Politik

Tarifgespräche starten ohne Angebot von Bund und Kommunen

Lohnplus oder Stillstand? Die Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst treten auf der Stelle. Die Gewerkschaften pochen auf höhere Löhne und mehr Freizeit, doch Bund und Kommunen warnen vor finanziellen Risiken. Ohne ein Angebot der Arbeitgeber könnte es in dieser Woche zu massiven Warnstreiks kommen – mit spürbaren Folgen für Millionen Bürger.
17.02.2025 17:53
Aktualisiert: 17.02.2025 17:53
Lesezeit: 2 min

Gewerkschaften, Bund und Kommunen ringen um Löhne und Arbeitszeiten für mehr als 2,5 Millionen Beschäftigte im öffentlichen Dienst. Dazu zählen Erzieherinnen und Erzieher, Krankenpfleger, Busfahrerinnen und Feuerwehrleute sowie viele weitere Berufsgruppen. Die zweite Verhandlungsrunde begann in Potsdam, ohne dass die Arbeitgeber ein Angebot vorlegten. Alle Beteiligten bekundeten jedoch gemeinsam ihre Solidarität nach dem tödlichen Anschlag auf eine Verdi-Demonstration in München.

Zur Tagesordnung überzugehen sei schwierig, betonten Verdi-Chef Frank Werneke und der Verhandlungsführer des Beamtenbunds dbb, Volker Geyer. Man habe sich jedoch bewusst entschieden, die Gespräche fortzuführen, sich nicht einschüchtern zu lassen und demokratische Rechte zu verteidigen.

Innenministerin Nancy Faeser, die für den Bund am Verhandlungstisch sitzt, unterstrich: "Wir werden sehr ernsthaft verhandeln, damit wir angemessene und gute Lösungen für den Bund und die Kommunen ebenso wie für die Beschäftigten finden. Das ist für mich eine Frage des Respekts vor den Menschen, die unser Land Tag für Tag am Laufen halten – gerade in schwierigen Zeiten."

Forderung: Höhere Löhne und mehr freie Tage Die Gewerkschaften verlangen eine Lohnerhöhung um acht Prozent, mindestens jedoch um 350 Euro monatlich. Zudem wollen sie drei zusätzliche freie Tage durchsetzen, für Gewerkschaftsmitglieder sogar vier. Die Beschäftigten sollen flexible Arbeitszeitkonten erhalten und selbst entscheiden können, ob sie Überstunden auszahlen lassen oder ansammeln wollen.

Nach der ersten ergebnislosen Verhandlungsrunde gab es in vielen Kommunen bereits Warnstreiks in Kitas, im Nahverkehr und bei der Müllabfuhr.

Kommunen: "Mehr Freizeit" keine Lösung

Vor der zweiten Tarifrunde warnten die Kommunen vor einer Überlastung. "Mehr Freizeit" für die Beschäftigten sei nicht der richtige Weg, sagte die Gelsenkirchener Oberbürgermeisterin Karin Welge (SPD) im "Morgenmagazin" von WDR 2. Sie verhandelt als Präsidentin der Vereinigung der kommunalen Arbeitgeberverbände (VKA).

Seit 2022 gebe es Entlastungstage für Vollzeitbeschäftigte im kommunalen Sozial- und Erziehungsdienst. "Das hat dazu geführt, dass teilweise Kindertageseinrichtungen häufiger geschlossen wurden und alle unzufrieden waren: sowohl die Mitarbeitenden, die genau dafür gestreikt haben, als auch die Eltern", bilanzierte sie.

Städtetags-Präsident Markus Lewe warnte, den Kommunen könnten die Ausgaben "um die Ohren fliegen", wenn der Tarifforderung der Gewerkschaften nachgegeben werde. Einer Umfrage des Städtetags unter 100 Großstädten zufolge können 37 Prozent der Städte keinen ausgeglichenen Haushalt mehr vorlegen. Weitere 47 Prozent schafften dies nur durch den Zugriff auf finanzielle Rücklagen.

Warnstreiks in dieser Woche möglich

Die Arbeitgeber haben sich bislang nicht zu aus ihrer Sicht tragbaren Tarifschritten geäußert. "Wir werden jetzt erst mal weiter verhandeln und dann sehen, wann wir ein Angebot vorlegen", sagte Faeser.

Die Gewerkschaften haben bereits angedeutet, dass sie die Warnstreiks deutlich ausweiten werden, falls bis Dienstagabend kein konkretes Angebot vorliegt. Möglich wären dann größere Aktionen in Kitas, im Nahverkehr, an Flughäfen oder bei der Müllabfuhr – und das noch vor der Bundestagswahl, also in dieser Woche.

Eine Einigung im Tarifstreit ist frühestens Mitte März zu erwarten. Eine dritte Verhandlungsrunde ist bereits angesetzt.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen Harvard-Ökonom Furman warnt vor Marktverwerfung: Platzt die KI-Blase, droht eine neue Finanzkrise
08.02.2026

Jason Furman hat im Weißen Haus bereits zwei große Spekulationsblasen aus nächster Nähe erlebt. Nun warnt der Harvard-Ökonom vor...

DWN
Finanzen
Finanzen Walmart-Aktie: Marktkapitalisierung bei über einer Billion Dollar – Umschichtung vom Tech-Sektor
08.02.2026

Die Walmart-Aktie erreicht eine Marktkapitalisierung von einer Billion US-Dollar und setzt damit ein Signal an den Aktienmärkten. Welche...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Suzuki GSX-8R im Test: Gewinner und Opfer der Plattformökonomie
08.02.2026

Die Suzuki GSX-8R präsentiert sich als zugänglicher, vielseitiger und unkomplizierter Sporttourer. Technisch eng verwandt mit der V-Strom...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Top-Ökonom warnt: Wie die US-Außenpolitik Europas Wirtschaft belastet
07.02.2026

Die Europäische Union steht unter geopolitischem Druck, während wirtschaftliche Unsicherheit und geldpolitische Erwartungen neu justiert...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Geldanlage: Diese US-Aktien sollten Sie jetzt besitzen
07.02.2026

Ein wichtiger Sektor der US-Wirtschaft sorgt derzeit für überraschend starke Ergebnisse – trotz geopolitischer Risiken und...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Datenhunger der Finanzämter: Wann Unternehmen E-Mails herausgeben müssen – und wann nicht
07.02.2026

Der Bundesfinanzhof hat Unternehmen im Streit um steuerrelevante E-Mails den Rücken gestärkt. Zwar bleibt die Pflicht zur Vorlage...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Kove 800 X Pro: Chinesische Hersteller im europäischen Enduro-Markt
07.02.2026

Das Enduro-Segment gilt als besonders anspruchsvoll und stellt hohe Anforderungen an Technik, Qualität und Fahrverhalten. Kann ein...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft LNG: Warum Europas neue Gasabhängigkeit brandgefährlich ist
07.02.2026

Europas Gaspreise steigen, während politische Spannungen mit den USA zunehmen. LNG aus Amerika gilt als Rettungsanker, entpuppt sich aber...