Wirtschaft

Unternehmer weltweit in Alarmbereitschaft: Handelskriege, Schuldenkrisen und KI – Was kommt als Nächstes?

UBS-Report: Unternehmer zwischen Angst vor Handelskriegen, Hoffnungen auf KI und dem Wettlauf um Nachhaltigkeit.
01.05.2025 11:02
Lesezeit: 3 min

Die Sorgen der Unternehmer weltweit sind vielfältig, wie der UBS Global Entrepreneur Report 2025 offenlegt. Während sich amerikanische Unternehmer zunehmend um Handelskriege und politische Turbulenzen im eigenen Land sorgen, blicken ihre europäischen Kollegen angesichts von Schulden und wirtschaftlicher Stagnation in Europa mit Besorgnis auf die kommenden Monate. Der Bericht beleuchtet nicht nur die Herausforderungen, sondern auch die Investitionspläne und strategischen Ausrichtungen von Unternehmern aus beiden Kontinenten.

Optimismus in den USA, Zurückhaltung in Europa

Trotz globaler Unsicherheiten zeigt sich eine klare Kluft in der Wahrnehmung der Zukunft. Ganze 71 Prozent der amerikanischen Unternehmer geben an, optimistisch in das kommende Jahr zu blicken, was die Aussichten ihrer Branche betrifft. Im Gegensatz dazu sind nur 51 Prozent der europäischen Unternehmer dieser Meinung. Diese Diskrepanz ist ein klarer Indikator für die unterschiedlichen wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen in den beiden Regionen.

Ein wichtiger Unterschied zeigt sich in den geplanten Investitionen. Amerikanische Unternehmer setzen auf größere Investitionen in Ausrüstung und Maschinen (58 Prozent), während ihre europäischen Kollegen die digitale Transformation und IT-Investitionen mit 59 Prozent priorisieren. Beide Gruppen planen jedoch signifikante Mittel für Personalinvestitionen ein, was die Bedeutung der Rekrutierung und Bindung von Talenten unterstreicht.

Rekrutierung und Fachkräftemangel als große Herausforderungen

Der UBS Global Entrepreneur Report macht deutlich, dass die Rekrutierung von Fachkräften ein zentrales Thema bleibt. Über 50 Prozent der Unternehmer weltweit berichten von Schwierigkeiten bei der Einstellung neuer Mitarbeiter. Fast die Hälfte der Unternehmen sieht sich gezwungen, Gehälter und Prämien zu erhöhen, um ihre Mitarbeiter zu halten. Besonders in den USA sorgen sich Unternehmer aufgrund von Handelskonflikten und Zöllen über die Auswirkungen auf die Arbeitsmärkte.

Künstliche Intelligenz als Schlüsseltechnologie

Ein weiterer wichtiger Punkt des Berichts ist die Rolle der Künstlichen Intelligenz (KI). Sowohl europäische als auch amerikanische Unternehmer erkennen das enorme Potenzial von KI, insbesondere in den Bereichen Kundendienst, Produktivitätssteigerung und Automatisierung von Prozessen. Der Trend zur Rationalisierung von Arbeitsabläufen könnte jedoch auch Arbeitsplatzverluste zur Folge haben. Besonders in Europa und den USA gibt es eine starke Fokussierung auf KI als Wachstumsmotor, wobei die Technologie als ein Mittel zur Verbesserung der Effizienz und Servicequalität angesehen wird.

Diversität und Nachhaltigkeit als Schlüsselfaktoren in Europa

Während in den USA die Förderung von Vielfalt und Inklusion weniger im Vordergrund steht, ist dieses Thema für 53 Prozent der europäischen Unternehmer von zentraler Bedeutung. In den USA hingegen verfolgen nur 34 Prozent der Unternehmer eine aktive Strategie zur Förderung von Vielfalt und fairen Arbeitspraktiken. Diese Differenz könnte auch als Reaktion auf die politische Ausrichtung der US-Regierung in Bezug auf Arbeitsrecht und Gleichberechtigung verstanden werden.

Ein auffälliger Unterschied zeigt sich auch im Bereich der Nachhaltigkeit. 72 Prozent der europäischen Unternehmer geben an, in den nächsten Jahren in Energieeffizienz und CO2-Reduzierung zu investieren. In den USA sind es lediglich 42 Prozent. Diese Diskrepanz reflektiert die unterschiedlichen politischen Prioritäten, wobei Europa deutlich weiter fortgeschritten in der Umsetzung von grünen und nachhaltigen Geschäftspraktiken scheint.

Politische Instabilität und geopolitische Spannungen als zentrale Risiken

Die amerikanischen Unternehmer zeigen sich bereits besorgt über die Auswirkungen von Handelskriegen und Zöllen. Doch nicht nur kurzfristige geopolitische Spannungen sorgen für Unsicherheit. Laut dem UBS Global Entrepreneur Report blicken Unternehmer sowohl in den USA als auch in Europa mit Sorge auf die politische Instabilität, mögliche Steuererhöhungen und anhaltende geopolitische Konflikte. Diese Faktoren werden als wesentliche Risiken für die kommenden Jahre identifiziert.

In den nächsten zwölf Monaten könnten zudem Änderungen in der Gesetzgebung und steigende Bedrohungen durch Cyberkriminalität das Potenzial haben, die Branchen negativ zu beeinflussen. Insbesondere die Einhaltung neuer gesetzlicher Vorschriften wird als große Herausforderung wahrgenommen.

Fazit: Globaler Pessimismus, aber auch Chancen durch Technologie

Die Einschätzungen der Unternehmer im UBS Global Entrepreneur Report 2025 verdeutlichen, wie sehr politische und wirtschaftliche Unsicherheiten die Stimmung weltweit beeinflussen. In den USA sorgen vor allem Handelskonflikte und innenpolitische Turbulenzen für Sorgen, während in Europa wirtschaftliche Stagnation und hohe Schuldenlast die Unternehmer belasten. Trotz dieser Herausforderungen erkennen sowohl amerikanische als auch europäische Unternehmer das Potenzial von KI, digitalen Transformationen und Nachhaltigkeitsinvestitionen als Chancen, um langfristig wettbewerbsfähig zu bleiben.

Die Unterschiede zwischen den beiden Kontinenten in Bezug auf Investitionsstrategien, Personalpolitik und Nachhaltigkeit könnten jedoch langfristig zu unterschiedlichen wirtschaftlichen Ergebnissen führen. Unternehmer müssen sich darauf einstellen, dass die kommenden Jahre von politischen und technologischen Veränderungen geprägt sein werden, die sowohl Chancen als auch Risiken mit sich bringen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Finanzen
Finanzen US-Marktbericht: Wall Street beendet den Monat auf einem Hoch
30.04.2026

Was hinter der außergewöhnlichen Rallye steckt und warum dieser Börsenmonat in Erinnerung bleiben wird.

DWN
Politik
Politik Deutschland rüstet auf: Merz setzt auf europäische Führungsrolle
30.04.2026

Deutschland erhöht seine Verteidigungsausgaben massiv und stellt damit die Machtbalance in Europas Sicherheitspolitik neu zur Disposition....

DWN
Politik
Politik Rente als Basisabsicherung? Rente nicht mehr sicher - Altersarmut auf Ansage
30.04.2026

Der Bundeskanzler löst mit seiner Aussage, dass die staatliche Rente als eine „Basisabsicherung“ nicht mehr reichen wird, große...

DWN
Politik
Politik Moskau droht mit Konsequenzen: Selenskyj provoziere Atomkrieg
30.04.2026

Das russische Außenministerium hat dem ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj das Heraufbeschwören eines Atomkriegs vorgeworfen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Preisschock vor der Entlastung: Historischer Sprung an den Zapfsäulen
30.04.2026

Eigentlich sollten Autofahrer ab Mitternacht durch den neuen Tankrabatt aufatmen können – doch kurz vor dem Start der Steuersenkung...

DWN
Immobilien
Immobilien Warnsignal für den Immobilienstandort: Justiz-Debakel um Bauruine belastet Investitionsklima
30.04.2026

Der Fall des Fellbacher „Schwabenlandtowers“ entwickelt sich von einem lokalen Bau-Skandal zu einem besorgniserregenden Lehrstück für...

DWN
Politik
Politik Gesundheitsreform auf dem Weg: Das sind die wichtigsten Änderungen
30.04.2026

Die Bundesregierung hat die Gesundheitsreform auf den Weg gebracht. Der Gesetzesentwurf bringt für Versicherte zahlreiche Änderungen –...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Teuerung in der Eurozone: Iran-Krieg treibt Inflationsrate auf 3,0 Prozent
30.04.2026

Der Ölpreisschub infolge des Iran-Krieges hat die Inflation im Euroraum im April massiv angeheizt. Nach ersten Schätzungen des...