Unternehmen

Es hat sich ausgequalmt: Philip Morris will Produktion in Deutschland beenden

Der zweitgrößte Tabakkonzern Philip Morris will seine Produktion in Deutschland beenden – trotz Rekordergebnisse an der Börse. Die Entscheidung betrifft die Fabriken in Berlin und Dresden: 372 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seien möglicherweise betroffen.
31.10.2024 15:32
Lesezeit: 2 min

Der Zigaretten- und Tabakproduzent Philip Morris International will im kommenden Jahr seine beiden Fabriken in Deutschland schließen, wie das Unternehmen mitteilte. Begründet wird der Schritt mit einer seit Jahren zurückgehenden Nachfrage nach Zigaretten und Tabak in Europa. Philip Morris dazu: „Es wird erwartet, dass sich dieser Trend in den kommenden Jahren weiter fortsetzen wird.“

Tabakkonzern schließt letzte deutsche Werke

Das Unternehmen habe alle verfügbaren Optionen zur Produktionsanpassung sorgfältig geprüft, heißt es in der Mitteilung. Bei der Philip Morris Manufacturing GmbH in Berlin soll die Produktion in der ersten Jahreshälfte 2025 eingestellt werden. Die f6 Cigarettenfabrik GmbH & Co. KG in Dresden folgt Mitte des kommenden Jahres. Hier wurde zuletzt nur noch Schnitttabak verarbeitet. Weitere Produktionsstätten in Deutschland hat der Konzern nicht.

Philip Morris International überprüfe seine Geschäftsprozesse laufend, um die betriebliche Effizienz sicherzustellen, sagte Jan Otten, der für beide deutschen Werke als Managing Director verantwortlich ist, laut Mitteilung. „Wir sind uns bewusst, dass schwierige, aber notwendige Entscheidungen getroffen werden müssen, um uns an die aktuellen Marktentwicklungen anzupassen.“

Insgesamt beschäftigt Philip Morris eigenen Angaben nach etwa 1.400 Mitarbeiter in Deutschland.

Fabrikarbeiter bald ohne Job

In Berlin und Dresden beschäftigt das Unternehmen insgesamt 372 Angestellte. Jetzt würden die Verantwortlichen mit den Betriebsräten und den Sozialpartnern nach „fairen und sozialverträglichen Lösungen“ für die Belegschaft suchen. Konsultationen mit Arbeitnehmervertretern und Sozialpartnern sollen „zeitnah“ eingeleitet werden, teilte der Malboro-Hersteller mit. Der Fokus werde darauf liegen, die betroffenen Mitarbeiter dieser schwierigen Phase zu unterstützen.

Werk in Berlin-Neukölln

Das Werk in Berlin ist seit 1972 Teil des PMI-Produktionsnetzwerks und produziert derzeit ET, der für die Herstellung von Zigaretten benötigt wird. Der Nachfragerückgang habe sich auf die europäischen Produktionsstätten von PMI für ET ausgewirkt und man habe nach „sorgfältiger Prüfung“ beschlossen, die ET-Produktion bei der PMMG in der ersten Jahreshälfte 2025 einzustellen.

Fabrik in Dresden

Die Fabrik in Dresden hat sich seit 2019 auf die Produktion von OTP überwiegend für PMIs europäischen Märkte, spezialisiert. Zu OTP zählt Feinschnitt-Tabak, auch bekannt als Roll-your-own (RYO) oder Make-your-own (MYO). Das ist Tabak, den die Verbraucher in Dosen, Boxen oder als Pouch erwerben. Auch in diesem Segment ist die Nachfrage innerhalb Europas seit Jahren rückläufig. Daher plant PMI auch hier, die OTP-Produktion im f6-Werk Mitte des Jahres 2025 einzustellen.

Der Unternehmenssitz der deutschen Tochtergesellschaft ist in Gräfelfing bei München. Wie es mit der Unternehmenszentrale weitergeht, von der aus beispielsweise das Marketing betrieben wird, ist noch unklar.

Zweitgrößter Tabakhersteller der Welt

Zu dem internationalen Tabakkonzern gehören neben den elektronischen Iqos-Erhitzern unter anderem die Marken Marlboro, L&M und Chesterfield und rund 50 weitere Produkte. Es handelt sich um den zweitgrößten Tabakhersteller der Welt. Rund 82.000 Menschen arbeiten bei Philip Morris International.

Zuletzt wurde ein Rekordergebnis an der Börse eingefahren. „Im dritten Quartal haben wir eine außergewöhnlich starke Leistung erbracht und einen Rekordumsatz und -gewinn pro Aktie erzielt“, erklärte Vorstandsvorsitzender Jacek Olczak bei der Vorstellung der Zahlen in der vergangenen Woche.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street beendet den Monat auf einem Hoch
30.04.2026

Was hinter der außergewöhnlichen Rallye steckt und warum dieser Börsenmonat in Erinnerung bleiben wird.

DWN
Politik
Politik Deutschland rüstet auf: Merz setzt auf europäische Führungsrolle
30.04.2026

Deutschland erhöht seine Verteidigungsausgaben massiv und stellt damit die Machtbalance in Europas Sicherheitspolitik neu zur Disposition....

DWN
Politik
Politik Rente als Basisabsicherung? Rente nicht mehr sicher - Altersarmut auf Ansage
30.04.2026

Der Bundeskanzler löst mit seiner Aussage, dass die staatliche Rente als eine „Basisabsicherung“ nicht mehr reichen wird, große...

DWN
Politik
Politik Moskau droht mit Konsequenzen: Selenskyj provoziere Atomkrieg
30.04.2026

Das russische Außenministerium hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj das Heraufbeschwören eines Atomkriegs vorgeworfen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisschock vor der Entlastung: Historischer Sprung an den Zapfsäulen
30.04.2026

Eigentlich sollten Autofahrer ab Mitternacht durch den neuen Tankrabatt aufatmen können – doch kurz vor dem Start der Steuersenkung...

DWN
Immobilien
Immobilien Warnsignal für den Immobilienstandort: Justiz-Debakel um Bauruine belastet Investitionsklima
30.04.2026

Der Fall des Fellbacher „Schwabenlandtowers“ entwickelt sich von einem lokalen Bau-Skandal zu einem besorgniserregenden Lehrstück für...

DWN
Politik
Politik Gesundheitsreform auf dem Weg: Das sind die wichtigsten Änderungen
30.04.2026

Die Bundesregierung hat die Gesundheitsreform auf den Weg gebracht. Der Gesetzesentwurf bringt für Versicherte zahlreiche Änderungen –...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Teuerung in der Eurozone: Iran-Krieg treibt Inflationsrate auf 3,0 Prozent
30.04.2026

Der Ölpreisschub infolge des Iran-Krieges hat die Inflation im Euroraum im April massiv angeheizt. Nach ersten Schätzungen des...