Politik

Machtkampf in Washington: Will Trump Fed-Chef Powell stürzen?

Trump plant möglicherweise die Entlassung von Fed-Chef Jerome Powell – ein beispielloser Schritt, der die Unabhängigkeit der US-Notenbank und die Stabilität der Weltwirtschaft gefährdet.
23.04.2025 14:54
Aktualisiert: 23.04.2025 15:00
Lesezeit: 2 min

Donald Trump greift erneut die Unabhängigkeit der US-Notenbank an. Berichten zufolge prüft sein Team aktiv, ob und wie der Präsident den amtierenden Fed-Vorsitzenden Jerome Powell entlassen könnte – ein beispielloser Vorgang mit weitreichenden Folgen für die Weltwirtschaft.

Trump greift Powell direkt an

Die Zeichen stehen auf Sturm. Während die US-Wirtschaft mit anhaltender Inflation und wachsenden Rezessionsrisiken ringt, zeichnet sich im politischen Zentrum der Vereinigten Staaten ein beispielloser Machtkampf ab: Donald Trump will Jerome Powell, den Vorsitzenden der US-Notenbank Federal Reserve, offenbar entlassen.

In einem scharfen Angriff auf Truth Social beschimpfte Trump Powell als „riesigen Verlierer“ und verlieh ihm den Spitznamen „Mr. Too Late“ – eine Anspielung auf die aus seiner Sicht verschlafene Zinssenkungspolitik der Fed. Ein rhetorischer Vorstoß, der nicht nur symbolisch zu verstehen ist.

Darf ein US-Präsident den Chef der Notenbank entlassen?

Die Antwort: Theoretisch nein – praktisch vielleicht. Das US-Gesetz von 1913, der Federal Reserve Act, sieht vor, dass Mitglieder des Gouverneursrats der Fed – darunter Powell – nur „aus triftigem Grund“ abberufen werden dürfen. Doch was als „triftiger Grund“ gilt, ist juristisch dehnbar. Politische Meinungsverschiedenheiten über Zinspolitik und Inflation zählen bislang nicht dazu.

Rechtsexperten sind sich einig: Ein solcher Schritt wäre juristisches Neuland – mit explosivem Potenzial.

Ein Präzedenzfall? Fehlanzeige

Noch nie in der Geschichte der US-Notenbank wurde ein Fed-Chef direkt entlassen. Doch das bedeutet nicht, dass der politische Druck nicht wirkt. Ein Blick in die Vergangenheit zeigt: Auch Präsident Nixon versuchte Anfang der 1970er Jahre, durch indirekten Druck Einfluss auf die Geldpolitik zu nehmen. Fed-Chef Arthur Burns beugte sich damals dem politischen Willen – mit gravierenden Folgen für die Inflation.

Trump auf Kollisionskurs mit der Institution Fed

Im Falle Powells könnte sich Geschichte wiederholen – mit einem Unterschied: Trump denkt offenbar über eine offene Absetzung nach. Laut Wall Street Journal zieht er in Erwägung, Powell durch Kevin Warsh zu ersetzen, einen früheren Fed-Gouverneur mit marktliberalem Profil. Doch Warsh selbst soll Trump vor diesem Schritt gewarnt haben.

Powell kann bleiben – theoretisch

Auch wenn Trump Powell als Vorsitzenden absetzt, bleibt dieser bis Januar 2028 Mitglied im Gouverneursrat – es sei denn, Trump findet einen „triftigen Grund“ für eine komplette Entlassung. Doch dieser Schritt könnte vor Gericht landen – und Powell, dessen Vermögen auf Millionenhöhe geschätzt wird, dürfte nicht zögern, juristisch dagegen vorzugehen.

Was würde eine „Trump-Fed“ bedeuten?

Selbst wenn es Trump gelingt, Powell zu ersetzen, ist eine rasche Zinssenkung keineswegs garantiert. Der Fed-Chef hat im sogenannten FOMC (Federal Open Market Committee), dem zentralen Zinspolitik-Gremium, nur eine Stimme. Die Mehrheit der zwölf stimmberechtigten Mitglieder – darunter regionale Notenbankdirektoren – entscheidet kollektiv.

Aktuell unterstützen zwei von Trump ernannte Mitglieder, Christopher Waller und Michelle Bowman, eine restriktive Geldpolitik. Selbst eine personell veränderte Fed wäre also keineswegs ein Garant für eine „billige Geldschwemme“.

Fazit: Der Angriff auf die Unabhängigkeit der Fed ist real

Die Unabhängigkeit der US-Notenbank war jahrzehntelang ein Grundpfeiler der globalen Wirtschaftsordnung. Sollte es einem Präsidenten – ob Trump oder einem anderen – gelingen, einen Notenbankchef aus politischen Gründen zu entlassen, wäre dies ein Tabubruch mit globalen Folgen.

Finanzmärkte, Anleger und Zentralbanken rund um den Globus beobachten die Entwicklung mit wachsender Nervosität. Denn eines ist klar: Ein politisch kontrolliertes Geldsystem ist nicht nur ein Angriff auf die Unabhängigkeit der Notenbanken – es ist ein Spiel mit dem Feuer.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: US-Aktien schließen im Minus; Trump schießt gegen die Fed
04.09.2026

Spannung an der Wall Street: Was die Märkte jetzt bewegt und warum Anleger aufmerksam bleiben sollten.

DWN
Technologie
Technologie Samsung-Streit: Stadt darf vorerst keine neuen iPads kaufen
04.09.2026

Viele Kommunen setzen bei der Digitalisierung ihrer Schulen auf Tablets von Apple. Doch ein Rechtsstreit mit Samsung zwingt die Stadt...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Apple-Aktie: Die vier wichtigsten Herausforderungen für Apples neuen Chef John Ternus
04.09.2026

Und so beginnt es. John Ternus hat Tim Cook offiziell als Vorstandschef von Apple abgelöst. Und was für ein Imperium er erbt.

DWN
Unternehmensporträt
Unternehmensporträt Neura: Roboter-Attacke aus Schwaben
04.09.2026

Humanoide Roboter verlassen die Labore und sollen bald Fabriken, Krankenhäuser und Haushalte erobern – ein deutsches Unternehmen setzt...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft So geht China mit Photovoltaik gegen Kohle vor
04.09.2026

China baut die Solarenergie in einem Tempo aus, das den globalen Energiemarkt verändert. Die installierte Leistung der Solarkraftwerke...

DWN
Politik
Politik DWN-Podcast Folge 41: Die Woche im Rückblick – KW 36
04.09.2026

Unser neuer Podcast ist da: Die ganze Woche in wenigen Minuten. Der DWN-Wochenrückblick bringt die Themen, die zählen – eingeordnet,...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nvidia-Aktie: Milliardenübernahme von Hugging Face stärkt KI-Geschäft
04.09.2026

Die Nvidia-Aktie rückt nach der Übernahme von Hugging Face erneut in den Fokus. Der Chiphersteller kauft die führende...

DWN
Politik
Politik Thüringen: BSW-Fraktion zerfällt und stürzt Koalition in Krise
04.09.2026

Der Streit im BSW eskaliert: In Thüringen wollen weitere Abgeordnete die regierungstragende Fraktion und die Partei verlassen. Unter ihnen...