Politik

Bargeld horten: Russland verunsichert Europa

Angst vor Cyberangriffen, Stromausfällen und Zahlungssystem-Ausfällen: Europa bereitet sich auf mögliche Krisen vor. Nun empfehlen Länder wie die Niederlande und Norwegen ihren Bürgern, Bargeld für den Notfall bereitzuhalten – ein Signal, das auch in Deutschland für Aufmerksamkeit sorgt. Warum raten Regierungen zu dieser Vorsorge, und wie groß ist die Gefahr wirklich?
20.12.2024 09:29
Aktualisiert: 20.12.2024 09:29
Lesezeit: 2 min

Europa rät zu Bargeldreserven: Vorbereitung auf Krisenszenarien

Angesichts des andauernden Kriegs zwischen Russland und der Ukraine wächst in Europa die Sorge vor einer Eskalation. Mehrere Länder haben inzwischen ihre Bevölkerung aufgerufen, Bargeld für Notsituationen bereitzuhalten. Zuletzt hat der niederländische Bankenverband (NVB) Verbrauchern empfohlen, Bargeld zu Hause zu lagern. Als Grund wurden „zunehmende geopolitische Spannungen weltweit“ genannt. Ein Sprecher der NVB betonte jedoch, dass die Banken auf Cyberangriffe „sehr gut vorbereitet“ seien und Kundengelder sicher blieben. Dennoch sei es ratsam, für Störungen in der Zahlungsinfrastruktur vorzusorgen.

Niederlande: Regierung und Banken schlagen Alarm

Auch der niederländische Verteidigungsminister Ruben Brekelmans warnte vor möglichen Angriffen auf kritische Infrastruktur wie Strom- und Wassernetze. Er rief die Bevölkerung dazu auf, sich auf „alle möglichen Kriegsszenarien“ vorzubereiten. Dabei gehe es vor allem darum, für den Ausfall von Internet, Strom und Wasser gewappnet zu sein. „Der Zahlungsverkehr könnte zeitweise nicht funktionieren“, erklärte Brekelmans. Es ist das erste Mal, dass niederländische Banken eine solche Empfehlung abgeben.

Skandinavien: Bargeld als Sicherheitsnetz

In Skandinavien gibt es ähnliche Empfehlungen bereits länger. Norwegen warnte im Frühjahr, dass sich die ausschließliche Nutzung digitaler Zahlungsmittel negativ auf die gesellschaftliche Resilienz auswirken könne. Die Regierung empfahl, Bargeld für den Fall von Strom- oder Systemausfällen bereit zu halten. In Schweden wurden im November Broschüren verteilt, die über das Verhalten in Krisensituationen informierten. Darin hieß es, man solle „genügend Bargeld für mindestens eine Woche“ in verschiedenen Stückelungen aufbewahren. Auch bei einer Evakuierung sei Bargeld von Bedeutung.

Deutschland: Kein konkreter Appell

In Deutschland gibt es bisher keinen ausdrücklichen Aufruf, Bargeld für Krisensituationen zu horten. Der „Ratgeber für Notfallvorsorge“ des Bundesamtes für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) empfiehlt jedoch, eine ausreichende Bargeldreserve im Haus zu haben. Grund dafür sei die Möglichkeit, dass Geldautomaten bei einem Stromausfall nicht funktionieren.

Einer Studie der Deutschen Bundesbank zufolge hielten deutsche Haushalte im Jahr 2018 durchschnittlich 1364 Euro in bar zu Hause oder in Bankschließfächern. Im Geldbeutel befanden sich durchschnittlich 107 Euro. Vor allem ältere Menschen, Selbständige und Besserverdiener bewahrten höhere Bargeldbeträge auf. Trotz eines generellen Trends zur Digitalisierung gilt Bargeld in Deutschland weiterhin als wichtig.

Russland und die Bedrohung der Zahlungsinfrastruktur

Hintergrund der aktuellen Empfehlungen sind Befürchtungen, Russland könnte durch Angriffe auf die Infrastruktur Chaos auslösen. Länger andauernde Stromausfälle, Cyberattacken oder Störungen der Wasserversorgung könnten den Zahlungsverkehr erheblich beeinträchtigen. In den Niederlanden und Skandinavien sieht man sich gezwungen, solche Szenarien ernst zu nehmen und die Bevölkerung darauf vorzubereiten.

Deutschland hat sich bislang mit allgemeinen Hinweisen begnügt, während andere europäische Staaten proaktiv reagieren. Die Debatte über die Notwendigkeit von Bargeldreserven könnte jedoch auch hier an Fahrt aufnehmen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Der Europäische Online-Glücksspielmarkt: Wachstum, Regulierung Und Konsolidierung 2026

Wenige Branchen wachsen in Europa derzeit so beständig wie das Online-Glücksspiel, und noch weniger tun das bei einem derart...

DWN
Panorama
Panorama Freundschaften stärken psychische und körperliche Gesundheit
15.08.2026

Enge Beziehungen wirken sich laut einer internationalen Studie positiv auf die mentale Gesundheit aus. Auch die Kindheit spielt eine Rolle...

DWN
Panorama
Panorama Mariä Himmelfahrt: Riesige Marienstatue wird in Polen eingeweiht
15.08.2026

In einem Dorf in Polen wird am 15. August eine gigantische Marienfigur eingeweiht. Gestiftet hat sie einer der reichsten Männer des...

DWN
Politik
Politik Landtagswahl Sachsen-Anhalt: Das sind die Spitzenkandidaten
15.08.2026

Wer tritt bei der Landtagswahl in Sachsen-Anhalt als Spitzenkandidat an? Ein Überblick über die wichtigsten Köpfe und ihre Ziele.

DWN
Finanzen
Finanzen Adieu Frankreich, adieu Deutschland: Wohin Europas Reiche ziehen
14.08.2026

Politische Unsicherheit, hohe Steuern: Das sind die wichtigsten Gründe, warum Reiche die zwei stärksten Länder Europas verlassen. Wohin...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Sandisk und Reddit glänzen trotz wachsender Konjunktursorgen
14.08.2026

Erfahren Sie, welche Dynamiken die Wall Street bewegen und warum ausgewählte Einzelwerte den trüben Konjunktursignalen trotzen.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft BMW-Werk Dingolfing rüstet auf für den entscheidenden Kampf um die Autozukunft
14.08.2026

Tausende Roboter, 280.000 Autos im Jahr und eine neue Batteriefabrik sollen BMWs größten europäischen Produktionsstandort zukunftsfähig...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Solarstrom-Produktion unter Druck: Wie sicher ist Deutschlands Stromnetz wirklich?
14.08.2026

Eine Sonnenfinsternis reicht aus, um Europas Solarstrom-Produktion binnen kurzer Zeit massiv zu drücken und die Strompreise nach oben...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Volvo ES90 im Test: Ein guter Grund, den Deutschen Lebewohl zu sagen?
14.08.2026

Der Volvo ES90 ist kein Elektroauto für Käufer, die möglichst günstig in die Premiumklasse einsteigen wollen. Doch wer Komfort,...