Wirtschaft

DWN-Sonntagskolumne: How to get rich? Warum Sie mit Arbeit alleine nicht reich werden!

„Either you work for your money, or your money works for you“ - angeblich stammt dieses Zitat von US-Bankier Bernard Baruch. Entweder Sie arbeiten für Ihr Geld, oder Ihr Geld arbeitet für Sie. Damit ist eigentlich schon fast alles gesagt, meint DWN-Gastautor Prof. Dr. Ulrich Seibert.
10.11.2024 13:43
Lesezeit: 3 min
DWN-Sonntagskolumne: How to get rich? Warum Sie mit Arbeit alleine nicht reich werden!
Reich werden? 5 realistische Wege zum Wohlstand, die funktionieren (Foto: dpa).

Zunächst einmal: Mit eigener Arbeit, insbesondere als Arbeitnehmer, kann man in der Regel nicht reich werden. Thomas Piketty (Das Kapital) und andere kritisieren dies, aber das ist ein Missverständnis: Löhne und Gehälter sind nicht dafür gedacht, einen reich zu machen. Es wäre gesamtwirtschaftlich absurd, wenn Millionen von Lehrern, Krankenschwestern und Büroangestellten durch ihre Gehälter reich würden. So sehr wir ihnen das gönnen. Löhne und Gehälter sind so bemessen, dass man damit seine Grundbedürfnisse decken kann: Miete, Lebensmittel, eine Waschmaschine, gelegentliche Urlaube und Restaurantbesuche. Reichtum ist nicht das Ziel.

Das zeigt sich auch an den „Reichen-Listen“, die in Magazinen veröffentlicht werden: Fast ausschließlich handelt es sich um unternehmerisches Vermögen. Nur selten wird jemand durch eine Karriere als Künstler, Entertainer oder Sportler reich.

Reich werden - wie geht das?

Nun, wie ist es, wenn mein Geld für mich arbeitet? Das Problem ist, dass man dafür zunächst einmal Geld braucht. Wenn ich meine monatlichen Einkünfte für Miete, Windeln usw. ausgebe und nichts übrigbleibt, um zu investieren, kann mein Geld auch nicht für mich arbeiten. Das ist bitter, da man von den vergangenen Jahren der „Asset Inflation“ (also den durch lockeres Zentralbankgeld aufgeblähten Preisen von Vermögenswerten wie Aktien und Immobilien) nicht profitiert hat. „The rich invest their money and spend what is left; the poor spend their money and invest what is left.“ – Jim Rohn.

Ich werde häufig von Freunden gefragt: „Wie wird man reich?“ Nach längerem Überlegen habe ich fünf Antworten darauf:

  1. Erbschaft
  2. Heirat
  3. Gründung eines Unternehmens mit hohem Skaleneffekt
  4. Immobilieninvestments mit hohem Leverage
  5. Über 40 Jahre hinweg konsequente Investitionen in die besten Aktien der Welt.

Erbschaft

Oft sehe ich bei dieser Antwort traurige Gesichter, die an ihre lieben Eltern denken, und höre Fragen wie: „Kennst du jemanden, der mich adoptieren würde?“ Nein, fällt mir gerade keiner ein. Hier tut sich durch die demografische Entwicklung auch ein sehr unschönes Problem auf: da die Vermögensträger immer älter werden, fällt die Erbschaft häufig erst an, wenn die Erben über 60 sind. Das ist ähnlich wie das Prinz-Charles-Syndrom etwas frustrierend.

Heirat

Hier stößt man auf ähnliche Probleme. Wirklich vermögende Partner sind schwer zu finden. Besonders in Berlin. Ich werde oft gefragt, ob ich jemanden kenne, den ich vorstellen könnte – leider schwierig. Zudem führt die Heirat allein nicht zwingend zu Reichtum, es sei denn, man kombiniert sie mit Nummer 1: Erbschaft.

Unternehmensgründung mit hohem Skaleneffekt

Einleuchtend ist, dass es nicht zielführend ist, ein einzelnes Nagelstudio zu eröffnen und dort selbst zu arbeiten. Um richtig reich zu werden, braucht man hunderte von Nagelstudio-Filialen und einen starken Skalierungseffekt. Konkrete Tipps, was man gründen sollte, habe ich allerdings auch nicht für jeden.

Immobilien

Ein grundsätzlich guter Ansatz, aber mit Risiken verbunden. Immobilien sind immobil und bei Problemen kann man sie nicht einfach mitnehmen oder veräußern. Hoher Leverage ist erforderlich, und das birgt die Gefahr steigender Zinsen oder ausbleibender Mieterträge. Das haben einige Investoren in der letzten Zeit leidvoll erfahren müssen.

Langfristige Aktieninvestitionen

Der risikoärmste Ansatz ist Nummer 5: 40 Jahre lang alles investieren, was man erübrigen kann, und zwar in die besten Aktien der Welt. Viele lehnen dies ab, da es ihnen zu lange dauert, besonders Frauen sagen oft: „Ich will lieber jetzt reich sein als in 40 Jahren.“ Ein Trugschluss, denn das Geld braucht man vor allem im Alter. Wenn man jung ist, kann man sich auch ganz gut mit wenig Geld amüsieren. Warren Buffett sagt zu Recht: „Money needs time“. Der Zinseszinseffekt entfaltet seine volle Wirkung erst nach etwa 20 bis 25 Jahren. Auch Buffett selbst verdiente den Großteil seines Vermögens durch sehr langfristiges Halten von Aktien wie Coca-Cola – nicht durch kurzfristiges Traden. Es dauerte Jahre, bis der Effekt richtig wirkte. Eine Dame erwiderte darauf: „Money has no age“. Auch eine kluge Bemerkung, möglicherweise meinte sie aber: Je mehr Geld einer hat, desto weniger spielt das Alter eine Rolle.

Wie dem auch sei. Es bleibt meine persönliche Empfehlung: Nummer 5 ist der risikoärmste Weg. Aktien gelten zwar als „Risikokapital“, aber das ist ein Missverständnis. Bei einer breiten, globalen Streuung – insbesondere in amerikanische Aktien – ist der Aktienmarkt über viele Jahre der am wenigsten riskante Markt von allen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Finanzielle Freiheit braucht einen starken Partner

Vermögen eröffnet Möglichkeiten – und bringt zugleich Entscheidungen mit sich: Wie lässt sich das Erreichte bewahren, gezielt...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

avtor1
Prof. Dr. Ulrich Seibert

                                                      ***

Prof. Dr. Ulrich Seibert ist Jurist und Honorarprofessor für Wirtschaftsrecht an der Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf. Als ehemaliger Leiter des Referats für Gesellschaftsrecht, Unternehmensverfassung und Corporate Governance im Bundesministerium der Justiz hat er bis 2020 maßgeblich an zahlreichen Reformen im Gesellschaftsrecht mitgewirkt. Mit über 200 veröffentlichten Aufsätzen zählt er zu den renommierten Experten auf diesem Gebiet.

DWN
Finanzen
Finanzen Geldvermögen: Haushalte so reich wie nie - Rekordsumme ungleich verteilt
29.09.2026

Das weltweite Geldvermögen erreicht laut Allianz ein Rekordhoch. Doch der Zuwachs kommt bei Milliarden Menschen nicht an. Die Unterschiede...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Funflation: Warum selbst der Spaß immer teurer wird
29.09.2026

Urlaub, Restaurant oder Hobby: Wer seine Freizeit genießen will, muss immer tiefer in die Tasche greifen. Eine Analyse der Bank of America...

DWN
Politik
Politik Kippt der Länderfinanzausgleich? Union droht bei Linksregierung mit Geldentzug
29.09.2026

Nach dem Wahlsieg der Linkspartei in Berlin könnte diese bald die Regierung anführen. Die CDU- und CSU-geführten Bundesländer drohen...

DWN
Finanzen
Finanzen Reicher Westen, armer Osten: Enorme Vermögensungleichheit verschärft sich 2025
29.09.2026

Am 36. Jahrestag der Wiedervereinigung herrschen enorme Unterschiede bei der Vermögensverteilung: Alleine im Jahr 2025 entfielen 95...

DWN
Politik
Politik Deutschland vergreist: Kinderwunsch sinkt – das sind die Folgen
29.09.2026

In Deutschland sinkt nicht nur kontinuierlich die Geburtenrate, sondern erstmals seit vielen Jahren sogar auch der Wunsch nach eigenen...

DWN
Finanzen
Finanzen Lateinamerika-Aktien: Das Comeback, das kaum jemand auf dem Radar hat
29.09.2026

Jahrelang mieden Anleger Lateinamerika, nun schlägt die Region sogar den S&P 500. Rohstoffe, Banken und überraschend niedrige Bewertungen...

DWN
Politik
Politik Personalie Jens Spahn: Doch kein Comeback im Haushaltausschuss
29.09.2026

Der Skandal um die Leihmutterschaft kostete Jens Spahn seinen Posten an der Spitze der CDU‑Fraktion. Im Haushaltsausschuss wollte er...

DWN
Finanzen
Finanzen Ich habe zweimal in einem Jahr die Bank gewechselt: So viel habe ich gespart
29.09.2026

Im vergangenen Jahr habe ich zweimal die Bank gewechselt. Das brachte Ärger, Fehler und Verzögerungen, aber auch eine spürbare Ersparnis...