Politik

Bye bye, Washington: Elon Musk will erstmal Tesla retten

Elon Musk zieht sich zunehmend aus Washington zurück – und verspricht dafür Millionen autonomer Teslas. Doch die Zweifel an seiner Technologie wachsen, der Gewinn Teslas ist um 71 Prozent eingebrochen. Während Musk groß die Zukunft ankündigt, kämpft sein Unternehmen mit der Realität auf dem Markt.
23.04.2025 09:17
Lesezeit: 4 min
Bye bye, Washington: Elon Musk will erstmal Tesla retten
Ein ausgebrannter Tesla - die neusten Zahlen des Unternehmens sind schlecht, woran auch Elon Musks politische Manöver mit Kettensäge schuld sind. (Foto: dpa) Foto: Christophe Gateau

Musk will mehr Tesla-Chef als Trumps Sparkommissar sein

Der Stern von Elon Musk in Washington sinkt, Tesla verkauft weniger Autos. Jetzt besinnt sich der Tech-Milliardär wieder auf seine Rolle als Firmenchef – und verspricht Millionen selbstfahrender Teslas.

Tech-Milliardär Elon Musk leitet den Rückzug aus Washington ein. Ab Mai werde er "erheblich" weniger Zeit als Sparkommissar von Präsident Donald Trump im Regierungsapparat verbringen, sagte der Tesla-Chef. Stattdessen wolle er sich wieder verstärkt den Belangen des Elektroautoherstellers widmen. Tesla hatte zuvor einen Umsatzrückgang sowie einen Gewinneinbruch für das vergangene Quartal gemeldet.

Ganz aus der Umlaufbahn des US-Präsidenten will Musk jedoch nicht verschwinden. Er wolle sich weiterhin an ein bis zwei Tagen pro Woche mit Regierungsaufgaben befassen – jedenfalls so lange, wie Trump das wünsche. Ansonsten würden Verschwendung und Betrug, die unter seiner Mitwirkung eingedämmt worden seien, wieder zurückkehren, behauptete Musk.

Trumps Geldgeber

Musk wurde im vergangenen Jahr zu einem engen Verbündeten von Trump, dem er mehr als 250 Millionen Dollar für den Wahlkampf ums Weiße Haus spendete. Als Präsident beauftragte Trump ihn mit der Reduzierung der Staatsausgaben. Die politischen Aktivitäten und rechten Positionen machten Musk unpopulärer – was sich auch negativ auf Tesla auswirkte.

Analyst Dan Ives von Wedbush Securities, der sich lange sehr optimistisch zur Zukunft von Tesla äußerte, schätzt, dass Musks Verhalten die Tesla-Nachfrage dauerhaft um fünfzehn bis zwanzig Prozent senken könnte. In einer Umfrage des US-Wirtschaftssenders CNBC äußerten sich rund fünfzig Prozent negativ über Musk – und mehr als siebenundvierzig Prozent hatten auch eine ablehnende Haltung gegenüber Tesla. Im ersten Quartal gingen Teslas Auslieferungen um dreizehn Prozent zurück.

Millionen selbstfahrender Teslas?

Musk kündigt an, selbstfahrende Autos würden die Zukunft von Tesla sichern. Ende Juni soll ein Robotaxi-Dienst im texanischen Austin starten. Zunächst sollen dafür zehn bis zwanzig Fahrzeuge des Kompakt-SUV Model Y zum Einsatz kommen – die Serienproduktion eines Tesla-Robotaxis ohne Lenkrad und Pedale ist erst für das Jahr 2026 geplant. Im Fall von Schwierigkeiten will Tesla auf Fernsteuerung zurückgreifen.

Musk ist überzeugt, dass viele Tesla-Modelle bereits alle notwendigen Komponenten besitzen, um autonom zu fahren. Noch in diesem Jahr wolle man die Funktion zum selbstständigen Fahren in mehreren US-Städten auch für Privatkunden freischalten. Man werde sich dann schlafend ans Ziel bringen lassen können, sagte er. Ein Versprechen, das Musk bereits 2017 innerhalb von zwei Jahren in Aussicht gestellt hatte.

Anhaltende Skepsis in der Branche

Branchenexperten und Konkurrenten äußern seit Jahren große Zweifel an Musks Versprechen zum autonomen Fahren. Einer der Gründe: Musk besteht darauf, ausschließlich mit Kameras und KI-Software zu arbeiten, ohne die teureren Laser-Radare, auf die etwa die Google-Schwesterfirma Waymo setzt. Musks Ansatz ist deutlich günstiger, doch Kritiker warnen, dass Kameras allein keine ausreichende Sicherheit gewährleisten könnten.

Andere Hersteller lehnen es kategorisch ab, Fahrzeuge nur mit Kameras auf die Straße zu schicken. So äußerte sich BMW-Entwicklungsvorstand Frank Weber jüngst unmissverständlich: "Für uns ist das völlig klar, dass das nicht geht." Eine Kamera erkenne etwa keine Palette, die auf der Fahrbahn vor dem Auto liege, argumentierte er am Rande der Technik-Messe CES im Januar.

Musks Hintertür

Das Dilemma für Waymo: Zwar fahren deren Robotaxis bereits erfolgreich in mehreren Städten, doch die hohen Fahrzeugkosten erschweren ein rentables Geschäftsmodell. Musk behauptete daher, Teslas Preisvorteil werde dem Unternehmen innerhalb kurzer Zeit einen Marktanteil von mehr als neunzig Prozent im Robotaxi-Segment sichern. Er wies auch ausdrücklich zurück, dass starkes Sonnenlicht die Kameras blenden könne.

Gleichzeitig schränkte der Tesla-Chef ein, dass die ehrgeizigen Autonomie-Pläne durch die "regulatorische Situation" verzögert werden könnten. Die US-Verkehrsbehörden hatten in der Vergangenheit mehrfach gezögert, Genehmigungen für autonome Fahrzeuge aufrechtzuerhalten, wenn Probleme auftraten.

Die Uhr lief für Musk in Washington ohnehin ab

Musk trat in Washington formell als "besonderer Regierungsangestellter" auf. Diesen Status kann man höchstens für einhundertdreißig Tage innehaben, insofern müsste seine Zeit in der US-Hauptstadt ohnehin Ende Mai enden. Andererseits lässt sich die Dauer verlängern, wenn man nur in Teilzeit tätig ist.

Musks Position im Trump-Umfeld galt bereits in den vergangenen Wochen als geschwächt – insbesondere, nachdem er sich im Wahlkampf um einen bedeutenden Richterposten im Bundesstaat Wisconsin engagiert hatte und der von ihm unterstützte republikanische Kandidat verlor.

Der Tech-Milliardär erklärte zudem, bereits große Fortschritte bei der Kostensenkung erzielt zu haben. Er behauptete darüber hinaus, dass die Proteste gegen ihn und Tesla von jenen organisiert würden, die sich bislang durch Betrug auf Kosten des Staates bereichert hätten.

Gewinneinbruch von einundsiebzig Prozent

Kurz vor Musks Ankündigung meldete Tesla deutliche Rückgänge bei Umsatz und Gewinn. Die Erlöse sanken im Jahresvergleich um neun Prozent auf gut 19,3 Milliarden Dollar. Der Gewinn brach um einundsiebzig Prozent auf 409 Millionen Dollar ein. Damit verfehlte Tesla die Erwartungen der Analysten.

Zugleich bestätigte Tesla, dass noch im ersten Halbjahr 2025 die Produktion günstigerer Modellvarianten beginnen solle. Allerdings wurde deutlich, dass diese den bisherigen Fahrzeugen wie Model Y und Model 3 stark ähneln dürften.

Nach Musks Aussagen stieg die Aktie im nachbörslichen Handel um mehr als fünf Prozent.

Rückgang der Auslieferungen

Die Ergebnisse kamen nicht überraschend: Teslas Auslieferungen gingen im ersten Quartal um dreizehn Prozent auf 336.681 Fahrzeuge zurück. Wie stark einzelne Ursachen zu diesem Rückgang beigetragen haben, ist schwer zu beziffern. Neben den Kontroversen um Musk dürfte auch der Übergang zu einer überarbeiteten Generation des Verkaufsschlagers Model Y eine Rolle gespielt haben.

Tesla hatte Anfang des Jahres seine Produktionslinien umgestellt. Deshalb ruhte die Fertigung einige Wochen. Gleichzeitig sank für Kaufinteressenten der Anreiz, noch ein Fahrzeug der alten Y-Version zu erwerben.

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