Beispielsweise kann eine Mischung aus erneuerbaren Energiequellen wie Solar-, Wind- und Wasserkraft traditionelle fossile Brennstoffe ergänzen.“

Ein Beispiel: Ein mittelständisches Unternehmen in Baden-Württemberg kombiniert Photovoltaikanlagen mit einem langfristigen Vertrag (Power Purchase Agreement, PPA) mit einem Windpark-Betreiber. Diese Lösung sichert nicht nur die Energieversorgung ab, sondern reduziert auch die Abhängigkeit von einzelnen Lieferanten.

Power Purchase Agreements (PPAs): Langfristige Preissicherheit für Unternehmen

PPAs sind besonders attraktiv für Unternehmen, die langfristige Preissicherheit suchen. Diese Verträge ermöglichen es, grünen Strom über mehrere Jahre hinweg zu festen Preisen zu beziehen, was besonders vorteilhaft ist, wenn die Energiepreise stark schwanken. Je nach Modell wird der Strom entweder nach einer Prognose geliefert oder direkt nach der tatsächlichen Produktion.

Sind PPAs auch für KMU geeignet? Ursprünglich waren sie eher für große Unternehmen gedacht, doch mittlerweile gibt es spezialisierte oder angepasste Modelle, die auch für KMU von Interesse sein könnten. Mit der richtigen Planung bieten PPAs eine Möglichkeit, langfristig von stabilen Preisen zu profitieren und gleichzeitig in Nachhaltigkeit zu investieren.

Handlungsanweisung: Wenn Sie planen, langfristig grüne Energie zu nutzen, prüfen Sie den Abschluss eines PPA. Beginnen Sie mit der Suche nach Anbietern, die speziell auf KMU zugeschnittene Modelle anbieten.

Intelligente Steuerung spart Kosten: Smart Grids und Demand Side Management

Neben der Erzeugung von grünem Strom setzen immer mehr Unternehmen auf Technologien wie Smart Grids (intelligente Stromnetze) und Energiespeicher, um den Stromverbrauch zu optimieren. Besonders hilfreich ist das sogenannte Demand Side Management, bei dem energieintensive Prozesse in Zeiten verlagert werden, in denen der Strom günstiger ist – zum Beispiel nachts oder während Zeiten geringer Netzbelastung.

Diese Maßnahmen helfen nicht nur, die Energiekosten zu senken, sondern entlasten auch das Stromnetz. Ein Lebensmittelproduzent in Niedersachsen nutzt beispielsweise ein Smart Grid, um den Stromverbrauch automatisch auf die Zeiten mit den niedrigsten Strompreisen zu verlegen.

Handlungsanweisung: Setzen Sie auf eine intelligente Steuerung Ihres Stromverbrauchs. Implementieren Sie Technologien, die den Energieverbrauch in Zeiten geringer Nachfrage verschieben und so Ihre Energiekosten senken.

So sichern KMU ihre Energieversorgung zukunftsfähig: Ein gutes Team ist der Schlüssel

Fazit: Die Herausforderungen der Energiebeschaffung werden immer komplexer. Doch mit einem Mix aus erneuerbaren Energiequellen, langfristigen Verträgen und moderner Technologie wie Smart Grids können Unternehmen sowohl ihre Kosten unter Kontrolle halten als auch ihre Nachhaltigkeitsziele erreichen. Für eine erfolgreiche Energiestrategie ist es unerlässlich, dass verschiedene Abteilungen – von der Buchhaltung über das Energiemanagement bis hin zur Geschäftsführung – eng zusammenarbeiten.

Ein gutes Beispiel ist ein Produktionsunternehmen in Sachsen, das ein interdisziplinäres Team gebildet hat, um regelmäßig die Entwicklung der Energiepreise zu analysieren und Einsparpotenziale zu identifizieren. Durch diese enge Zusammenarbeit konnte das Unternehmen innerhalb eines Jahres seine Energiekosten um 15-Prozent senken.

Handlungsanweisung: Bilden Sie ein unternehmensinternes Energieteam, das regelmäßig Einsparpotenziale identifiziert und die Fortschritte bei der Umsetzung von Energiestrategien überwacht. Eine enge Zusammenarbeit innerhalb des Unternehmens und eine regelmäßige Analyse der verfügbaren Energiequellen sind der Schlüssel, um flexibel auf Marktveränderungen zu reagieren und gleichzeitig die Betriebskosten im Blick zu behalten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Tagesgeld-Vergleich (09/2026): Diese Banken bieten die besten Tagesgeld-Zinsen

Ein Tagesgeld-Konto gilt als sichere und flexible Geldanlage. Doch hinter manchem Spitzenangebot verbergen sich nicht selten Bedingungen,...

 

avtor1
Anika Völger

Freie Wirtschaftsjournalistin, Autorin, Bankkauffrau, Verwaltungswirtin, Dozentin für Recht. Anika Völger verbindet juristisches und wirtschaftliches Fachwissen mit journalistischer Klarheit. Die Hannoveranerin ordnet wirtschaftliche und politische Entwicklungen ein, analysiert rechtliche Zusammenhänge und erklärt Wirtschafts-, Finanz-, Technologie- und Kryptothemen für ein breites Publikum. Sie schreibt u. a. für die Deutschen Wirtschaftsnachrichten, für Kanzleien sowie für Finanz- und Technologieunternehmen.
DWN
Politik
Politik Gelockerter Kündigungsschutz für Hochverdiener: Was Arbeitgeber für 2027 wissen sollten
27.09.2026

Die Bundesregierung plant eine Reform des Kündigungsschutzes, in der Hochverdiener leichter kündbar werden sollen. Arbeitgeber können...

DWN
Panorama
Panorama Auswandern nach Andalusien: „In meinem Herzen habe ich zwei Seelen“
27.09.2026

Jens Halbroth und seine Frau Claudia suchten jahrelang nach einem neuen Lebensmittelpunkt. Sie reisten mit Motorrad und Wohnmobil durch...

DWN
Finanzen
Finanzen Weltweite Schulden mit Gold tilgen? Dann müsste es 400.000 Dollar kosten
27.09.2026

Die Goldpreise erreichen 2026 Rekordstände. Doch was wäre, wenn Staaten ihre Schulden theoretisch mit ihren Goldreserven decken wollten?...

DWN
Technologie
Technologie KI und Burnout: Warum ausgerechnet Entlastung krank machen kann
27.09.2026

KI soll Beschäftigte entlasten, Routinearbeit übernehmen und Unternehmen produktiver machen. Doch ausgerechnet die neue Effizienz schafft...

DWN
Politik
Politik Kanada und EU: Von der Leyens Plan könnte den Binnenmarkt verändern
27.09.2026

Kanada soll enger an die Europäische Union rücken als je zuvor. Ursula von der Leyen bringt dafür sogar eine "assoziierte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Horacio Pagani im Porträt: Seine Autos sind verkauft, bevor die Öffentlichkeit sie sieht
27.09.2026

Horacio Pagani baut keine Autos für den Massenmarkt. Im vergangenen Jahr sollen es gerade einmal rund 50 gewesen sein, das günstigste...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unternehmensnachfolge: Mehr Schließungs- als Übergabepläne im Mittelstand
27.09.2026

Erstmals wollen mehr Mittelständler dichtmachen als übergeben. Betroffen sind auch profitable Betriebe mit vollen Auftragsbüchern. Oft...

DWN
Unternehmen
Unternehmen KI für Anwälte: Der 26-Jährige, dem Investoren Milliarden hinterhertragen
27.09.2026

Drei Gründer, drei Jahre und inzwischen eine mögliche Milliardenbewertung: Der erst 26-jährige Max Junestrand baut mit Legora eines der...