Politik

Handelskrieg eskaliert: Chinas neuer Schritt könnte Produktion von Autos und Kampfjets lahmlegen

Neben der Einführung drastischer Strafzölle haben die USA und China neue Wege gefunden, ihren Handelskonflikt weiter zu eskalieren – mit gezielten Maßnahmen, die den jeweils anderen empfindlich treffen sollen.
17.04.2025 11:35
Aktualisiert: 17.04.2025 13:33
Lesezeit: 3 min
Handelskrieg eskaliert: Chinas neuer Schritt könnte Produktion von Autos und Kampfjets lahmlegen
China trifft mit seinem Ausfuhrstopp vor allem Schlüsseltechnologien. (Foto: dpa) Foto: Str

Ein Handelskrieg eskaliert

Der Handelsstreit ist in eine neue Phase eingetreten. Beide Seiten setzen nun nicht nur auf allgemeine Zölle – die USA haben beispielsweise Strafzölle von bis zu 145 Prozent verhängt – sondern auch auf gezielte Export- und Importbeschränkungen. China hat angekündigt, den Export mehrerer kritischer Mineralien und sogenannter seltener Erden nur noch mit einer speziellen Lizenz zu gestatten. Da das neue Genehmigungssystem noch nicht implementiert ist, wurden die Exporte aus chinesischen Häfen vorerst gestoppt. Sobald westliche Hersteller – insbesondere in der Automobil-, Luftfahrt- und Rüstungsindustrie – ihre Lagerbestände aufgebraucht haben, wird dieser Schritt die Produktion massiv beeinträchtigen.

Ohne China keine Hochtechnologie

Betroffen sind unter anderem sechs schwere Seltene Erden, die ausschließlich in China gefördert werden, sowie ein weiteres magnetisches Produkt, auf das 90 Prozent der weltweiten Produktion entfallen. Diese Rohstoffe sind essenziell für die Herstellung von Elektrofahrzeugen, aber auch für Elektromotoren in herkömmlichen Autos, Computerchips, KI-Anwendungen sowie für militärische Ausrüstung wie Raketen, Drohnen und Roboter. Mit dem neuen Lizenzsystem hat China ein wirksames Druckmittel in der Hand, das je nach Verlauf des Wirtschaftskriegs angepasst werden kann. Gleichzeitig hat das chinesische Handelsministerium eine Reihe amerikanischer Unternehmen – insbesondere aus dem Rüstungsbereich – auf eine schwarze Liste gesetzt. Der Handel mit diesen Firmen ist chinesischen Unternehmen künftig untersagt. Ein gezielter Schlag richtet sich zudem gegen den US-Flugzeugbauer Boeing. Den drei größten staatlichen Fluggesellschaften Chinas – Air China, China Eastern Airlines und China Southern Airlines – wurde untersagt, ihre geplanten Bestellungen von insgesamt 179 Boeing-Flugzeugen bis 2027 umzusetzen.

USA setzen auf Chip-Blockade

Im Gegenzug hat die US-Regierung nicht nur Zölle eingeführt, sondern auch den Export bestimmter Hochtechnologie-Produkte nach China verboten – insbesondere Computerchips mit Bezug zu Künstlicher Intelligenz. Betroffen ist unter anderem der US-Chiphersteller Nvidia, der nun eine Sondergenehmigung benötigt, um speziell für China entwickelte H20-Chips zu exportieren.

Folgen für die Tech-Branche

Nachdem die Biden-Regierung bereits zuvor den Export besonders leistungsfähiger Chips untersagt hatte, führte diese Maßnahme zu einem dramatischen Kurssturz der Nvidia-Aktie. Das Unternehmen rechnet im laufenden Quartal mit einer Abschreibung von 5,5 Milliarden US-Dollar. Auch andere Technologiewerte gerieten unter Druck. Bislang gibt es keine Anzeichen für ein Einlenken – weder in Washington noch in Peking. Der wirtschaftliche Schlagabtausch hat längst geopolitische Dimensionen angenommen: Es geht um die Vorherrschaft in Wirtschaft, Technologie und Militär. Der Chef der Großbank JP Morgan Chase, Jamie Dimon, warnt jedoch eindringlich vor den Folgen und fordert Verhandlungen. In einem Interview mit der Financial Times erklärt er: „Momentan gibt es keinen Kontakt. Das muss nicht ein Jahr warten – es kann morgen beginnen.“

Trump will globale Front gegen China

Die Trump-Administration verfolgt hingegen einen anderen Kurs. Ziel ist es, weltweit möglichst viele Länder für einen wirtschaftlichen Boykott Chinas zu gewinnen. Laut einem Bericht des Wall Street Journal will das Weiße Haus die laufenden Gespräche über Vergeltungszölle dazu nutzen, Verbündete unter Druck zu setzen. Die EU, die in Handelsfragen durch die EU-Kommission vertreten wird, ist ebenfalls betroffen. Demnach sollen die 20-prozentigen US-Zölle auf europäische Exporte nur dann wegfallen oder reduziert werden, wenn sich Europa an der Isolierung Chinas beteiligt. Diese Entscheidung wurde vorerst auf Mitte Juli verschoben. Hinter dieser Strategie steht offenbar US-Finanzminister Scott Bessent, der den Plan Anfang April bei einem Treffen in Mar-a-Lago vorgestellt hat und grünes Licht von Trump erhielt.

Zwischen Wunsch und Realität: US-Kurs bleibt unklar

Unklar bleibt, ob Trump letztlich doch auf ein Gipfeltreffen mit Chinas Präsident Xi Jinping hinarbeitet – oder ob sich die Position der Hardliner in seiner Regierung durchsetzt, die China als den größten Gegner der USA auf allen Ebenen betrachten. Die amerikanischen Forderungen reichen von Importverboten für chinesische Industriegüter bis hin zu Beschränkungen für chinesische Investitionen in Drittstaaten – je nach geopolitischer Nähe des jeweiligen Landes zu China. Die EU könnte sich unter Umständen auf bestimmte Einschränkungen chinesischer Importe einlassen, wie das Beispiel chinesischer Elektroautos zeigt. Doch eine klare Entscheidung für eine Seite – China oder die USA – ist derzeit unwahrscheinlich. Zu tief ist das Misstrauen gegenüber Washington, das sich zunehmend als unzuverlässiger Partner zeigt. So tief, dass EU-Beamte bei Reisen in die USA mittlerweile Wegwerf-Handys und einfache Laptops mitnehmen müssen – Sicherheitsmaßnahmen, die bisher nur für Länder wie China oder Russland galten.

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