Politik

Verpackungssteuer: Steuer auf Einwegverpackungen kommt in vielen Städten

Die Verpackungssteuer für Einwegverpackungen in Tübingen ist rechtmäßig. Das hat das Bundesverfassungsgericht Ende Januar festgestellt und eine Beschwerde zurückgewiesen. Andere Städte wollen es Tübingen nun gleichtun und ebenfalls eine solche Steuer einführen. Wer mitmachen will und was zu zahlen ist.
15.02.2025 09:14
Lesezeit: 3 min

Mit der bereits seit 2022 eingeführten Verpackungssteuer auf Einwegverpackungen kämpft die Stadt Tübingen gegen den Einwegmüll. Sie erhebt seitdem eine Gebühr von 50 Cent auf Einwegverpackungen und Einweggeschirr wie Kaffeebecher aus Pappe oder Pommesschalen. 20 Cent werden für Einwegbesteck dort fällig.

Klage gegen Verpackungssteuer abgewiesen

Gegen diese Steuer hatte ein Betreiber einer Tübinger McDonald´s geklagt. Das Bundesverfassungsgericht hatte jetzt Ende Januar die Beschwerde abgewiesen und damit die Rechtmäßigkeit der Steuer bestätigt. Auf dieses Urteil haben auch eine Vielzahl anderer Städte gewartet, die ebenfalls eine derartige Steuer einführen wollen. Das Bundesumweltministerium begrüßt die Entscheidung und die Initiative vieler weiterer Städte, ebenfalls mit einer Verpackungssteuer dem Einwegmüll den Kampf anzusagen.

Bundesumweltministerin Lemke hält allerdings eine bundesweite Einführung einer Verpackungssteuer für politisch nicht umsetzbar. Wie Lemke weiterhin ausführte, sei es absolut notwendig, die Müllproduktion einzudämmen und entstehenden Müll in den Verwertungskreislauf zurückzuführen. Eine Verpackungssteuer ist hierfür nur eine von vielen möglichen Lösungen. Sie plädiert dafür, Unternehmen, die Einwegverpackungen herstellen, für die dadurch entstehende Müllvermehrung und -beseitigung kostenmäßig zu beteiligen – gemäß dem Verursacherprinzip.

Tübingen als Modellstadt für die Mehrwegnutzung

In Tübingen ist man mit der Wirkung der Verpackungssteuer durchaus zufrieden. Knapp eine Million Euro soll sie jährlich in die Stadtkasse spülen. Außerdem habe sich die Anzahl der Imbissanbieter, die auf Mehrwegbehälter umgestellt haben, in dieser Zeit vervierfacht. Bürgermeister Boris Palmer hält die Steuer deshalb auch für ein wirksames Instrument, um die Müllreduzierung voranzutreiben. Tübingen sei deutschlandweit führend bei der Mehrwegnutzung.

Dem Beispiel von Tübingen wollen nun eine ganze Reihe von anderen deutschen Städten folgen nach dem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes. Konstanz hatte bereits zu Beginn dieses Jahres eine derartige Steuer eingeführt und auch in vielen anderen Städten laufen die Vorbereitungen dafür schon seit einiger Zeit.

In Umfragen der Deutschen Umwelthilfe haben 120 deutsche Städte ein Interesse an der Einführung einer derartigen Verpackungssteuer bekundet. Folgende Städte haben diese Steuer bereits eingeführt oder prüfen die Umsetzung jetzt zeitnah:

Aalen – Bamberg – Berlin – Bochum – Bremen – Bremerhaven – Dormagen – Dresden - Freiburg im Breisgau (ab 01.07.2025) – Gladbeck – Hannover – Heidelberg – Hennigsdorf – Herne – Itzehoe – Kiel - Konstanz (seit 01.01.2025) – Lahr – Landau/Pfalz – Ludwigshafen – Lüneburg – München – Neuss – Nürnberg – Saarbrücken – Siegen - Tübingen (seit 2022) – Wiesbaden - Würzburg

Frankfurt glaubt nicht an Lenkungswirkung der Verpackungssteuer

Eine ganz andere Meinung zur Wirksamkeit einer Verpackungssteuer wird hingegen in Frankfurt am Main vertreten. Die dortige Stadtregierung hatte sich bereits Mitte letzten Jahres gegen eine derartige Steuer ausgesprochen, da man von der Lenkungswirkung der Steuer nicht überzeugt sei. Um eine spürbare Müllreduzierung realisieren zu können, müsste die Verteuerung von Einwegverpackungen auch insgesamt zu einer Verteuerung der Produkte in diesen Verpackungen führen, im Vergleich zu gleichen Produkten in Mehrwegverpackungen. Ansonsten würden die Verbraucher nicht zwischen Einweg- und Mehrwegverpackungen unterscheiden. Aus Sicht des Stadtkämmerers Bastian Bergerhoff von den Grünen wäre eine derartige verbindliche Regelung aber nur auf Bundesebene einheitlich möglich.

In Frankfurt schreckt man vor der Einführung einer Verpackungssteuer aber auch deshalb zurück, weil man einen hohen Verwaltungsaufwand befürchtet, um eine derartige Neuregelung durchzusetzen und zu überprüfen. Die zusätzlich möglichen Steuereinnahmen sind deshalb auch noch nie berechnet worden, auch deshalb, weil man die genaue Zahl der in Einwegverpackungen verkauften Speisen und Getränke nicht erfassen könne. Frankfurt bietet zudem bereits seit 5 Jahren ein unentgeltliches Mehrwegsystem auf Pfandbasis an, die sogenannte Initiative Mainbecher der Frankfurter Entsorgungs- und Service GmbH.

Wiesbaden: Mehrbelastung der Gastronomen muss verhindert werden

In Wiesbaden wurde bereits die Mitte 2023 die Einführung einer Verpackungssteuer geprüft. Dort kam man zwar zu dem Ergebnis, dass sich der Einwegmüll durch die Einführung einer derartigen Steuer durchaus um die Hälfte verringern ließe. Allerdings wurde auch festgestellt, dass durch die Einführung einer Verpackungssteuer eine durchaus spürbare zusätzliche Belastung für die Gastronomen entstehen würde, wenn nicht parallel ein funktionierendes Mehrwegmodell zur Verfügung steht.

Deshalb hatte man bereits im ersten Halbjahr 2024 gemeinsam mit der Stadt Mainz ein Pilotprojekt Mehrweg-Modell auf den Weg gebracht. Ein Sprecher der Stadt Wiesbaden beurteilte die Ergebnisse aus dem Projekt als vielversprechend. Seiner Einschätzung nach könnte das Mehrweg-Modell im größeren Regelbetrieb durchaus dazu beitragen, die Müllmenge bei Einwegverpackungen deutlich zu reduzieren.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Digitaler Impuls versus reale Werte

Am Montag hat ein einzelner Social-Media-Beitrag von Donald Trump die Finanzmärkte um 1,7 Billionen US-Dollar bewegt – und zwar nicht...

DWN
Politik
Politik Nach Angriff auf Diego Garcia: Könnten iranische Raketen inzwischen Europa erreichen?
29.03.2026

Der mutmaßliche Angriff iranischer Raketen auf Diego Garcia wirft neue Fragen zur militärischen Reichweite Teherans auf. Während...

DWN
Finanzen
Finanzen Novo Nordisk-Aktie: Warum die Führung zurücktrat und welche Rolle die Stiftung spielte
29.03.2026

Ein Machtkampf in der Führungsebene von Novo Nordisk hat das Unternehmen und die Novo Nordisk-Aktie in eine tiefe Governance-Krise...

DWN
Panorama
Panorama Spanien im Wandel: Vom Klischee zum Vorreiter beim Frauenschutz
29.03.2026

Spanien steht oft im Ruf eines klassischen Macho-Landes. Doch aktuelle Zahlen und konsequente Maßnahmen zeichnen ein anderes Bild....

DWN
Immobilien
Immobilien Mieter verstorben: Was passiert mit dem Mietvertrag nach einem Todesfall?
29.03.2026

Der Tod eines Mieters wirft für Hinterbliebene oft viele Fragen auf: Darf man in der Wohnung bleiben, wenn der Vertrag nur auf den...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Wettbewerbsfähigkeit: Hinter verschlossenen Türen wächst die Angst
29.03.2026

Europa galt lange als stabiler Wirtschaftsraum mit klaren Regeln und berechenbaren Märkten. Doch hinter den Kulissen wächst die Sorge,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Iran-Krieg verschiebt Kräfteverhältnisse am Himmel: Europäische Airlines profitieren – wie lange noch?
29.03.2026

Stillgelegte Flughäfen, steigende Ticketpreise und neue Flugrouten: Der Iran-Krieg verändert die Dynamik im globalen Luftverkehr...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Biotech-Strategie: Warum Gubra bewusst auf spätere Deals setzt
29.03.2026

Ein Biotech-Unternehmen stellt seine Strategie radikal um und geht bewusst höhere Risiken ein. Gubra will Wirkstoffe länger selbst...

DWN
Politik
Politik Ehegattensplitting vorm Aus? Die Institution Ehe soll tiefgreifend verändert werden
28.03.2026

Beim Ehegattensplitting wird das Einkommen beider Ehe- oder Lebenspartner gemeinsam versteuert, was sich lohnt, wenn einer deutlich weniger...