Unternehmen

Antibiotika-Krise: Experten fordern dringend neue Lösungen gegen Resistenzen

Alleine in der EU sterben jährlich Zehntausende Menschen an Infektionen, die durch antibiotikaresistente Erreger verursacht werden. Experten betonen, dass dringend neue Anreize für die Entwicklung von Antibiotika geschaffen werden müssen, um den medizinischen Fortschritt zu sichern und der zunehmenden Gefahr von Resistenzen entgegenzuwirken.
26.10.2024 13:02
Lesezeit: 2 min
Antibiotika-Krise: Experten fordern dringend neue Lösungen gegen Resistenzen
Trotz neuer Ansätze bleibt die Antibiotika-Entwicklung aus- trotz der Gefahr die Multiresistenzen bergen (Foto: dpa).

Experten fordern Anreize für die Antibiotika-Forschung

Im Kampf gegen Antibiotikaresistenzen muss nach Einschätzung von Experten deutlich mehr unternommen werden. „Es gibt zahlreiche neue und vielversprechende Forschungsansätze“, erklärte Mark Brönstrup vom Deutschen Zentrum für Infektionsforschung. Allerdings würden viele dieser Ansätze nicht umgesetzt. Der Grund: Die Produktion von Antibiotika lohnt sich für Pharmaunternehmen finanziell immer weniger. Alleine in der EU sterben jedes Jahr Zehntausende Menschen an Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern.

Nur zwölf neue Antibiotika seit 2017

Seit 2017 wurden laut Brönstrup nur zwölf neue Antibiotika zugelassen. Von diesen gehören zehn zu Klassen, gegen die bereits Resistenzmechanismen entwickelt wurden. Zudem seien die meisten dieser neuen Medikamente in Deutschland gar nicht erhältlich, was zur Folge habe, dass Patienten letztlich kaum davon profitierten.

Mathias Pletz, Präsident der Paul-Ehrlich-Gesellschaft für Infektionstherapie (PEG), betonte, dass die Wirksamkeit von Antibiotika zunehmend in Gefahr gerate. „Wir riskieren, die Errungenschaften der modernen Medizin zu verlieren und könnten in eine Zeit vor der Entdeckung von Penicillin zurückkehren“, warnte er in Weimar. Es sei entscheidend, Antibiotika sparsam einzusetzen und gleichzeitig kontinuierlich neue Medikamente zu entwickeln, die gegen resistente Bakterien wirken.

Produktion von Antibiotika ist nicht rentabel

Laut den Experten müsse die Bundesregierung dringend Maßnahmen ergreifen, um Pharmaunternehmen wieder zur Produktion von Antibiotika zu bewegen. Zurzeit erhalten Unternehmen bei der Entwicklung neuer Medikamente für einen gewissen Zeitraum das Recht zur Exklusivvermarktung. Dies reiche jedoch nicht aus, so Harald Zimmer, Sprecher des Deutschen Netzwerks gegen Antimikrobielle Resistenzen und Referent des Verbandes der forschenden Pharmaunternehmen.

Antibiotika würden aufgrund der schnellen Resistenzbildung zu früh unwirksam, was dazu führe, dass die Entwicklungskosten nicht gedeckt werden könnten. Zahlreiche Unternehmen, die in die Antibiotikaentwicklung investiert haben, seien bankrottgegangen. Ein EU-Vorschlag, der vorsieht, dass Unternehmen andere Medikamente länger exklusiv vermarkten dürfen, um die Kosten für die Entwicklung von Antibiotika zu finanzieren, müsse dringend umgesetzt werden.

Vor allem kleine Firmen entwickeln Antibiotika

Aktuell befinden sich rund 80 Prozent der Forschungsprojekte für neue Antibiotika in den Händen kleiner Start-ups. Diese Unternehmen stünden jedoch vor erheblichen finanziellen Herausforderungen, da sie oft keine weiteren Produkte hätten, die sie exklusiv vermarkten könnten, so Zimmer. Daher müsse auch ein Markt geschaffen werden, auf dem diese Firmen das Recht zur längeren Exklusivvermarktung an größere Pharmaunternehmen verkaufen könnten.

Jährlich sterben laut der EU-Gesundheitsbehörde ECDC etwa 35.000 Menschen in der Europäischen Union an Infektionen mit antibiotikaresistenten Erregern. Wenn Antibiotika eingesetzt werden, töten sie nicht alle Bakterien. Die überlebenden resistenten Bakterien vermehren sich weiter. Laut dem Robert Koch-Institut lässt sich die Entstehung von Resistenzen nicht verhindern, sondern lediglich verlangsamen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Leipzig Amokfahrt: Mutmaßlicher Amokfahrer tötet und verletzt mehrere Menschen
04.05.2026

In der Leipziger Innenstadt ist ein Auto in mehrere Menschen gefahren. Menschen kommen dabei ums Leben. Mindestens drei weitere werden...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mehr Wagniskapital: KI-Boom stärkt deutsche Start-ups
04.05.2026

Deutsche Start-ups ziehen wieder mehr Wagniskapital an, angetrieben vom Boom rund um Künstliche Intelligenz. Internationale Investoren...

DWN
Politik
Politik Schwarz-Rot unter Druck: Ein Jahr Merz-Regierung
04.05.2026

Ein Jahr nach Amtsantritt steht Kanzler Merz unter Druck: Streit in der Koalition, schlechte Umfragen und Reformstau belasten die Regierung...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie: Integration der Sachsen-Werke verzögert - was das bedeutet
04.05.2026

Bei Volkswagen geraten zentrale Umstrukturierungen ins Stocken, was auch die VW-Aktie beeinflussen könnte. Die geplante Integration der...

DWN
Politik
Politik Staatskrise Deutschland: Minderheitsregierung oder Neuwahlen - was wäre denkbar?
04.05.2026

Die schwarz-rote Regierung gibt bisher kein gutes Bild ab: Anhaltende Konflikte, halbgare Reformen und ausbleibende Antworten auf zentrale...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Tegut-Übernahme: Das sind die Folgen für Verbraucher und den Wettbewerb
04.05.2026

Mit dem Verkauf von Tegut steht eine bekannte Supermarktkette vor dem Aus. Die Tegut-Übernahme durch Edeka und Rewe könnte den Wettbewerb...

DWN
Finanzen
Finanzen Commerzbank-Aktie gegen Unicredit: Machtkampf um die Zukunft der Commerzbank
04.05.2026

Seit Monaten verteidigt die Commerzbank ihre Eigenständigkeit. Die italienische Unicredit hält das nicht davon ab, den DAX-Konzern unter...

DWN
Finanzen
Finanzen BlackSky-Aktie: 267 Prozent Kursplus und ein gefährlicher Haken
04.05.2026

Die BlackSky-Aktie ist in zwölf Monaten um 267 Prozent gestiegen. Doch hinter dem Hype um Satelliten, KI und Verteidigungsaufträge stehen...