Unternehmen

Ifo: Stimmung im Einzelhandel zunehmend trüb

Schlechte Nachrichten für den Einzelhandel: Die deutsche Wirtschaftsflaute wirkt auch im Geldbeutel. Der private Konsum geht weiter zurück und die Aussichten sind alles andere als rosig. Ursache ist nach Einschätzung des Ifo-Instituts Verunsicherung der Verbraucherinnen und Verbraucher.
07.10.2024 10:00
Lesezeit: 2 min
Ifo: Stimmung im Einzelhandel zunehmend trüb
Konsumflaute: In den vergangenen Jahren kauften immer weniger Kunden ein. Heute ist das Kaufhaus Lafayette in Berlin geschlossen. (Foto: dpa) Foto: Sebastian Gollnow

Die Stimmung im deutschen Einzelhandel hat sich nach Angaben des Ifo-Instituts weiter verschlechtert. Vor allem Auto- und Möbelhändler sehen ihre Geschäftslage laut der September-Erhebung der Münchner Wirtschaftswissenschaftler ungünstig. Der Geschäftsklima-Index für den Einzelhandel insgesamt sank von minus 23,1 Punkten im August auf minus 25,6, wie das Ifo-Institut mitteilte.

Geschäftsklima im Einzelhandel trübt sich ein

„Verbraucherinnen und Verbraucher sind verunsichert, was das wirtschaftspolitische Umfeld angeht“, sagte Ökonom Patrick Höppner. „Das lässt für das restliche Jahr 2024 keine dynamische Entwicklung bei den privaten Konsumausgaben mehr erwarten.“

Dementsprechend deutet die monatliche Umfrage darauf hin, dass die Preise im Einzelhandel in den kommenden Monaten nicht allzu stark steigen werden. „In einem überwiegend schwierigen Geschäftsumfeld sehen die Einzelhändler immer weniger Möglichkeiten für Preiserhöhungen“, sagte Höppner. „Auch die Beschäftigung wird kurzfristig eher zurückgehen als steigen.“

Verbraucherstimmung setzt Abwärtstrend fort

Auch der Einzelhandelsverband HDE verweist darauf, dass sich die seit Monaten anhaltende Abwärtsbewegung der Verbraucherstimmung im Oktober fortgesetzt habe. Das aktuelle Konsumbarometer sei den vierten Monat in Folge zurückgegangen. In den letzten Monaten des Jahres werde vom privaten Konsum voraussichtlich kein Wachstumsimpuls ausgehen.

Da die Anschaffungsneigung der Verbraucherinnen und Verbraucher im Vergleich zum Vormonat steige, ist aus Sicht des Handelsverbands Deutschland (HDE) in den kommenden Wochen und Monaten mit einer minimalen Konsumausweitung zu rechnen. Gleichzeitig planten die Verbraucher aber, ihre Sparanstrengungen zu intensivieren.

Die schwachen gesamtwirtschaftlichen Aussichten und deutlich weniger optimistischen Konjunkturprognosen spiegelten sich auch im Ausblick der Verbraucher wider, heißt es vom HDE. Sie teilten den Pessimismus von Konjunkturexperten und Wirtschaft und seien pessimistischer als vor einem Jahr. Auch auf die Entwicklung des eigenen Einkommens blickten die Verbraucher wenig optimistisch. Hier sinken die Erwartungen laut HDE ebenfalls.

Weniger Möglichkeiten für Preiserhöhungen

Autohäuser und Möbelhändler nahmen eine spürbar ungünstigere Geschäftslage wahr. Die Verkäufer von Bekleidung, Möbeln und Einrichtungsgegenständen sowie Baumärkte schätzten die Geschäftslage ungünstiger ein als im Einzelhandel insgesamt. Hingegen berichteten Fahrrad- und Lebensmittelhändler, sowie Einzelhändler mit Unterhaltungselektronik von einer Verbesserung ihrer Geschäftslage.

Weniger Einzelhändler erwarten steigende Preise. Bei ihren Plänen, Personal einzustellen, sind sie zurückhaltender. „In einem überwiegend schwierigen Geschäftsumfeld sehen die Einzelhändler immer weniger Möglichkeiten für Preiserhöhungen. Auch die Beschäftigung wird kurzfristig eher zurückgehen als steigen“, sagt Höppner. Daneben finden viele Einzelhändler ihre Lagerbestände zu hoch und planen, ihre Bestellungen an Handelswaren zu verringern.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Politik
Politik Europas Volkswirtschaften unter Reformdruck: Leistungsanreize als Schlüssel zur Stabilität
07.03.2026

Deutschland und andere europäische Volkswirtschaften stehen durch steigende Sozialausgaben, hohe Krankenstände und eine alternde...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Die Elektroauto-Euphorie ist vorbei: Jetzt kommt die Rechnung
07.03.2026

Abschreibungen in Höhe von rund 50 Milliarden Euro, gestoppte Projekte und eine strategische Kehrtwende zurück zum Verbrennungsmotor: Die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Druschba-Stopp erhöht Druck: Adriatische Pipeline als Ausweichroute
07.03.2026

Nach dem Stopp der Druschba-Pipeline rückt Kroatiens Adriatische Ölpipeline als alternative Route für Ungarn und die Slowakei in den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nvidia-Aktie im Fokus: Jensen Huang stellt OpenAI-Investitionen infrage
06.03.2026

Die Nvidia-Aktie steht im Fokus, nachdem Konzernchef Jensen Huang weitere Milliardeninvestitionen in das KI-Unternehmen OpenAI infrage...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft EU verschärft Aufsicht: Kampf gegen unfaire Praktiken im Agrarhandel
06.03.2026

Die EU verschärft ihre Regeln gegen unfaire Handelspraktiken in der Agrar- und Lebensmittelkette und stärkt die Zusammenarbeit der...

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Hebamme statt Sterbebegleiter: Wie der Berliner VC-Fonds seed + speed Ventures europäische KI-Start-ups groß macht 
06.03.2026

Neun von zehn Start-ups liefern Durchschnitt – doch das eine Start-up kann alles verändern. Der Berliner VC-Fonds seed + speed Ventures...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg spitzt sich zu: Wie real sind Bürgerkrieg und Atomrisiken?
06.03.2026

Der Krieg gegen den Iran entwickelt sich zu einem geopolitischen Konflikt mit weitreichenden Folgen für Machtstrukturen im Nahen Osten,...

DWN
Politik
Politik Mehr Flexibilität für Kliniken: Bundestag verabschiedet Anpassungen zur Krankenhausreform
06.03.2026

Der Bundestag hat nach monatelangen Verhandlungen weitreichende Änderungen an der umstrittenen Krankenhausreform beschlossen. Das...