Unternehmen

Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz: So stärken Führungskräfte das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter

Psychische Erkrankungen gelten laut dem DAK-Gesundheitsreport 2023 als der dritthäufigste Grund für Krankschreibungen. Umso wichtiger also für Arbeitgeber, sich mit dem Thema mentale Gesundheit am Arbeitsplatz zu beschäftigen.
07.05.2025 13:23
Lesezeit: 3 min
Mentale Gesundheit am Arbeitsplatz: So stärken Führungskräfte das Wohlbefinden ihrer Mitarbeiter
Arbeitgeber, die auf die mentale Gesundheit ihrer Mitarbeiter achten, fördern ein produktives und gesundes Arbeitsumfeld. (Foto: iStock.com/Prostock-Studio) Foto: Prostock-Studio

Mentale Gesundheit spielt sich nicht nur in den eigenen vier Wänden ab

Laut dem DAK Psychreport sind Arbeitnehmer im Jahr 2023 3,2 Tage pro Kopf aufgrund psychischer Erkrankungen ausgefallen. Bei Beschäftigten in Kitas und in der Altenpflege waren die Zahlen sogar besonders hoch: hier hatte jede Person durchschnittlich 5,3 Fehltage, bedingt durch psychische Belastung. Darunter fällt nicht nur das Burnout, sondern auch beispielsweise Depressionen, Essstörungen und Angststörungen.

Damit nicht genug: Die häufigste Ursache für eine Berufsunfähigkeit sind nicht etwa Rückenleiden, sondern psychische Erkrankungen, schreibt der Gesamtverband der Deutschen Versicherungswirtschaft. Etwa jede vierte Berufsunfähigkeit geht auf sie zurück.

Der Grund für eine psychische Erkrankung kann im privaten Umfeld liegen, etwa im Rahmen belastender Ereignisse. Aber auch im eigenen Arbeitsumfeld kann es Quellen geben, welche die mentale Gesundheit negativ beeinflussen. In einer Studie des Marktforschungsinstituts Innofact AG und der ias Stiftung aus dem Jahr 2024 wurde ermittelt, dass ein Großteil der Befragten den Ursprung der Belastung in einem Anstieg des Arbeitspensums (52,7 Prozent) und in zunehmenden Leistungsdruck (49,3 Prozent) sehen. Diese können auf Dauer krank machen und auch zu einem Burnout führen.

Ein weiterer Aspekt am Arbeitsplatz, der die mentale Gesundheit beeinflussen kann, ist Mobbing. Konkret wird darunter, laut der Antidiskriminierungsstelle, verstanden, dass „ein Mensch bei der Arbeit (…) psychische Gewalt erlebt, die durch wiederholtes und regelmäßiges – vorwiegend seelisches – Schikanieren, Diskriminieren, Anfeinden, Quälen, Verletzten, Benachteiligen, Beleidigen, Ausgrenzen oder Isolieren zum Ausdruck gebracht wird.“ Das Mobbing kann innerhalb der Mitarbeiter stattfinden aber auch durch den eigenen Chef. Die Folgen können weitreichend sein: Die Antidiskriminierungsstelle nennt unter anderem ein verringertes Selbstwertgefühl, Angst vor der Arbeit und eine erhöhte Suchtgefahr. Aber auch körperliche Beschwerden können auftreten, wie Schlafstörungen oder Herz-Kreislauf-Erkrankungen.

Eine weitere Ursache für eine starke psychische Belastung kann das häufige Arbeiten im Homeoffice sein. Besonders bei Arbeitnehmern, die alleine wohnen, kann das Arbeiten von zuhause aus zu starken Einsamkeitsgefühlen führen. Der Kontakt mit dem Chef oder den Kollegen findet nur auf digitalem oder telefonischem Wege statt, sodass der persönliche Austausch häufig auf der Strecke bleibt.

Zudem sind Arbeitnehmer im täglichen Joballtag, ob im Homeoffice oder im Büro, mitunter starkem Stress ausgesetzt. Dieser kann auf Dauer krank machen und auch zu einem Burnout führen. Ob ein hohes Arbeitsvolumen, fordernde Kunden, oder andere Faktoren: Laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund stufen sich die Hälfte der Arbeitnehmer als gestresst ein.

Der Prozess der Verschlechterung ist meist schleichend und (anfangs) nur schwer sichtbar: Betroffene können unkonzentriert, gereizt und wenig belastbar wirken. Gleichzeitig gibt es auch Mitarbeiter, welche sich ihr Leiden nicht anmerken lassen und konstante Leistungen auf der Arbeit zeigen. Auf lange Sicht kann starke psychische Belastung zu allerlei Beschwerden führen, wie der Entwicklung einer psychischen Erkrankung, Rücken- und Nackenschmerzen und Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Umso wichtiger ist es daher, die mentale Gesundheit der Belegschaft stets im Blick zu haben und Betroffene möglichst schnell und zielgerichtet zu unterstützen.

Arbeitgeber können einen Beitrag zur mentalen Gesundheit ihrer Mitarbeiter leisten

Was also als Arbeitgeber oder Führungskraft tun, um die mentale Gesundheit der eigenen Mitarbeiter zu stärken?

Eine der Hauptsäulen ist eine tolerante und offene Atmosphäre zwischen Führungskraft und Team. Arbeitnehmer sollten das Gefühl haben, dass ihre Führungskraft jederzeit ein offenes Ohr für sie hat und ihnen mit Offenheit und Verständnis begegnet. Nur wenn diese Haltung an das Team vermittelt wird, sind die Beschäftigen meist überhaupt erst bereit, sich ihrer Führungskraft anzuvertrauen.

Es empfiehlt sich außerdem, als Führungskraft regelmäßig proaktiv auf Mitarbeiter zuzugehen und nachzufragen, wie es ihnen geht. Dabei können auch Themen, die in der Vergangenheit besprochen wurden, erneut aufgegriffen werden. Ebenfalls kann sich nach dem Befinden beim Arbeiten im Homeoffice erkundigt werden.

Einige Unternehmen haben bereits erkannt, dass das Thema mentale Gesundheit auch über den Arbeitsplatz hinaus von großer Relevanz ist und bieten deswegen spezielle Angebote zur Förderung der mentalen Gesundheit an. So setzt die Allianz beispielsweise auf Webinare, die den Umgang mit Stress thematisieren, sowie auf Meditationsangebote. Bei dem Energieunternehmen E.ON gibt es Workshops zum Umgang mit belastenden Situationen.

Ist die Teamstimmung oder Stimmung eines Einzelnen aufgrund Mobbing belastet, empfiehlt sich das Hinzuziehen eines externen Mediators. Hierfür gibt es spezielle Coaches und Psychologen, die neutral zwischen den Parteien vermitteln und gemeinsam mit den Betroffenen nach Lösungsmöglichkeiten suchen. Wichtig ist es, auf qualifizierte Coaches zurückzugreifen, die auch wirklich Erfahrung im entsprechenden Bereich nachweisen können. Im Austausch mit dem externen Berater sollte überdies die Ursache für das Mobbing identifiziert werden. Meist liegt dahinter ein ungelöster Konflikt, der möglicherweise einer der Parteien gar nicht bewusst ist.

Grundsätzlich geht mentale Gesundheit uns alle etwas an – ob zuhause oder am Arbeitsplatz. Nur, wem es auch mental gut geht, kann auf lange Sicht gute Leistungen auf der Arbeit erbringen. Arbeitgeber sollten sich dessen bewusst sein und mit speziellen Angeboten und einer offenen Gesprächskultur gezielt auf ihre Mitarbeiter eingehen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen

 

DWN
Finanzen
Finanzen Lagarde tritt vorzeitig ab: Rennen um die EZB-Spitze beginnt früher
29.10.2026

Christine Lagarde verlässt die Spitze der Europäischen Zentralbank früher als geplant. Damit müssen die Eurostaaten ihre Nachfolge...

DWN
Finanzen
Finanzen Vonovia-Aktie rutscht ab: Vonovia muss Sparen und senkt Erwartungen für 2026 und 2028
29.10.2026

Die Vonovia-Aktie steht am Donnerstag mächtig unter Druck. Der Immobilienkonzern nimmt seine Wachstumsziele zurück und will Investitionen...

DWN
Politik
Politik Spritpreisdeckel lässt auf sich warten: SPD drängt Reiche zur Eile
29.10.2026

Im September hatte sich die schwarz-rote Koalition auf einen erneuten Tankrabatt und einen Spritpreisdeckel verständigt. Während der...

DWN
Finanzen
Finanzen Mercedes-Benz-Aktie: Abfindungen bei Autobauer gehen in neue Runde – warum der Sparkurs teuer bleibt
29.10.2026

Mercedes-Benz will ab Dezember 2026 erneut freiwillige Abfindungen für Beschäftigte in Deutschland anbieten. Die jüngste Quartalsbilanz...

DWN
Politik
Politik Pflegeversicherung unter Druck: Linnemann schließt Leistungskürzungen nicht aus
29.10.2026

Millionen Menschen in Deutschland sind auf Pflege angewiesen, gleichzeitig steigen die Kosten immer weiter. Gesundheitsminister Carsten...

DWN
Finanzen
Finanzen VW-Aktie im Fokus: Milliardenverlust bei VW – es läuft noch schlechter als gedacht
29.10.2026

Die VW-Aktie hat am Donnerstag im frühen Börsenhandel im Minus tendiert, weil es beim Autobauer noch schlechter läuft als gedacht....

DWN
Politik
Politik Haushaltskrise der Länder: Kommunale Schulden steigen um fast zehn Prozent
29.10.2026

4.907 Euro je Einwohner: Die Verschuldung der Kommunen ist im vergangenen Jahr weiter gewachsen. Dabei fällt die Belastung regional sehr...

DWN
Finanzen
Finanzen Europäische Banken: Höhere Zinsen dämpfen bereits die Kreditnachfrage
29.10.2026

Vor ihrer Zinssitzung veröffentlichte die EZB einen Bericht über den Stand der Kreditvergabe der Banken. Daraus geht hervor, dass ihre...