Ein 23-Jähriger steht im Verdacht, in der brandenburgischen Kleinstadt Beelitz, südwestlich von Berlin, einen Mann getötet und einige Tage darauf eine Frau verletzt zu haben. Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen ihn wegen Mordes und versuchten Mordes. Haftbefehl wurde erlassen. Laut Landesinnenministerium hat er die Taten gestanden.
Der Tatverdächtige stammt dem Ministerium zufolge aus Guinea in Westafrika und war bisher nicht polizeibekannt.
Die Verbrechen ereigneten sich auf einem Areal im Beelitzer Ortsteil Heilstätten. Vor Ort wurden Blumen und Kerzen niedergelegt. Mit Details zu den Hintergründen des Mordfalls Beelitz zeigte sich die Staatsanwaltschaft Potsdam zurückhaltend und verwies auf den Schutz der Ermittlungen.
Innenministerin: Verdächtiger hatte Aufenthaltserlaubnis
Brandenburgs Innenministerin Katrin Lange (SPD) teilte mit, der 23-jährige Verdächtige, der als Pfleger tätig war, sei nach aktuellem Stand nicht ausreisepflichtig. Seit 2016 lebt er in Deutschland und besitzt eine bis zum 23. Januar 2025 gültige Aufenthaltserlaubnis, deren Verlängerung bereits beantragt wurde. Weiter erklärte sie: "Er hat sich mittlerweile zu beiden Taten geständig eingelassen."
Ministerium: Opfer war CDU-Mitglied
Der Tote Christoph Rosenschon war ein 24-Jähriger aus Beelitz, der sich in der CDU engagierte und im selben Gebäudekomplex wohnte wie sein mutmaßlicher Mörder. Er wurde am 14. Januar mit durchschnittener Kehle in seinem Bett tot aufgefunden, während sein Wohnhaus brannte. Es wurde zunächst die Feuerwehr in die Straße alarmiert. Dort bargen sie einen toten 24-jährigen Mann aus dem Gebäude. Der Fall wurde zunächst kaum publik. Ermittelt wurde gegen unbekannt. Es soll Hinweise auf ein Gewaltverbrechen gegeben haben. Die Staatsanwaltschaft hatte damals ein Ermittlungsverfahren wegen Verdachts eines Tötungsdelikts eingeleitet.
Frau aus der Ukraine schwer verletzt
Am Wochenende ereignete sich laut Innenministerium eine weitere Gewalttat auf demselben Areal. Dabei wurde eine 52-jährige Frau aus der Ukraine verletzt. Nach einer Mitteilung der Polizei hatte der Verdächtige der Frau lebensbedrohliche Verletzungen zugefügt.
Verdächtiger zunächst in Haftkrankenhaus
Der Beschuldigte wurde laut Ministerium zunächst in ein Haftkrankenhaus gebracht und soll anschließend in eine Justizvollzugsanstalt überführt werden. Die Polizei arbeite intensiv an der Aufklärung der Hintergründe des Mordfalls Beelitz und der weiteren Tat, so Innenministerin Lange.
Der Mord an dem jungen Mann ereignete sich laut Staatsanwaltschaft am 14. Januar. Seine Leiche wurde im Rahmen eines Wohnungsbrandes entdeckt. Ob ein Zusammenhang zwischen dem Brand und dem Gewaltverbrechen besteht, wird noch untersucht, erklärte Staatsanwältin Isabelle Fabian.
Details zu den Verbrechen, möglichen Tatwaffen oder einer Verbindung zwischen Täter und Opfern wollte die Staatsanwaltschaft nicht nennen. Der Verdächtige befindet sich in Untersuchungshaft.
CDU trauert um Parteimitglied
Die CDU Brandenburg zeigte sich tief betroffen über den Mord an ihrem Mitglied. Auf Instagram erklärte die Partei, sie sei entsetzt und in großer Trauer.
Der Beelitzer Bürgermeister Bernhard Knuth, der keiner der etablierten Parteien angehört, sondern im unabhängigen Kommunalbündnis seiner Gemeinde aktiv ist, erklärte auf der Website der Gemeinde: „Ich bin erschüttert und zutiefst betrübt, dass es in Beelitz-Heilstätten erneut zu einer schweren Straftat gekommen ist.“ In Beelitz und in Deutschland lebe man sicher, auch wenn sich Gewalttaten momentan häufen und man das Gefühl haben könnte, dass sie an der Tagesordnung sind, so Knuth. Er hoffe dennoch, dass „die politisch Verantwortlichen in unserem Land aus den Vorfällen der letzten Zeit die notwendigen Konsequenzen ziehen“.
Historisches Areal: Beelitz-Heilstätten
Beelitz-Heilstätten, bekannt durch die Anfang des 20. Jahrhunderts errichtete Lungenheilanstalt für Tuberkulose-Patienten, bietet eine geschichtsträchtige Kulisse. Heute sind dort sanierte Gebäude, Wohnungen, eine Grundschule und eine Klinik zu finden.