Wirtschaft

Schwarzarbeit in Deutschland: Fast 500 Milliarden Euro Umsatz

Seit 2021 steigt die Schwarzarbeit in Deutschland kontinuierlich an. Im vergangenen Jahr wurden geschätzte 433 Milliarden Euro schwarz erwirtschaftet, dieses Jahr soll der Wert nach einer Prognose des Instituts für Angewandte Wirtschaftsforschung in Tübingen (IAW) auf 481 Milliarden Euro und damit nochmals um 8,4 Prozent steigen.
04.01.2025 11:02
Lesezeit: 3 min

Schwarzarbeit boomt in Deutschland. Im Jahr 2023 betrug die gesamte Wirtschaftsleistung in Deutschland 4122 Milliarden Euro. Mit 433 Milliarden Euro durch Schwarzarbeit machte die illegale Beschäftigung damit ein gutes Zehntel der gesamten Wirtschaftsleistung aus. Nach Ansicht von Experten sind die Steigerungen in den letzten Jahren besonders durch die hohe Inflation zu erklären, da Menschen, die immer weniger Geld zur Verfügung haben, eher geneigt sind, sich durch eine illegale Tätigkeit etwas dazuzuverdienen.

Nach Einschätzungen von Ökonom Prof. Friedrich Schneider von der Uni Linz gibt es in Deutschland ca. 12 bis 15 Millionen Schwarzarbeiter. Wer schwarz arbeitet, bezahlt auf das erwirtschaftete Einkommen keine Steuern und Sozialabgaben. Die Mindereinnahmen für Staats- und Sozialkasse werden von Schneider auf ca. 46 bis 55 Milliarden Euro geschätzt.

Baugewerbe, Handwerksleistungen, Gaststättengewerbe und Haushaltshilfen sind Spitzenreiter

Besonders stark betroffen sei das Baugewerbe inklusive handwerklicher Reparaturleistungen sowie haushaltsnahe Dienstleistungen. Aber auch in der Pflege, im Hotel- und Gaststättengewerbe, im Speditions- und Transportgewerbe, der Landwirtschaft sowie bei Wach- und Sicherheitsdiensten macht sich Schwarzarbeit breit. Generell begünstigt wird Schwarzarbeit in Branchen, die wenig reguliert und überwacht sind, in denen es eine hohe Nachfrage nach preiswerten Dienstleistungen gibt und die in einem starken Wettbewerbsumfeld agieren mit geringen Margen.

Vor wenigen Wochen erst wurde bei einer großangelegten Razzia in Hessen und anderen Bundesländern ein Schwarzarbeiternetzwerk auf dem Bau ausgehoben. Vier Verhaftungen und 21 Ermittlungen gegen beteiligte Personen wegen Steuerhinterziehung und Hinterziehung von Sozialabgaben waren das Ergebnis. Der Schaden soll insgesamt ca. 36 Millionen Euro betragen.

Eine große bundesweite Untersuchung fand auch am 12. November im Speditions- Transport- und Logistikgewerbe statt. Insgesamt 6.500 Beschäftigte wurden von 3.000 eingesetzten Beamten zu ihrem Beschäftigungsverhältnis befragt. Hier ging es neben Schwarzarbeit auch um die illegale Beschäftigung von Ausländern, die Einhaltung des Mindestlohngesetzes und andere Gesetzesverstöße.

In 1.600 Fällen gab es Hinweise auf Verstöße, die weitere Untersuchungen nach sich ziehen. Direkt vor Ort wurden außerdem 130 Strafverfahren und 160 Ordnungswidrigkeitsverfahren eingeleitet.

Bei einer größeren Razzia in Bars und Läden in Leipzig Mitte Dezember, an der 180 Beamte beteiligt waren, wurden zahlreiche Verstöße gegen die Abgabenordnung und gegen ausländerrechtliche Bestimmungen sowie Verstöße gegen das Betäubungsmittelgesetz, das Waffengesetz und das Jugendschutzgesetz festgestellt.

Auch auf Weihnachtsmärkten wurden dieses Jahr Kontrollen durchgeführt. In Mainz und Umgebung wurden über 100 Beschäftigte überprüft und zahlreiche Verstöße festgestellt. Neben illegalem Aufenthalt in Deutschland stehen hier in 10 Fällen auch Straftaten wie das Veruntreuen und Vorenthalten von Arbeitsentgelt und Sozialversicherungsbetrug im Raum.

9 von 10 Haushaltshilfen arbeiten schwarz

Aber auch bei Haushaltshilfen steht die Schwarzarbeit hoch im Kurs. Nach einer Untersuchung des Instituts der deutschen Wirtschaft Köln (IW) arbeiten 91 Prozent der Haushaltshilfen in Deutschland schwarz. Nach Berechnungen des IW haben 2,87 Millionen Haushalte regelmäßig und 1,15 Millionen Haushalte gelegentlich eine Haushaltshilfe. Die Anzahl der gemeldeten Haushaltshilfen betrug 2024 jedoch nur 246.700 und damit nochmals 4,5 Prozent weniger als im Vorjahr. Der Umsatz bei der illegalen Beschäftigung in diesem Bereich soll nach der Untersuchung bei ca. 11 Milliarden Euro liegen. Er ist somit nochmals um 15 Prozent zum Vorjahr gestiegen.

Finanzkontrolle Schwarzarbeit führt Untersuchungen durch

Der Schaden von Schwarzarbeit für Wirtschaft und Gesellschaft ist groß. Durch das Schwarzarbeitsbekämpfungsgesetz ist deshalb geregelt, wie illegale Beschäftigungen bekämpft werden sollen. So ist beispielsweise in bestimmten Branchen vorgeschrieben, dass Arbeitnehmer Ausweise bei sich tragen müssen am Arbeitsplatz.

Die Überprüfung und Ausführung der Gesetzesbestimmungen obliegen der Finanzkontrolle Schwarzarbeit (FKS). Sie ist befugt, unangemeldete Kontrollen in Unternehmen durchzuführen, Unterlagen zu sichten und Zeugen zu befragen. Bei Gesetzesverstößen drohen Geldbußen und Verwarngelder, in schweren Fällen auch Freiheitsstrafen von bis zu 5 Jahren.

Nach Angaben der Finanzkontrolle Schwarzarbeit wurden 2023 insgesamt 42.631 Prüfungen in Deutschland durchgeführt und 101.423 Strafverfahren eingeleitet. Dabei wurden ca. 126 Millionen Euro Geldstrafen und Verwarngelder verhängt und ganze 11.849 Monate Freiheitsstrafen. Spitzenreiter war die Baubranche mit 10.947 Strafverfahren, gefolgt von Gastronomie und Hotellerie mit 10.357 und der Reinigungsbranche mit 3.427 Verfahren.

Wichtig zu wissen: Bei illegaler Schwarzarbeit machen sich nicht nur Unternehmen und Arbeitgeber schuldig, auch die Beschäftigten werden zur Rechenschaft gezogen. Wer beispielsweise als Beschäftigter seiner Ausweispflicht nicht nachkommt und diesen nicht bei sich führt, kann bereits ein Bußgeld von mehreren tausend Euro bekommen. Für Unternehmen sind in schweren Fällen bis zu 500.000 Euro Strafe fällig.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsen: Neuer Tiefstand an der Wall Street, Hoffnung auf Zinssenkungen erloschen
19.03.2026

Die US-Börsen beendeten den Handelstag am Donnerstag im roten Bereich, da sprunghaft gestiegene Ölpreise und restriktive Signale der...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Iran-Krieg und steigende Gaspreise: Braucht Deutschland eine nationale Gasreserve?
19.03.2026

Der Iran-Krieg treibt die Gaspreise nach oben, während Deutschlands Gasspeicher deutlich leerer sind als im Vorjahr. Wirtschaftsministerin...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Gastronomie in Deutschland: Insolvenzen erreichen Rekordniveau
19.03.2026

Steigende Preise, sinkende Nachfrage und wachsende Insolvenzen setzen Restaurants und Bars massiv unter Druck. Selbst staatliche...

DWN
Politik
Politik Zwischen Anspruch und Realität: Die Rückkehr der Kriegswirtschaft und das Erbe der Abrüstung
19.03.2026

Während des Kalten Kriegs gab es detaillierte Pläne für die deutsche Wirtschaft im Krisenfall, in den 1990ern wurden diese weitgehend...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Zinsentscheid: Europäische Zentralbank belässt Leitzins für die Eurozone unverändert – trotz Inflationsrisiken
19.03.2026

Mit dem aktuellen EZB-Zinsentscheid sendet die Notenbank ein klares Signal – vorerst keine Änderung beim EU-Leitzins. Doch steigende...

DWN
Finanzen
Finanzen DAX-Kurs aktuell mächtig unter Druck: Ölpreis sorgt für neue Unsicherheit – DAX rutscht weiter ab
19.03.2026

An der Börse aktuell dominieren Unsicherheit und Verluste: Der DAX-Kurs fällt deutlich, während der Ölpreis weiter steigt. Inflation...

DWN
Politik
Politik USA-Einreise: Kaution auf 15.000 Dollar ausgeweitet – diese 50 Länder sind betroffen
19.03.2026

Neue Hürden bei der USA-Einreise sorgen für Unsicherheit: Eine USA-Kaution von 15.000 Dollar wird für immer mehr Länder Pflicht. Doch...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilienförderung: Wie neue Bauförderungen die Deutschen zum Hausbau motivieren sollen
19.03.2026

Die Bundesregierung hat sich bezahlbares Wohnen mit Rotstift auf die Fahne geschrieben. Nach Erlass des Bauturbos sollen auch neue oder...