Immobilien

Energieeffizienz im Immobilienmarkt: Was sagen künftige Vermieter und Eigentümer?

Mit dem vor Kurzem eingetretenen Gebäudeenergiegesetz und den neu beschlossenen EU-Gebäuderichtlinien ist Energieeffizienz ein besonders heißes Thema für Kaufinteressenten im Immobilienmarkt. Wie wirkt sich die Energiebilanz aktuell beim Kauf einer Wohnimmobilie aus und wie stark beeinflusst sie die Preisverhandlungen? Wollen potenzielle Käufer überhaupt noch unsanierte Immobilien kaufen und sich selbst um eine oft kostspielige energetische Sanierung kümmern?
30.11.2024 06:03
Aktualisiert: 01.01.2030 00:00
Lesezeit: 3 min
Energieeffizienz im Immobilienmarkt: Was sagen künftige Vermieter und Eigentümer?
Schlechte Karten für Verkäufer durch schlechte Energiebilanz der Immobilie? (Foto: dpa) Foto: Sascha Steinach

Das umstrittene Gebäudeenergiegesetz ist Anfang 2024 in Kraft getreten. Das Gesetz soll durch einen allmählichen Austausch von Öl- und Gasheizungen schrittweise für mehr Klimaschutz im Gebäudebereich sorgen, der den Klimazielen noch hinterherhinkt. Vor diesem Hintergrund achten Kaufinteressenten natürlich stark auf die Effizienzklassen von Immobilien. Doch wie wichtig ist die Energiebilanz einer Immobilie mittlerweile auf dem deutschen Immobilienmarkt?

Laut einer repräsentative Umfrage von Online-Immobilienanbieter Immowelt hat die Energieeffizienz einer Immobilie aktuell einen ähnlichen Stellenwert wie die Lage der Immobilie. „Käufer möchten hohe Folgekosten durch Sanierungen vermeiden, weshalb unsanierte Immobilien zukünftig schwerer zu verkaufen sein werden“, kommentierte Piet Derriks, Geschäftsführer von Immowelt. Auch wird eine schlechten Energiebilanz als Argument für einen Verkaufspreisnachlass in Verhandlungen benutzt – Sanierungs- und Modernisierungskosten müssen in den finalen Kaufpreis eingeplant werden, argumentieren Käufer.

Scharfes Auge auf Energieeffizienz bei Eigennutzern, Investoren weniger strikt

Der Umfrage zufolge achten neun von zehn Kaufinteressenten (91 Prozent), die im nächsten Jahr eine Immobilie kaufen möchten, gezielt auf die Energieeffizienz einer Immobilie. Bei 35 Prozent der geplanten Immobilienkäufe ist eine schlechte Energiebilanz sogar ein „No-Go“: Interessenten wollen nur Immobilien besichtigen, die energetisch schon auf einem guten Niveau sind.

Während viele potenzielle Käufer eine Immobilie mit schlechter Energiebilanz vermeiden, gibt es jedoch deutliche Unterschiede, je nach Kaufmotiv. Eigennutzer haben höhere Ansprüche, während Investoren weniger strikt sind. Laut der Umfrage würden 40 Prozent der Befragten, die eine Immobilie für den Selbstbezug kaufen möchten, Angebote mit schlechter Energieeffizienz gar nicht erst besichtigen. Unter Investoren, die ein Vermietungsobjekt suchen, gaben dagegen nur 26 Prozent an, dass sie sanierungsbedürftige Immobilien von vornherein ausschließen würden.

Schlechter Energiebilanz drückt den Endkaufpreis

Bei Immobilien mit schlechterer Energieeffizienz müssen Verkäufer über einen möglichen Preisnachlass verhandeln. „Rund 41 Prozent der Kaufinteressenten, die in den kommenden zwölf Monaten ein Objekt erwerben wollen, würden auch Immobilien mit schlechterer Energieeffizienz in Betracht ziehen. Allerdings würden sie diesen Umstand auch in ihre Kaufentscheidung einfließen lassen und möglicherweise gegen andere Kriterien wie Lage, Schnitt und Größe abwägen“, so die Ergebnisse der Immowelt-Umfrage.

In 14 Prozent der Fälle planten Interessenten, die in im nächsten Jahr kaufen wollen, die schlechte Energiebilanz und bevorstehenden Modernisierungskosten als Argumente in den Preisverhandlungen zu nutzen.

Hintergrund: Durchschnittskosten für Energiesanierungen im Jahr 2024

Im Durchschnitt haben Immobilienbesitzer in Deutschland im Jahr 2024 37.000 Euro für Energiesanierungen ausgegeben, so eine separate Immowelt-Analyse im Oktober. Mehr als jeder Zweite hat Förderungen in Anspruch genommen, um die finanzielle Last zu tragen: Ungefähr 31 Prozent dieser Förderungen fanden im Rahmen von direkten Zuschüssen statt, während 13,9 Prozent dagegen vergünstigten Darlehen geschuldet waren. Die häufigsten Sanierungs-Maßnahmen waren Dämmung und Fenster-oder Heizungstausch.

Gebäudeenergiegesetz: Einige wichtige Details

Das Gebäudeenergiegesetz – auch inoffiziell Heizungsgesetz genannt – gilt zunächst vor allem in Neubaugebieten. Viele Regelungen werden jedoch erst in den kommenden Jahren in Kraft treten. Grundsätzlich sollen Heizungen künftig zunächst mit einem Anteil von mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energie betrieben werden. Funktionierende Heizungen können aber weiter laufen und bei Bedarf auch repariert werden.

Gas und Ölheizungen: Der Einbau von Gasheizungen ist auch nach 2024 erlaubt – wenn sie wasserstofftauglich sind, also später umgerüstet werden können. Auch eine verpflichtende Beratung ist vorgesehen. Dabei soll vor allem auf die erwartete Kostensteigerung für Gasheizungen wegen der ab 2028 kommenden Aufschläge im Rahmen des CO2-Zertifikatehandels hingewiesen werden.

Weiter wird für die Wärmewende in Deutschland eine verpflichtende und flächendeckende Wärmeplanung eingeführt. Diese muss in Kommunen über 100.000 Einwohnern ab 2026 und für die restlichen Gemeinden ab 2028 vorliegen. Auch gibt es verschiedene Förderprogramme, die finanzielle Unterstützung für private Haushalte und Unternehmen anbieten.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie Brady TwinLead: Wenn das Etikett plötzlich mitdenkt

Ein Etikett bleibt am Produkt, doch die Informationen dahinter können sich verändern. Mit TwinLead verbindet Brady physische...

Vera von Lieres

Vera von Lieres gehört seit September 2022 zum DWN-Team und schreibt als Redakteurin über die Themen Immobilien und Wirtschaft. Sie hat langjährige Erfahrung im Finanzjournalismus, unter anderem bei Reuters und führenden Finanzmedien in Südafrika. Außerdem war sie als Kommunikations- und Marketing-Spezialistin bei internationalen Firmen der Investment-Branche tätig.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Wall Street gibt wegen schwacher Chip-Aktien nach
13.10.2026

Erfahren Sie, welche überraschenden Entwicklungen die Wall Street heute bewegt haben.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Russland erzielt mit Europas Energiekäufen Einnahmen von rund 322 Milliarden Euro
13.10.2026

Europa will seine Energieabhängigkeit von Russland beenden. Doch trotz Sanktionen fließt weiterhin eine große Menge Kapital nach Moskau....

DWN
Finanzen
Finanzen Rente 2026: Fast 2.000 Euro? Für die meisten ein Traum – 5 Zahlen zeigen die Realität
13.10.2026

Die Politik verweist auf ein stabiles Rentenniveau und knapp 2.000 Euro Standardrente. Doch amtliche Zahlen zeigen: Das ist ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Deutschland baut neue Bahnstrecke von Hamburg nach Hannover – aber erst 2050
13.10.2026

Überlastete Strecke: Zwischen Hamburg und Hannover fahren täglich rund 200 Güterzüge, dazu ICE- und Regionalzüge. Staus und...

DWN
Politik
Politik Iran-Krieg: Hat Trump den größten Fehler der USA begangen?
13.10.2026

Donald Trump wollte Iran in die Knie zwingen. Stattdessen gerät die amerikanische Supermacht selbst unter Druck. Der Krieg verschlingt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Präsentismus: Wenn Mitarbeiter trotz Krankheit arbeiten 
13.10.2026

Mit Halskratzen aufgewacht und dennoch zur Arbeit gegangen, „weil es ja nicht so schlimm ist“. Viele Beschäftigte neigen dazu, trotz...

DWN
Finanzen
Finanzen Nel ASA-Aktie hebt ab: Kooperation mit Rheinmetall bei E-Fuels treibt Pennystock nach oben
13.10.2026

Nel ASA und Rheinmetall wollen bei dezentraler Produktion synthetischer Kraftstoffe zusammenarbeiten. Die norwegische Wasserstoff-Aktie...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Stellenabbau in Deutschland: Angebot an Zeitarbeit schrumpft
13.10.2026

Früher war Zeitarbeit ein boomendes Geschäft: 2017 arbeiteten noch mehr als eine Million Deutsche als Zeitarbeiter. Heute kämpft...