Politik

Ukraine-Krieg: Trump glaubt an Deal mit Moskau – und kritisiert Selenskyj

Donald Trump sieht eine Einigung mit Russland zum Greifen nah – und gibt Präsident Selenskyj die Schuld an der Fortdauer des Krieges. Der ukrainische Staatschef kontert scharf und reist nach Südafrika, um dort über Frieden zu sprechen. Während in Kiew russische Drohnen einschlagen, positionieren sich die internationalen Akteure neu. Doch was steckt wirklich hinter Trumps Vorstoß?
24.04.2025 09:09
Lesezeit: 3 min

Trump sieht greifbare Einigung mit Russland

US-Präsident Donald Trump hält eine Vereinbarung mit Russland zur Beendigung des Kriegs in der Ukraine für realistisch und erhebt schwere Vorwürfe gegen den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj. "Ich glaube, wir haben einen Deal mit Russland", sagte Trump in Washington. "Wir müssen eine Vereinbarung mit Selenskyj schließen."

Kurz zuvor hatte Trump Selenskyj beschuldigt, den Krieg durch aufhetzende Aussagen zu verlängern. Der ukrainische Präsident wiederum wies Trumps Linie erneut zurück, wonach sein Land für den Frieden auf die von Russland annektierte Schwarzmeer-Halbinsel Krim verzichten solle.

"Die Ukraine wird stets im Einklang mit ihrer Verfassung handeln, und wir sind absolut überzeugt, dass unsere Partner – insbesondere die USA – ihre klaren Entscheidungen einhalten werden", erklärte Selenskyj in einer Mitteilung, die er bei Telegram und auf der Plattform X veröffentlichte. Er fügte die Krim-Erklärung der USA aus dem Jahr 2018 bei, in der Russland zum Rückzug von der völkerrechtlich zur Ukraine gehörenden Halbinsel aufgefordert wird.

Trumps Kritik: Verzögerung durch Selenskyjs Haltung

Trump warf Selenskyj vor, mit seiner Haltung den Krieg in die Länge zu ziehen. "Wenn er die Krim haben will, warum haben sie dann nicht schon vor elf Jahren darum gekämpft, als sie ohne einen Schuss an Russland übergeben wurde?", schrieb Trump auf seiner Plattform Truth Social. Solche aufhetzenden Aussagen erschwerten die Beilegung des Krieges. "Diese Aussage ist sehr schädlich für die Friedensverhandlungen mit Russland", schrieb der US-Präsident.

Später erklärte Trump, er habe angenommen, die Verhandlungen mit Selenskyj würden einfacher verlaufen. "Bis jetzt war es schwieriger, aber das ist okay." Trump ließ offen, ob er den ukrainischen Präsidenten am Samstag bei den Trauerfeierlichkeiten für Papst Franziskus in Rom treffen werde.

Trump warnt vor Verlust der gesamten Ukraine

Trump warnte Selenskyj, er könne angesichts der prekären Lage weitere Gebiete verlieren. "Er kann Frieden haben, oder er kann noch weitere drei Jahre kämpfen, bevor er das ganze Land verliert", meinte der US-Präsident. Selenskyj sei ein Mann ohne Trümpfe und sollte sich auf einen Friedensschluss einlassen, so Trump.

Russland verlangt, dass die Ukraine auf die Krim und vier weitere Regionen verzichtet – als Voraussetzung für Frieden in dem Krieg, den Moskau seit mehr als drei Jahren gegen das Nachbarland führt. Kremlsprecher Dmitri Peskow sagte im Interview mit dem französischen Magazin "Le Point", die ukrainischen Truppen müssten sich aus den von Russland einverleibten Gebieten zurückziehen, wenn Kiew Frieden wolle.

Selenskyjs Reise nach Südafrika

Selenskyj will heute in Südafrika über Wege zum Frieden sprechen. Laut Angaben aus Pretoria ist der Besuch Teil laufender Vermittlungsgespräche. Südafrika führt seit Juni 2023 eine afrikanische Friedensinitiative zum Ukraine-Krieg an. Zudem sollen die bilateralen Beziehungen vertieft werden. Selenskyj veröffentlichte bei Telegram Bilder von seiner Ankunft am Flughafen.

Neue Angriffe auf Kiew in der Nacht

Russland griff nach ukrainischen Angaben in der Nacht erneut mit Drohnen die Hauptstadt Kiew an. Bürgermeister Vitali Klitschko schrieb bei Telegram, in mehreren Bezirken seien Wohnhäuser und Autos getroffen worden, die in Flammen standen. Ein Gebäude sei zerstört worden, unter den Trümmern würden Menschen vermutet. Bei den Angriffen starben mindestens zwei Menschen, 54 weitere wurden verletzt. 38 kamen in Krankenhäuser, darunter sechs Kinder. Klitschko rief die Bevölkerung auf, Schutzräume aufzusuchen.

Ukrainische Medien berichteten zudem von russischen Luftangriffen in weiteren Teilen des Landes. So meldete die "Ukrajinska Prawda", das Land stehe unter massivem Beschuss. In mehreren Städten habe es Explosionen gegeben. "Sehr laut im ganzen Land." Die Ukraine verteidigt sich seit mehr als drei Jahren gegen den russischen Angriffskrieg.

Beratungen in London bleiben vage

Am Mittwoch fanden in London Gespräche auf Beraterebene über einen möglichen Frieden in der Ukraine statt. Konkrete Ergebnisse wurden nicht bekanntgegeben. Selenskyj räumte mit Blick auf die Krim-Debatte ein, dass es ein Tag mit starken Emotionen gewesen sei. Gleichzeitig lobte er die Gespräche zwischen Vertretern der Ukraine, der USA, Großbritanniens, Frankreichs und Deutschlands als Schritt in Richtung Frieden. "Wir sind unseren Partnern dankbar", sagte Selenskyj.

Jermak: Feuerpause als erster Schritt

Selenskyjs Bürochef Andrij Jermak berichtete nach dem Austausch mit dem US-Gesandten Keith Kellogg in London: "Wir haben unsere Position dargelegt und betont, dass eine sofortige, vollständige und bedingungslose Feuerpause der erste Schritt für Verhandlungen über einen gerechten und dauerhaften Frieden sein muss", erklärte er bei Telegram. Die Ukraine werde ihre fundamentale Position unter allen Umständen verteidigen.

Witkoff reist erneut nach Moskau

Der US-Sondergesandte Steve Witkoff, der nicht an den Londoner Gesprächen teilgenommen hatte, soll noch diese Woche erneut nach Moskau reisen, um mit dem russischen Präsidenten Wladimir Putin über eine Beendigung des Angriffskrieges zu beraten. Die US-Nachrichtenseite "Axios" schrieb, Witkoff werde voraussichtlich am Freitag den Kremlchef treffen. Witkoff war bereits mehrfach zu direkten Gesprächen mit Putin nach Russland gereist. Zuletzt traf er ihn am elften April in St. Petersburg.

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