Wirtschaft

Ausbildung in Deutschland: Unbesetzte Plätze und verpasste Chancen für Jugendliche

Eine Studie zeigt, dass viele Jugendliche eine Ausbildung in Deutschland beginnen könnten, wenn sie mehr individuelle Unterstützung erhalten würden. Statt auf Praktika und Kurse angewiesen zu sein, könnten sie mit den richtigen Maßnahmen direkt in eine Ausbildung starten. Doch es gibt Herausforderungen – jährlich bleiben tausende Ausbildungsplätze unbesetzt.
19.01.2025 09:34
Lesezeit: 2 min
Ausbildung in Deutschland: Unbesetzte Plätze und verpasste Chancen für Jugendliche
Junge Menschen in Deutschland haben das Potenzial für eine direkte Ausbildung – mit mehr individueller Unterstützung könnten sie früher durchstarten. (Foto: iStock.com/monkeybusinessimages) Foto: monkeybusinessimages

Mit individueller Förderung und einem erweiterten Angebot könnten viele Jugendliche einer Studie zufolge früher eine Ausbildung in Deutschland beginnen, statt zunächst Praktika oder Kurse zu absolvieren. Dies ergab eine landesweite Umfrage unter Fachkräften, wie die Bertelsmann Stiftung mitteilte.

Jährlich nehmen demnach fast 250.000 Jugendliche an staatlich geförderten Maßnahmen teil, weil sie keinen Ausbildungsplatz finden. Ein großer Teil von ihnen könnte laut der Studie mit den passenden Programmen direkt eine Ausbildung in Deutschland aufnehmen.

Rund 1.540 Fachkräfte, die junge Menschen im Übergang von der Schule in den Beruf begleiten, wurden Ende 2024 im Auftrag der Bertelsmann Stiftung und der Deutschen Kinder- und Jugendstiftung befragt. Dazu zählten Mitarbeitende von Jobcentern, Berufsschulen, Bildungsträgern oder Einrichtungen der Jugendhilfe. Nach deren Einschätzung benötigen die Jugendlichen mehr individuelle Unterstützung beim Start in eine Ausbildung in Deutschland.

Ausbildung in Deutschland: Zehntausende Plätze bleiben unbesetzt

Im Jahr 2024 blieben fast 70.000 Ausbildungsplätze in Deutschland unbesetzt. Gleichzeitig nahmen fast 250.000 Jugendliche an Maßnahmen wie etwa Betriebspraktika teil, da sie nach der Schule keine Lehrstelle fanden oder ihnen wichtige Fähigkeiten fehlten. In dieser Übergangsphase sollen sie berufsbezogene Kenntnisse erwerben oder ihren Schulabschluss nachholen.

Knapp zwei Drittel der jungen Menschen hätten jedoch die Voraussetzungen, um sofort eine Ausbildung in Deutschland zu beginnen – ein Teil davon mit Begleitung, erklärten die befragten Fachkräfte. Genauer gesagt: Etwa ein Viertel der Jugendlichen könnte unmittelbar eine Ausbildung starten, wenn ein passender Platz für sie verfügbar wäre. Ein weiteres Drittel trauen die Fachleute zu, eine Azubi-Rolle zu übernehmen, wenn sie professionelle Unterstützung erhielten.

Nur rund ein Drittel der Jugendlichen im Übergangssektor würden von den bestehenden Angeboten wirklich profitieren, bilanzierte die Bertelsmann Stiftung. Das Potenzial der jungen Menschen müsse besser genutzt werden. So könnten auch die Fördermittel für die Jugendlichen, die die Unterstützung wirklich benötigen, gezielter eingesetzt werden, betonte die Deutsche Kinder- und Jugendstiftung.

Auch aus Sicht der Wirtschaft gibt es Verbesserungsbedarf

Für Unternehmen bedeutet jeder unbesetzte Ausbildungsplatz verlorenes Fachkräftepotenzial und ein Risiko für Wachstum und Wettbewerbsfähigkeit, erklärte die Deutsche Industrie- und Handelskammer. Daher sei es umso wichtiger, die Übergänge gezielt zu verbessern. Die Unternehmen engagieren sich bereits stark.

Aus Sicht des DIHK gibt es im Übergangssystem bereits Programme mit echtem Mehrwert. "Die Einstiegsqualifizierung ist ein solches Sprungbrett. Sie verbindet Unternehmen und potenzielle Auszubildende und schafft Perspektiven. Diese Programme müssen weiter gestärkt werden."

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Damit Sie sich auf Ihr Unternehmen konzentrieren können

Ein Unternehmen zu führen, bedeutet, täglich Verantwortung zu übernehmen und Entscheidungen zu treffen. Gleichzeitig soll möglichst...

DWN
Politik
Politik Winterzeit, Tankrabatt, Bahnhöfe: Was sich im Oktober ändert
29.09.2026

Die Sommerzeit endet schon wieder und das Alkoholverbot an Bahnhöfen kommt - ein Blick auf die Neuerungen im Oktober.

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mercedes GLC im Test: Elektrisch ist er endlich so, wie er sein muss
29.09.2026

Der elektrische Mercedes GLC 400 4Matic bringt fast 500 PS, viel Komfort, hohe Ladeleistung und einen überraschend moderaten Verbrauch. Im...

DWN
Politik
Politik Klima-Transformation: Das steckt hinter dem Umbau der Stahlindustrie
29.09.2026

Weg von Kohle, hin zu Wasserstoff: Die deutsche Stahlindustrie steckt Milliarden in die Produktion von grünen Stahl. Doch die...

DWN
Politik
Politik Fachkräftemangel: Einwanderer 2025 in vielen Berufen unverzichtbar
29.09.2026

Mehr als ein Viertel aller Beschäftigten in Deutschland hat Wurzeln im Ausland. Besonders in Berufen, in denen händeringend Fachkräfte...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Frankreich Staatsverschuldung: Die nächste Gefahr für die Eurozone
29.09.2026

Frankreich galt lange als einer der politischen und wirtschaftlichen Pfeiler der Eurozone. Doch an den Anleihemärkten wächst die...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Märkte im Überblick: Wall Street schließt im Minus, während sich der Anleiheausverkauf fortsetzt
28.09.2026

Spannung an den Finanzmärkten: Erfahren Sie, welche entscheidenden Faktoren die Wall Street heute in Atem hielten.

DWN
Politik
Politik Geran-5: Wie die Ukraine auf Russlands schnelle Drohne reagiert
28.09.2026

Russlands schnelle Angriffsdrohnen stellen die ukrainische Luftverteidigung vor ein neues Problem. Während ältere Geran-5-Modelle...

DWN
Politik
Politik Europa schließt Fabriken und träumt von strategischer Autonomie
28.09.2026

Da es keine Antwort auf die heute und jetzt hohen Energiepreise gibt, zu denen auch die Politik der EU beigetragen hat, verkauft Ursula von...