Wirtschaft

Stimmung im deutschen Mittelstand: Auftragseinbußen und sinkende Umsätze

Die Stimmung im deutschen Mittelstand ist angespannt: 1/3 der Unternehmen verzeichnen Auftragseinbußen, die Einstellungsbereitschaft ist auf einem Rekordtief. Die Wirtschaftspolitik der Bundesregierung wird von 80 % als unzureichend bewertet.
30.09.2024 05:01
Lesezeit: 2 min

Die Stimmung im deutschen Mittelstand hat sich einer Studie zufolge weiter verschlechtert und bleibt angespannt. Eine geringe Investitionstätigkeit und die schwache Konsumneigung belasteten die Geschäfte der mittelständischen Unternehmen schwer, wie die Wirtschaftsauskunftei Creditreform mitteilte. Der Mittelstand zeige „nahezu depressive Züge“, sagte der Leiter der Creditreform Wirtschaftsforschung, Patrik-Ludwig Hantzsch. Die Stimmung sei „so schlecht wie zur Corona-Hochzeit, als keiner wusste, wie schlimm die Pandemie noch wird“.

Die Untersuchung stützt sich auf eine repräsentative Umfrage von Creditreform unter 1200 kleinen und mittleren Betrieben. Das Ergebnis: Die Geschäfte liefen zuletzt enttäuschend, positive wirtschaftliche Impulse sind nicht erkennbar. Ein Drittel der Befragten musste Auftragseinbußen hinnehmen, lediglich 18 Prozent verzeichneten steigende Eingänge. Nur knapp ein Viertel der Unternehmen erzielte in den vergangenen Monaten ein Umsatzplus. Es sei 20 Jahre her, dass das Geschäftsklima im Mittelstand zwei Jahre in Folge negativ war, sagte Hantzsch. „Die gute Stimmung zu Jahresbeginn, die Konjunkturexperten und die Bundesregierung verbreiteten, war leider verfrüht.“

Vor allem im verarbeitenden Gewerbe und im Handel habe sich die Situation deutlich verschlechtert, hieß es. Zu einem Einbruch kam es der Untersuchung zufolge besonders im Bausektor. Der Mittelstand, der der Industrie zuliefere, gerate in der aktuellen Konjunkturschwäche zunehmend unter Druck, die steigenden Insolvenzen seien nur der Anfang, so Hantzsch.

Einstellungsbereitschaft auf niedrigstem Stand der vergangenen zehn Jahre

Knapp 80 Prozent der Mittelständler sind laut Umfrage unzufrieden mit der Wirtschaftspolitik der Bundesregierung. Die drängendsten Themen sind aus der Sicht der Unternehmen der Bürokratieabbau sowie der Fachkräftemangel. Unsichere Wirtschaftsaussichten und fehlende Liquidität hemmen der Untersuchung zufolge die Investitionsbereitschaft. Lediglich 40 Prozent der Firmen planen Investitionen. Dies ist zwar mehr als im Vorjahr, aber laut Creditreform weniger als im Durchschnitt der vergangenen Jahre.

Die negative wirtschaftliche Entwicklung wirkte sich auch auf den Arbeitsmarkt aus. Gut 21 Prozent der Unternehmen, und damit noch mehr als 2023, bauten Personal ab. Grund dafür sind den Angaben nach vor allem die schwache Auftragslage und der Fachkräftemangel. Die Einstellungsbereitschaft im Mittelstand ist demnach auf den niedrigsten Stand der vergangenen zehn Jahre gesunken.

Aufgrund der sinkenden Inflation haben weniger Unternehmen ihre Preise erhöht. Nur rund 30 Prozent haben die Verkaufspreise gesteigert, im Vorjahr hatten dies noch 40 Prozent angegeben. Gut 10 Prozent haben die Preise gesenkt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Technologie
Technologie Dacia Duster im Test: Wenn die Reichweite an der Grenze zur Unwahrscheinlichkeit liegt
04.11.2026

1.410 Kilometer Reichweite, Allradantrieb und drei Antriebstechnologien in einem Auto: Der Dacia Duster Hybrid 4x4 verspricht erstaunlich...

DWN
Politik
Politik Die Amerikaner haben uns bislang erfolgreich gespalten
04.11.2026

Russland gilt seit Jahren als Meister der Einflussnahme auf Europa. Doch inzwischen richtet sich der Blick zunehmend auf Washington. Auch...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Maschinenbau: 14 Prozent mehr Aufträge im September
04.11.2026

14 Prozent mehr Aufträge im September, vor allem aus dem Inland: Für den Maschinenbau ist das ein Hoffnungsschimmer. Doch der starke...

DWN
Politik
Politik Pleitewelle erwartet: Krankenhäuser fürchten neue Milliardenlöcher und Insolvenzen
04.11.2026

Die Finanzlöcher deutscher Krankenhäuser werden immer tiefer: Eine Welle von Klinik-Insolvenzen wird erwartet. Um gegenzusteuern, wollen...

DWN
Finanzen
Finanzen Wie reagiert die EZB? Inflationsrate in Eurozone steigt im Oktober auf 4,0 Prozent
04.11.2026

Die Inflation in der Eurozone ist im Oktober auf den höchsten Stand seit über drei Jahren gestiegen. Damit entfernt sich die Teuerung...

DWN
Politik
Politik Midterms 2026: Doppelniederlage für Trumps Republikaner
04.11.2026

Zwanzig Jahre hat es gedauert, jetzt ist es wieder passiert: Trumps Republikaner verlieren Repräsentantenhaus und Senat zugleich. Selbst...

DWN
Finanzen
Finanzen Krypto und Finanzamt: Wo Anleger in Steuerfallen geraten – und wann Steuerhinterziehung droht
04.11.2026

Ab 2027 melden Krypto-Anbieter erstmals automatisch Transaktionsdaten an das Bundeszentralamt für Steuern – und zwar für das gesamte...

DWN
Unternehmen
Unternehmen BMW-Aktie: Gewinn von BMW schrumpft - Jobabbau wird ausgeweitet
04.11.2026

Am Dienstagabend erschreckt der Autobauer die Märkte mit der zweiten Gewinnwarnung im laufenden Jahr. Das liegt auch daran, dass die...