Politik

Strafgebühren im Gesundheitswesen? Wie verpasste Termine das System belasten

Angesichts langwieriger Wartezeiten in Facharztpraxen wird nun verstärkt darüber diskutiert, ob finanzielle Sanktionen für unentschuldigt versäumte Termine zu mehr Verbindlichkeit führen könnten. Befürworter argumentieren, dass vergebene Termine anderen Patienten den Zugang zu dringend benötigten medizinischen Leistungen verwehren – ein Umstand, der dringenden Handlungsbedarf signalisiert.
05.04.2025 08:02
Lesezeit: 2 min

Vor dem Hintergrund immer längerer Wartezeiten in vielen Praxen fordern Ärzte erneut Strafgebühren für Patienten, die gebuchte Termine unentschuldigt versäumen. Der Sprecher des Bundesverbandes der Kinder- und Jugendärzte, Jakob Maske, äußerte gegenüber der „Bild“: „Es ist nicht mehr zu akzeptieren, dass Patienten Termine verbindlich vereinbaren und diese nicht wahrnehmen.“ Er betonte, dass solche Versäumnisse anderen wichtigen Terminen den Weg abschneiden. Um das Bewusstsein zu schärfen, sei ein Ausfallhonorar von bis zu 100 Euro – je nach Dauer des vorgesehenen Termins – notwendig.

Der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenkassen wies diese Forderungen jedoch vehement zurück. Sprecher Florian Lanz erklärte der Deutschen Presse-Agentur: „Das entwickelt sich zu einem beschämenden Überbietungswettbewerb, bei dem kranken Menschen immer mehr Geld abgenommen werden soll.“ Er verwies zudem auf die alltäglichen Erfahrungen: Patientinnen und Patienten müssten oft in vollen Wartezimmern ausharren, obwohl bereits ein Termin vereinbart sei.

Auch Andreas Gassen, Chef der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), sieht das Problem: Zehn bis 20 Prozent der gebuchten Termine würden mittlerweile nicht wahrgenommen. Gassen fordert eine Ausfallgebühr von 10 bis 20 Euro, die bereits in vielen anderen Lebensbereichen üblich sei. Diese Gebühr sollte dabei von den Krankenkassen übernommen werden.

Die Diskussion um Strafgebühren für versäumte Termine ist keineswegs neu. Bereits im September hatte Gassen betont: „Eine von den Krankenkassen zu entrichtende Ausfallgebühr wäre angemessen, wenn Versicherte Termine vereinbaren und dann unentschuldigt nicht erscheinen.“ Auch Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) hatte signalisiert, dass ausgefallene Termine eher die Ausnahme als die Regel sein sollten – wenngleich Geldstrafen nicht der richtige Weg seien.

Parallel dazu wird in den laufenden Koalitionsverhandlungen zwischen Union und SPD intensiv über Maßnahmen zur Optimierung des Gesundheitssystems diskutiert. Eine der vorgeschlagenen Ideen ist das „verbindliche Primärarztsystem“, bei dem der Hausarzt als erste Anlaufstelle dient und Patienten nur im Bedarfsfall an Fachärzte weiterleitet. Ziel dieser Maßnahme ist es, Wartezeiten zu verkürzen und die Versorgung gezielter zu gestalten. Gleichzeitig warnte Sprecher Florian Lanz: Es dürfe nicht sein, dass eine junge Mutter, die mit ihrem kranken Kind nicht rechtzeitig zum Kinderarzt kommt, zusätzlich mit einer 100-Euro-Strafe belastet wird.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Panorama
Panorama Forbes-Liste der reichsten Menschen: Elon Musk kann erster Billionär der Welt werden
15.03.2026

In der aktuellen Forbes-Liste der reichsten Menschen liegt Tesla-Chef Elon Musk quasi uneinholbar in Front. Bei einem erfolgreichen...

DWN
Politik
Politik Steuerrecht: Ehegattensplitting vorm Aus? Mehr Arbeitszeit für Frauen nicht lukrativ
15.03.2026

Für viele Frauen lohnt es sich finanziell nicht, in den Job zurückzukehren oder ihre Teilzeit auszubauen, das Ehegattensplitting entpuppt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Industrial Accelerator Act: EU-Kommission stärkt Industriepolitik – Anteil am BIP soll auf 20 Prozent steigen
15.03.2026

Die Europäische Kommission will mit dem Industrial Accelerator Act die Industriepolitik der EU neu ausrichten und die Produktion in Europa...

DWN
Immobilien
Immobilien Immobilien-Prognose 2026: Bremst das Baukreditgeschäft alles aus?
15.03.2026

Nach einem hoffnungsvollen 2025 wird die Preisentwicklung für Immobilien laut Greis-Kaufpreisindex im laufenden Jahr 2026 wieder...

DWN
Finanzen
Finanzen Mazda 6e im Vergleich: Wie wettbewerbsfähig ist das Elektromodell?
15.03.2026

Die neue Mazda 6e entsteht auf chinesischer Plattform und markiert einen strategischen Neustart für die Baureihe Mazda6. Kann das...

DWN
Technologie
Technologie Immer mehr US-Forschende zieht es nach Deutschland
15.03.2026

Aus politischen Gründen geht das Weiße Haus gegen Elite-Unis vor. Für Wissenschaftler und Studierende aus den USA wird Deutschland daher...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft KI trifft auf SaaS: Steht die Softwarebranche vor einem Strukturwandel?
15.03.2026

Künstliche Intelligenz verändert die wirtschaftliche Logik der Softwarebranche und setzt das klassische SaaS-Modell unter Druck. Steht...

DWN
Finanzen
Finanzen Iran-Krieg heizt Energiepreise an: Investoren suchen Absicherung
15.03.2026

Der Iran-Krieg treibt die Energiepreise nach oben und zwingt Investoren weltweit, ihre Strategien angesichts steigender Öl- und Gaspreise...