Wirtschaft

Teuerung: Experten erwarten erneuten Anstieg der Inflation und somit der Verbraucherpreise

EZB-Chefin Christine Lagarde hat zuletzt den Leitzins erneut gesenkt. Dem entgegen sprechen die neusten Prognosen weltweiter Wirtschaftsexperten: Sie rechnen weiterhin mit hohen und stagnierenden Inflationsraten bis 2027. In Deutschland werden dieses Jahr noch 2,4 Prozent erwartet – und damit eine erneute Verteuerung der Verbraucherpreise. Kommt es in Deutschland aufgrund der schwachen Wirtschaft und den steigenden Arbeitslosenzahlen bald zu einer Stagflation?
24.10.2024 11:52
Lesezeit: 3 min

Im September lag die Inflationsrate in Deutschland laut Statistischem Bundesamt bei 1,6 Prozent – der niedrigste Wert seit mehr als drei Jahren. Ein weiterer Rückgang wird nicht erwartet, denn die Inflationsraten zeigen wieder nach oben: Wirtschaftsexperten aus aller Welt rechnen weiterhin mit Inflationsraten über den Zielen der Zentralbanken. Das geht aus dem Economic Experts Survey hervor, einer vierteljährlichen Umfrage des ifo Instituts und des Instituts für Schweizer Wirtschaftspolitik.

ifo: Inflationsraten sollen wieder steigen

„Auch in der mittleren Frist wird eine Inflation über dem Ziel der Europäischen Zentralbank von zwei Prozent erwartet“, sagt ifo-Forscher Niklas Potrafke. „Aufgrund dieser stagnierenden Inflationserwartungen könnten sich die Zentralbanken mit weiteren Zinssenkungen zurückhalten.“

Prognose: Erneuter Anstieg der Verbraucherpreise

Demnach werden in Deutschland noch dieses Jahr 2,4 Prozent erwartet, in der Eurozone 2,6 Prozent. Weltweit könnte die Inflation sogar 4,0 Prozent erreichen. „Anders als im vorherigen Quartal gehen die Teilnehmer für 2024 nicht mehr von weiter rückläufigen Inflationsraten aus“, sagt Potrafke.

In Westeuropa (2,5 Prozent) und Nordamerika (2,7 Prozent) liegen die Inflationserwartungen für 2024 deutlich unter dem weltweiten Durchschnitt. Die Erwartungen für 2024 fielen im Vergleich zur Umfrage im 2. Quartal um 0,1 bzw. 0,4 Prozentpunkte.

Inflationsentwicklung: Ausblick 2025 – 2027

Im kommenden Jahr werden weltweit Inflationsraten von 3,9 Prozent erwartet und 2027 von 3,6 Prozent. Für Deutschland erwarten die Experten 2025 einen Anstieg der Verbraucherpreise um 2,3 Prozent und für 2027 noch 2,2. Für Westeuropa sehen die Experten die Inflation 2027 bei 2,1 Prozent und 2,4 Prozent für Nordamerika.

In den anderen Teilen Europas liegen die Inflationserwartungen für 2027 höher: Nordeuropa 2,7, Südeuropa 3,0 und Osteuropa 5,9 Prozent. Zu den Regionen mit besonders hohen Inflationserwartungen von über 20 Prozent zählen Südamerika und weite Teile Afrikas.

Das Münchner Ifo-Institut und das Institut für Schweizer Wirtschaftspolitik hatten im September und Oktober 1.514 Expertinnen und Experten aus 119 Ländern befragt.

Wie wird die Inflation berechnet?

Eine Inflation bezeichnet den Anstieg des Preisniveaus: Die Verbraucherpreise erhöhen sich dabei über einen längeren Zeitraum. Das bringt eine Geldentwertung mit sich: Die Kaufkraft des Geldes nimmt ab. Die Inflation wird anhand der Inflationsrate ermittelt: Sie zeigt, in welchem Umfang Preise für Waren und Dienstleistungen in einem festgelegten Zeitraum gestiegen sind.

Die Inflationsrate wird in Deutschland vom Statistischen Bundesamt berechnet – mithilfe des Verbraucherpreisindex (VPI). Der VPI misst monatlich die durchschnittliche Preisentwicklung aller Waren und Dienstleistungen, die private Haushalte in Deutschland konsumieren. Die Veränderung des Verbraucherpreisindex zum Vorjahr wird als Inflationsrate bezeichnet.

Zur Berechnung der Inflationsrate wird ein fiktiver Warenkorb herangezogen, der stellvertretend für den Bedarf der privaten Haushalte mehr als 650 Güterarten umfasst – von Nahrungsmitteln über Bekleidung bis hin zu Ausgaben für Wohnung und Freizeit. Mit welcher Gewichtung sie in den Gesamtindex einfließen, ist im Wägungsschema festgehalten.

Welche Rolle spielt die Zentralbank?

Aufgabe der Europäischen Zentralbank (EZB) ist es, im Euroraum stabile Preise zu gewährleisten. Sie strebt an, dass die Inflationsrate niedrig, stabil und berechenbar bleibt – idealerweise mittelfristig bei zwei Prozent. Ihr wichtigstes geldpolitisches Instrument ist der Leitzins. Er bestimmt, zu welchen Konditionen Banken bei der Zentralbank Geld leihen oder anlegen können. Weicht die Inflation vom Zwei-Prozent-Ziel ab, reagiert die EZB gewöhnlich mit Leitzinsänderungen: Eine zu hohe Inflationsrate wird mit Zinserhöhungen, eine zu niedrige Inflationsrate mit Zinssenkungen bekämpft.

Wächst zusätzlich zur Inflation die Wirtschaft nicht oder nur wenig und steigt die Arbeitslosigkeit, befindet sich das Land in einer Stagflation.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Panorama
Panorama Wandel im Vaping-Markt: Nachhaltigkeit und Kostendruck treiben Wechsel zu Mehrwegsystemen

Der Markt für E-Zigaretten durchlebt eine tiefgreifende Transformation. Lange Zeit galten Einweg-Vapes, popularisiert durch Marken wie Elf...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Inflation steigt nach Ende des Tankrabatts auf 2,8 Prozent
30.07.2026

Der Tankrabatt ist ausgelaufen, der Iran-Krieg hält an: Für Verbraucher in Deutschland sind das schlechte Vorzeichen. Im Juli zog die...

DWN
Finanzen
Finanzen Meta-Aktie unter Druck: Wall Street zweifelt an Zuckerbergs KI-Offensive
30.07.2026

Mark Zuckerberg setzt bei Meta weiter auf große KI-Visionen. Doch an der Börse wächst die Skepsis: Trotz ambitionierter Pläne für...

DWN
Unternehmen
Unternehmen ZF verdient wieder Geld – doch die Last bleibt
30.07.2026

ZF schreibt nach zwei Verlustjahren wieder schwarze Zahlen und bestätigt seine Jahresziele. Doch fast zehn Milliarden Euro Schulden,...

DWN
Technologie
Technologie EU startet Milliardenprojekt für sieben KI-Gigafactories
30.07.2026

Knapp 10 Milliarden Euro Fördermittel stehen bereit – wer setzt sich im Rennen um Europas KI-Zukunft durch? Die Telekom, Schwarz Digits...

DWN
Finanzen
Finanzen MiCA-Regeln greifen: Warum Krypto-Anleger ihre Börse jetzt überprüfen sollten
30.07.2026

Seit dem 1. Juli gelten in der EU deutlich strengere Regeln für Krypto-Dienstleister. Wer europäischen Kunden Kryptohandel, Verwahrung...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Bahn macht wieder Gewinn: Doch das Chaos bleibt
30.07.2026

Die Deutsche Bahn erzielt wieder einen Gewinn – doch der Erfolg täuscht über die größten Baustellen des Konzerns hinweg. Marode...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Analyse: Der Aktiencrash in Russland spiegelt die desolate Wirtschaftslage wider
30.07.2026

Während die Aktienkurse in weiten Teilen der Welt während des russischen Krieges gegen die Ukraine stark gestiegen sind, hat sich in...

DWN
Finanzen
Finanzen Adidas-Aktie: Ergebnis enttäuscht
30.07.2026

Die Adidas-Aktie gerät nach den Quartalszahlen massiv unter Druck, obwohl der Sportartikelhersteller seine Umsatzprognose anhebt. Höhere...