Wie teuer wird die Post nächstes Jahr? Wenn es nach ihr geht: richtig teuer. Sogar weitaus mehr als die aktuell von der Bundesnetzagentur vorgeschlagenen 10,5 Prozent - womit die Briefmarke für den Standardbrief im kommenden Jahr dann nicht mehr 85 Cent kosten würde, sondern aufgerundet 95 Cent.
Doch das reicht der Deutschen Post nicht. Sie macht sich für einen deutlich stärkeren Preisaufschlag beim Briefversand in Deutschland stark als das von Bundesnetzagentur vorgeschlagene Plus von 10,5 Prozent. Dieser "Preiserhöhungsspielraum" der Bundesnetzagentur hieße, dass das Porto für alle Briefe und Postkarten, die in den kommenden zwei Jahren voraussichtlich verschickt werden, um diesen Prozentwert teurer werden darf.
Der Gesetzgeber habe der Post eine Gewinnmarge zugebilligt, die mit dem jetzigen Vorschlag der Behörde längst nicht erreicht werden könnte. Meyer rechnete bei einer Pressekonferenz vor, dass der Konzern in seinem Post & Paket-Geschäft in Deutschland im dritten Quartal nach Abzug von Einmaleffekten nur rund 100 Millionen Euro verdient habe. Nach seiner Lesart des Postgesetzes müssten es aber circa 330 Millionen Euro sein.
Nach Darstellung der Post fiel die vergangene Portoerhöhung um 4,6 Prozent von Anfang 2022 angesichts der hohen Inflation in diesem Zeitraum viel zu gering aus. Daher gebe es nun einen großen Nachholbedarf. "Es gibt kein anderes europäisches Land, wo das Briefporto langsamer angestiegen ist als die Inflation, das einzige Land ist Deutschland", sagte Meyer. Die Frage, welchen Prozentaufschlag er denn wolle, beantwortete der Manager nicht konkret. Er wies nur darauf hin, dass der Aufschlag dem Gesetz zufolge nicht höher ausfallen dürfte als 17 Prozent. Derzeit kostet der Versand eines Standardbriefs 85 Cent.
Meyer rechnete vor, dass der Konzern in seinem Post & Paket-Geschäft in Deutschland im dritten Quartal 2024 nach Abzug von Einmaleffekten nur rund 100 Millionen Euro verdient habe. Nach seiner Lesart des Postgesetzes müssten es aber circa 330 Millionen Euro sein. Das bisherige Briefporto läuft Ende des Jahres aus, ab Anfang 2025 gilt ein neues Porto. Das genaue Porto legt die Post erst fest, nachdem die Bundesnetzagentur final über den Erhöhungsspielraum entschieden hat - das wird in den kommenden Wochen erwartet.
Bundesnetzagentur hat das letzte Wort
Die Post darf das Briefporto nicht selbst festlegen, sondern sie muss es sich von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen. Die Portoerhöhung wird auf Basis von Kostensteigerungen und bestimmter Annahmen errechnet. Welche Kosten dabei aber wie gewertet werden, darüber sind sich der Logistikkonzern und die Regulierungsbehörde uneins.
Es wird damit gerechnet, dass die Bundesnetzagentur ihren Vorschlag zur Verteuerung des Briefversands in den kommenden Wochen beschließt - womöglich bleibt es bei den 10,5 Prozent. Die Post darf das Briefporto nicht selbst festlegen, sondern sie muss es sich von der Bundesnetzagentur genehmigen lassen. Das Briefgeschäft schrumpft seit langem: Im Internetzeitalter sinkt die Briefmenge, weil die Menschen und Unternehmen stärker auf digitale Kommunikation setzen.
Meyer machte seinem Unmut über die Behörde Luft, die ihren Sitz nur wenige Straßen von der DHL-Zentrale ihren Sitz in Bonn hat. "Es geht darum, dass umgesetzt wird, was im Gesetz vorgesehen ist, und das sehen wir im Moment nicht." Und was passiert, wenn die Bundesnetzagentur bei ihrem Vorschlag von 10,5 Prozent Preisaufschlag bleibt - würde die Post dagegen klagen? "Ob wir dagegen klagen oder nicht, werden wir uns überlegen." Eine Klage hätte auch formelle Hürden und Risiken für das Unternehmen, gab er zu bedenken.
Rechenaufgabe Briefporto-Erhöhung
Die Portoerhöhung wird auf Basis von Kostensteigerungen und bestimmter Annahmen errechnet. Welche Kosten dabei aber wie gewertet werden, darüber sind sich der Logistikkonzern und die Regulierungsbehörde uneins. Das bisherige Briefporto läuft Ende des Jahres aus, ab Anfang 2025 gilt ein neues Porto - diesmal für zwei Jahre und nicht wie zuvor für drei Jahre.
Wie hoch das sein wird, ist noch unklar. Anfang 2022 hatte es die bislang letzte Portoerhöhung gegeben, damals um 4,6 Prozent. Der Zeitpunkt war ungünstig für die Post, denn erst nach dem damaligen Beschluss der Bundesnetzagentur zog die Inflation kräftig an.
Deswegen beantragte die Post im vergangenen Jahr eine vorzeitige Preiserhöhung, biss mit diesem Vorhaben aber bei der Bundesnetzagentur auf Granit. Das sorgte für Ärger in der Konzernzentrale, dem Posttower - der liegt in Bonn nur ein paar Straßen entfernt von der Regulierungsbehörde.
Meyer betonte, dass es in Sachen Portoerhöhung einen großen Nachholbedarf gebe. "Es gibt kein anderes europäisches Land, wo das Briefporto langsamer angestiegen ist als die Inflation, das einzige Land ist Deutschland", so der Manager. Die Frage, welchen Prozentaufschlag er denn wolle, beantwortete der Manager nicht konkret. Er wies nur darauf hin, dass der Aufschlag dem Gesetz zufolge nicht höher ausfallen dürfte als 17 Prozent.
Bundesnetzagentur weist Kritik zurück
Finanzvorständin Melanie Kreis betonte den hohen Investitionsbedarf, den DHL auf ihrem Nachhaltigkeitskurs für den Ausbau ihrer Elektroflotte und andere Maßnahmen brauche. Aus dem unlängst novellierten Postgesetz leite sich eine deutlich höhere Preiserhöhung ab. Mit Blick auf die 10,5 Prozent sagte sie: "Es ist mathematisch sehr, sehr klar, dass wir damit nie auf diese Größenordnung kommen, die im Postgesetz politisch gewollt war."
Bei der Bundesnetzagentur rief die Wortmeldung des Managements Unverständnis hervor. "Wir können die Kritik der Post nicht nachvollziehen", sagte ein Sprecher der Bundesnetzagentur. "In der Kostenbasis werden wegen der Inflation gestiegene Kosten berücksichtigt und anerkannt - es gibt keine Lücke bei der Inflationsbetrachtung."
Konjunktur macht DHL zu schaffen
Derzeit laufen die Geschäfte des Post-Konzerns DHL schlechter als er angenommen hatte, seine Jahresprognose musste er jüngst nach unten korrigieren. Dem global tätigen Logistiker macht die schwache Konjunktur zu schaffen. In den ersten neun Monate dieses Jahres sank das operative Ergebnis von 4,7 Milliarden auf 4,0 Milliarden Euro. Ende Oktober hatte der Konzern bereits Eckdaten vorgelegt.
Gründe für die negative Entwicklung sind Firmenangaben zufolge ein weniger lukratives Frachtgeschäft und ein deutlich schwächeres Briefgeschäft. Im Internetzeitalter sinkt die Briefmenge seit langem, weil die Menschen und Firmen stärker auf digitale Kommunikation setzen. Im dritten Quartal sackte das Volumen der Werbepost in Deutschland um 18,9 Prozent ab. Die Paketmenge stieg zwar, das konnte die gestiegenen Material- und Personalkosten sowie die Einbußen im Briefgeschäft aber nicht ausgleichen. Auch die Anzahl von normalen Briefen sank, wenngleich nur um 2,9 Prozent.