Finanzen

Wall-Street-Analyse: Börsenprofis ziehen Parallelen zum Platzen der Dotcom-Blase

Das effizientere KI-Modell des chinesischen Start-ups DeepSeek hat vergangene Woche hoch bewertete KI- und Technologieaktien erschüttert. An der Wall Street wird spekuliert, ob dies der Beginn größerer Turbulenzen ist.
04.02.2025 11:00
Lesezeit: 3 min

Autor Nassim Taleb: Technologieaktien sind "graue Schwäne"

Der durch DeepSeek ausgelöste Einbruch der Nvidia-Aktien könnte laut Nassim Taleb, Autor von Der Schwarze Schwan, ein Warnsignal für Investoren sein, die blind in KI-Aktien investiert haben. "Das ist der Anfang – der Anfang der Anpassung der Menschen an die Realität. Sie beginnen zu erkennen, dass diese Technologie nicht fehlerfrei ist. Ein kleiner Riss ist im Glas erschienen", sagte Taleb im Interview mit Bloomberg.

Er warnte, dass künftige Erschütterungen zwei- bis dreimal so groß sein könnten wie der am Montag verzeichnete Kursrückgang von Nvidia, der seiner Meinung nach im Vergleich zu den Risiken im Sektor "sehr klein" war. Laut Taleb haben Investoren bisher an das Narrativ geglaubt, dass der Aktienkurs von Nvidia nur steigen könne, da das Unternehmen seine Dominanz in der KI-Branche behält. Zudem hätten viele Investoren die Aktien von KI-Unternehmen in die Höhe getrieben, ohne deren Geschäftsmodelle und Erfolgsaussichten wirklich zu verstehen.

Er beschreibt Technologieaktien als "graue Schwäne", da Anleger die möglichen Kursschwankungen unterschätzen, die jederzeit auftreten können.

Hedgefonds-Gründer Ray Dalio: Euphorie um KI-Aktien erinnert an Platzen der Dotcom-Blase

Ray Dalio, Gründer des weltweit größten Hedgefonds Bridgewater Associates, warnt, dass die Euphorie um KI-Aktien eine Blase an den US-Börsen aufgeblasen hat – ähnlich wie beim Platzen der Dotcom-Blase. Die hohen Bewertungen der Aktien in Kombination mit den aktuellen Zinsrisiken könnten laut Dalio die Blase "zum Platzen bringen".

"Wir befinden uns an einem ähnlichen Punkt wie 1998–1999. Es gibt eine bahnbrechende Technologie, die die Welt verändern wird. Doch einige Menschen verwechseln das mit einer garantiert erfolgreichen Investition", sagte Dalio der Financial Times. Diese Woche wurden Investoren in KI-Aktien durch die Effizienz von DeepSeek aufgeschreckt. Das Modell benötigt weniger Rechenkapazität und stellt damit Milliardeninvestitionen des Silicon Valley infrage.

Dalio betont, dass der Wettbewerb um KI nicht nur unter wirtschaftlichen Gesichtspunkten betrachtet werden kann: "Der Technologiewettlauf zwischen China und den USA ist wichtiger als Rentabilität oder wirtschaftlicher Vorteil. Er betrifft den militärischen Vorsprung. Wer nur auf Profit schaut, wird dieses Rennen nicht gewinnen." Er sieht in Zukunft eine stärkere Rolle der Regierungen bei der Unterstützung von Unternehmen im KI-Sektor: "Kapitalismus und Profitstreben allein können diesen Kampf nicht gewinnen."

Investmentmanager Dan Niles befürchtet bei Nvidia-Aktien weitere Verluste

Der Kurssturz von Nvidia-Aktien am 27. Januar 2025 führte zu einem Wertverlust von fast 600 Milliarden US-Dollar – der größte Einbruch in der Geschichte des Unternehmens. Trotz einer leichten Erholung notierten die Aktien am Freitag noch 13 Prozent unter dem Niveau vor den DeepSeek-Nachrichten. Investmentmanager Dan Niles glaubt, dass Nvidia-Aktien weiter fallen könnten:

"Niemand zweifelt daran, dass Nvidia der unangefochtene König der Mikroprozessoren ist. Die Frage ist, wie viel Kapital wirklich nötig ist für KI-Training, Anwendungen und letztendlich die Verarbeitung von Anfragen." Wie CNBC meldet, rät er Investoren zur Vorsicht und warnt davor, voreilig einen Kursboden für die Aktie anzunehmen.

Bank of America-Stratege Michael Hartnett spricht von den "Lagnificent Seven"

Die Marktturbulenzen der Woche haben erneut Fragen über die hohen Bewertungen von Tech-Aktien aufgeworfen. Die großen Wachstumsunternehmen Nvidia, Microsoft, Alphabet, Apple, Meta Platforms, Amazon und Tesla wurden als "Magnificent Seven" bekannt. Michael Hartnett, Bank of America-Stratege und Schöpfer dieses Begriffs, spricht nun von den "Lagnificent Seven" ("die zurückbleibenden Sieben"). Er erwartet laut Bloomberg, dass Tech-Aktien hinter anderen Sektoren zurückbleiben werden.

Nach Rekordzuflüssen in US-Aktien im Januar seien Investoren übermäßig in amerikanische Werte investiert – insbesondere in die Magnificent Seven. Kapitalflüsse in KI-Aktien hätten bereits ihren Höhepunkt erreicht, was diese Werte anfälliger mache. "Die US-Märkte sind jetzt außergewöhnlich teuer und überkauft. Die Magnificent Seven wandeln sich zu den Lagnificent Seven und deuten auf Wachstumschancen in anderen Sektoren, globalen Märkten und der Anleihenwelt hin."

Hartnett favorisiert europäische und japanische Bankaktien, die von Investoren bisher vernachlässigt wurden. Er sieht auch Chancen in Rohstoffen, Hochzinsanleihen, internationalen Aktien (außerhalb der USA) und traditionellen Industrien wie dem Bergbau. Allerdings ist Hartnetts skeptische Haltung gegenüber Tech-Aktien eine Mindermeinung. Eine aktuelle Bloomberg-Umfrage zeigt, dass 41 Prozent der Befragten keinen Einfluss von DeepSeek auf die Magnificent Seven erwarten, 47 Prozent rechnen mit einer leichten Verlangsamung des Wachstums, und nur 12 Prozent glauben, dass der chinesische KI-Anbieter die Kursentwicklung stoppen wird.

Citigroup-Strategen: Saubere Energie ist günstiger

Donald Trumps Bemühungen, die Klimapolitik der vorherigen US-Regierung zu stoppen, werden laut Citigroup-Strategen und Bloomberg den Übergang von fossilen Brennstoffen zu erneuerbaren Energien nicht aufhalten. Die Energiewende sei heute weiter fortgeschritten als während Trumps erster Amtszeit: "Saubere Energie ist günstiger, weiter verbreitet und viel effizienter. Die wirtschaftlichen Argumente für erneuerbare Energien bleiben stark."

Trump hat bereits begonnen, Förderungen für erneuerbare Energien zu kürzen, die USA aus dem Pariser Klimaabkommen zurückzuziehen und eine stärkere Ölförderung zu versprechen. Diese Entscheidungen haben die Aktienkurse von Windkraftunternehmen negativ beeinflusst. Gleichzeitig bleibt Citigroup skeptisch gegenüber dem Ölpreis und betont, dass Trumps "Drill, Baby, Drill"-Politik zusätzliche Maßnahmen benötigen würde, um mehr Investitionen in die US-Ölproduktion zu locken.

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