Politik

Bundeswehr verstärkt Heimatschutz – neue Truppe startet im März

Die Bundeswehr richtet ihre Verteidigung neu aus: Mit der Heimatschutzdivision will sie kritische Infrastruktur schützen und auf mögliche Bedrohungen reagieren. Generalmajor Andreas Henne sieht bereits Sabotagegefahr im Inland – und betont die Notwendigkeit eines schnellen Aufmarschs. Doch die Truppe steht vor Herausforderungen: zu wenig Personal, fehlende Ausrüstung und eine ungewisse Zukunft des Wehrdiensts. Wie können diese Probleme gelöst werden?
23.02.2025 07:32
Lesezeit: 3 min

Der künftige Kommandeur der neuen Heimatschutzdivision, Generalmajor Andreas Henne, will seine Truppe rasch für den Schutz der Infrastruktur und den Truppenaufmarsch der Verbündeten einsatzbereit machen. Dabei verweist er auf die veränderte Sicherheitslage und bereits laufende Störaktionen im Land, die sich gegen die Bundeswehr richten.

So gehe eine Gefahr von "klassischen Sabotagekräften" aus, "von denen wir überzeugt sind, dass sie sich bereits im Land befinden und auch Vorbereitungen treffen", sagt er der Deutschen Presse-Agentur in Berlin. Ein Sicherheitsrisiko seien zudem die zuletzt vermehrt auftretenden Drohnen. Im Falle eines NATO-Truppenaufmarsches könnten sie zur direkten Bedrohung werden und mit Sprengstoff beladen erhebliche Schäden anrichten.

Aufbau der Heimatschutzdivision schreitet voran

Die Bundeswehr stellt für den Heimatschutz eine vierte Division des Heeres auf. Mit dem Mitte März erwarteten Aufstellungsappell werden dem Verband zunächst sechs Regimenter mit insgesamt rund 6.000 Männern und Frauen angehören. Benötigt wird jedoch deutlich mehr Personal sowie eine umfassendere Präsenz in der Fläche. Keine leichte Aufgabe, denn zuletzt ist die Zahl der Soldaten in der Bundeswehr erneut gesunken.

Hoffnung auf neuen Wehrdienst

"Erstmal sprechen wir von einer Division", sagt Henne und blickt dabei auch auf die Vergangenheit des Heimatschutzes. "Wenn man in die Geschichte der Bundeswehr schaut, dann waren dies bis 1989 im Territorialbereich 45.000 Soldaten. Im Falle eines Krieges, damals nur Westdeutschland, die alte Bundesrepublik, wären es 100.000 Soldaten gewesen."

"Die Struktur, die wir bis ungefähr 1990 in der Bundesrepublik hatten, mit Heimatschutzbrigaden und Heimatschutzbataillonen, war bereits eine sehr kluge Lösung", so der General. Nötig sei dafür jedoch deutlich mehr Personal. "Dafür könnte der neue Wehrdienst sorgen. Alle, die maximal elf Monate bei der Bundeswehr bleiben wollen, sollen in den Heimatschutz gehen", sagt er.

Die NATO-Außengrenze liegt nun weiter östlich

Seit dem Kalten Krieg hat sich die Lage grundlegend gewandelt. Die NATO-Außengrenze ist weiter nach Osten gerückt, Deutschland hat sich vom potenziellen Kampfgebiet der ersten Stunde zu einem logistischen Drehkreuz für das Militär entwickelt.

"Unser Schwerpunkt ist es, einen zeitgerechten Aufmarsch der NATO zu ermöglichen. Dazu gehört der Schutz kritischer Infrastruktur, wie Autobahnbrücken, Kraftwerke und Serverfarmen, die primär militärischen Gesichtspunkten unterliegen", sagt der Generalmajor. "Es wird sicher Infrastruktur geben, die beiden Zwecken dient. Also ein Kraftwerk, das sowohl eine Kaserne als auch eine Kleinstadt versorgt, ist für uns natürlich von besonderem Interesse, da wir hier zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen können."

Hauptwaffensystem bleibt das Gewehr

In der Julius-Leber-Kaserne in Berlin laufen die Vorbereitungen für die Aufstellung der Division. Noch fehlt es jedoch an Ausrüstung. "Das Hauptwaffensystem des Heimatschützers ist das Gewehr. Und das sollten wir relativ einfach beschaffen können", sagt Henne. Das sei ein Vorteil. Vorrangig sei dann die Kommunikationstechnik sowie die Anbindung an die Führungsstellen mit einem Lagebild.

Bisher war bereits die Lagerung von Waffen für die Heimatschutzkompanien und -regimenter ein großeres Problem, da sie als Reserve formal keine Infrastruktur aufbauen konnten. Eine Verbesserung wird durch die Aufstellung der Division und die Eingliederung ins Heer erwartet.

Ohne die Fähigkeit, im Ernstfall kurzfristig alarmiert, gemeinsam und bewaffnet in einen Einsatz zu gehen, werden die Heimatschützer ihren Aufgaben nicht gerecht werden können. Henne nennt als Anspruch "fight tonight", also von der Ausrüstung und dem Bereitschaftsgrad her notfalls auch binnen Stunden einsatzbereit zu sein.

Mehr Zusammenarbeit mit zivilen Stellen und neue Fähigkeiten

Ein wichtiger Aspekt ist die Planung für den ersten Tag eines Spannungsfalls. Henne fragt: "Wo befindet sich der Divisionsstab an dem Tag, wenn der Bundestag die Krise oder den Verteidigungsfall feststellt? Wo ist unser Platz? Wo ist unsere Ausrüstung? Wo ist unsere Munition?"

Neben Logistik und medizinischer Erstversorgung durch Sanitäter gehören auch die Abwehr von ABC-Kampfstoffen sowie die Bekämpfung von Drohnen zu den Aufgaben des neuen Großverbandes.

Henne betont zudem, wie essenziell im Ernstfall eine enge Zusammenarbeit mit Unternehmen sein wird. "Schwere Lkw, der Baumaschinenbereich – hier müssen wir verstärkt auf zivile Qualifikationen zurückgreifen", sagt er und empfiehlt, auch die individuellen Fähigkeiten der Soldaten neu zu bewerten.

"Muss der Soldat den 20-Kilometer-Marsch mit 15 Kilogramm Gepäck bewältigen? Oder können wir diejenigen, die dazu nicht in der Lage sind, anderweitig einsetzen?", fragt er. Und weiter: "Jeder hat spezielle Fähigkeiten, und nahezu jede davon kann für uns von Nutzen sein."

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