Finanzen

Deutschland: Leere Kassen im Land - Kommunalpolitiker sind besorgt

Steigenden Ausgaben bei sinkenden Einnahmen – ihre finanzielle Lage beschreiben viele Kommunen als prekär: 70 Prozent gaben in einer Forsa-Umfrage die Finanznot als sehr großes Problem an. Die Aufnahme von Geflüchteten sehen die Kommunalpolitiker dagegen als das kleinere Problem, denn die Kosten werden von Bund und Länder refinanziert.
08.04.2025 09:38
Lesezeit: 2 min

Deutschland: Leere Kassen bei den Kommunen

Die große Mehrzahl der ehrenamtlichen Gemeinde- und Stadtratsmitglieder sieht die schlechte finanzielle Ausstattung ihrer Kommune als drängendste Herausforderung der kommenden Jahre an. In einer von der Körber-Stiftung in Auftrag gegebenen Forsa-Umfrage gaben 70 Prozent der Befragten an, dass fehlende Finanzmittel in den nächsten Jahren für ihre Kommune eine sehr große Herausforderung darstellten, weitere 20 Prozent nannten sie eine große Herausforderung.

Wohnungsnot und Flüchtlingsaufnahme nicht so drängend?

Dagegen sahen zum Beispiel die Wohnungsknappheit nur 20 Prozent als sehr große und 34 Prozent als große Herausforderung an. Auch die Aufnahme von Geflüchteten bereitet den Kommunalpolitikerinnen und -politikern mit 28 beziehungsweise 30 Prozent deutlich kleinere Probleme als die Finanzfrage.

Allerdings sehen die Verantwortlichen in größeren Kommunen den Wohnungsmangel und die Flüchtlingsaufnahme kritischer als die Mandatsträger in kleineren Gemeinden. Und beide Bereiche bereiten den Kommunen im Westen mehr Sorgen als denen in Ostdeutschland.

25 Prozent der befragten Männer und 27 Prozent der Frauen gaben an, dass sie selbst oder Personen aus ihrem privaten Umfeld wegen ihres Amtes schon einmal beleidigt, bedroht oder tätlich angegriffen worden seien. Nur 9 Prozent dachten aus Sorge um ihre eigene Sicherheit beziehungsweise die ihrer Familie schon einmal konkret darüber nach, sich aus der Politik zurückzuziehen.

Viele sehen Nachwuchsprobleme in der Kommunalpolitik

Pessimistisch zeigen sich die meisten Befragten zur Zukunft der kommunalpolitischen Arbeit. Nur 33 Prozent gingen davon aus, dass es dafür genügend geeignete Interessenten und Interessentinnen gibt. 61 Prozent sahen dagegen ein Nachwuchsproblem auf ihren Gemeinde- oder Stadtrat zukommen. Um das Amt attraktiver zu machen, wünschten sich 51 Prozent mehr ideelle Wertschätzung und Anerkennung sowie 49 Prozent eine bessere finanzielle Kompensation.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier hat in Zusammenarbeit mit der Körber-Stiftung für diesen Dienstag rund 100 Amtsträgerinnen und Amtsträger aus ganz Deutschland zu einem Erfahrungsaustausch ins Schloss Bellevue eingeladen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Technologie
Technologie iFLYTEK AINOTE Air 2 bringt KI-gestützte Notizen in ein noch kompakteres E-Ink-Tablet

Für viele Menschen sind die besten Produktivitätstools diejenigen, die nicht versuchen, den gesamten Arbeitstag zu übernehmen. Sie...

X
DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Mexiko: Dank niedriger Löhne sind sie wettbewerbsfähig
04.07.2026

Im vergangenen Jahr wurden dort 4,09 Millionen Fahrzeuge produziert, womit das Land weltweit den siebten Platz einnimmt. Die Branche...

DWN
Finanzen
Finanzen Blitzer, Fahrverbot, Unfallschäden: Die wichtigsten Verkehrsrechtsurteile für Autofahrer in Deutschland
04.07.2026

Einen Moment unaufmerksam, ein Blitzer – und wenig später liegt der Bescheid im Briefkasten. 2025 haben mehrere Gerichte entschieden,...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Mini JCW im Test: Kleiner Flitzer mit großem Preis
04.07.2026

Der Mini JCW fährt sich sportlich, direkt und auffällig wie kaum ein anderes Auto seiner Größe. Doch der Fahrspaß hat seinen Preis,...

DWN
Panorama
Panorama 250 Jahre USA: Warum viele nicht mehr an den amerikanischen Traum glauben
04.07.2026

Die Vereinigten Staaten blicken auf 250 Jahre Geschichte zurück. Doch während das Land sein Jubiläum begeht, wächst die Skepsis über...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unternehmen setzen auf KI: Wer braucht schon Horden von Managern?
04.07.2026

Unternehmen bauen weltweit mittlere Führungsebenen ab und setzen stärker auf KI, Daten und flachere Strukturen. Was das konkret für die...

DWN
Panorama
Panorama Sechs tote Mitarbeiter in Stade – Schwiegermutter von SPD-Migrationsbeauftragtem fuhr Fluchtwagen
03.07.2026

In einer Jugendeinrichtung im niedersächsischen Stade sind sechs Mitarbeiter erschossen wurden. Nun werfen sowohl die Recherchen zur...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Varso Tower: Zweite Glasscheibe fällt vom höchsten Gebäude der EU
03.07.2026

Erst fiel Glas auf eine Straße, jetzt beschädigte eine Scheibe ein Auto: Am Varso Tower in Warschau häufen sich Vorfälle an der...

DWN
Finanzen
Finanzen Ethisches Investieren: Der Vatikan predigt Moral und kauft Tech-Aktien
03.07.2026

Der Vatikan will Geld nach moralischen Kriterien anlegen und landet dabei ausgerechnet bei Meta, Nvidia, Apple, Amazon und Alphabet. Was...