Unternehmen

Wirtschaft: Wie wenig Unternehmen wirklich Deutschlands Wachstum und Wohlstand produzieren

Analyse des McKinsey Global Institute (MGI) zeigt: Statt Effizienzsteigerung in der Breite treiben nur wenige deutsche Unternehmen den Produktivitätsfortschritt: Nur 13 Unternehmen stehen für rund 65 % des gesamten Produktivitätswachstums. Was zeichnet sie aus, wer gehört dazu?
13.07.2025 18:39
Lesezeit: 2 min
Wirtschaft: Wie wenig Unternehmen wirklich Deutschlands Wachstum und Wohlstand produzieren
McKinsey-Auswertung: Wenige Unternehmen, darunter Hapag-Lloyd, steuern das deutsche Produktivitätswachstum. (Foto: dpa) Foto: Christian Charisius

Eine höhere Produktivität ist nach fünf Jahren Stagnation der Schlüssel zu mehr Wachstum in Deutschland – nur so können Unternehmen im globalen Wettbewerb mithalten.

Eine neue McKinsey-Auswertung stellt nun die gängige Meinung auf den Kopf, dass Produktivitätswachstum nur dann erreicht wird, wenn viele Unternehmen gleichzeitig Fortschritte machen. Stattdessen zeigt die Analyse, dass nur eine kleine Gruppe von Firmen für den Großteil des Wachstums verantwortlich ist.

McKinsey-Studie: 13 Unternehmen in Deutschland stehen für 65 % des Produktivitätsfortschritts

Der wahre Fortschritt kommt demnach eher von „einigen wenigen Unternehmen, die eine Meile vorankommen“, statt von „vielen, die einen Zentimeter schaffen“, heißt es.

Das McKinsey Global Institute (MGI) untersuchte zwischen 2011 und 2019 das Wachstum von 8300 Unternehmen in den USA, Großbritannien und Deutschland. Die Studie konzentrierte sich auf die Bruttowertschöpfung pro Mitarbeiter – also die Produktionswerte nach Abzug der Vorleistungen – und wählte diesen Zeitraum, weil er ohne große Krisen wie die Finanzkrise oder die Corona-Pandemie war.

Ergebnis: Deutschlands Wachstum und Wohlstand hängt an wenigen Konzernen

In Deutschland machten 13 Unternehmen rund 65 Prozent des gesamten Produktivitätswachstums aus, was nur 0,4 Prozent der untersuchten Firmen entspricht. Ein Szenario mit 20 weiteren Unternehmen wie diesen würde das Produktivitätswachstum sogar verdoppeln. Das verdeutlicht: Der wirtschaftliche Fortschritt hängt vor allem von einer kleinen Zahl von Vorreitern ab.

Was diese Unternehmen erfolgreich macht?

Sie steigern ihre Produktivität nicht nur durch Effizienzgewinne, sondern durch gezielte strategische Entscheidungen: sei es durch innovative Geschäftsmodelle, technologische Weiterentwicklungen oder eine starke Fokussierung auf besonders produktive Märkte und Produkte. In Deutschland gehören Unternehmen wie Zalando, Rewe, Carl Zeiss, Airbus, Hapag-Lloyd und MTU Aero Engines zu den produktiven Vorreitern.

Jan Mischke, Partner bei McKinsey und Mitautor der Studie, sagt: „Nicht die Vielzahl aller Unternehmen, sondern die Skalierung weniger, hochdynamischer Firmen bringt den Produktivitätszuwachs.“

Strukturelle Herausforderungen: Geringe Marktdynamik bremst Fortschritt

Deutschlands Unternehmen sind in den dynamischsten Sektoren unterrepräsentiert. Die Studie identifiziert drei Handlungsfelder: Investitionen in Zukunftsfelder, Marktdynamisierung, Talentförderung.

Im internationalen Vergleich weist Deutschland zudem eine höhere Anzahl von Unternehmen auf, die trotz geringer Produktivität nicht restrukturieren oder aus dem Markt austreten – und damit das bereits erzielte Wachstum weitgehend zunichtemachen. Gleichzeitig ist die Mobilität von Arbeitskräften von weniger produktiven hin zu hochproduktiven Unternehmen geringer ausgeprägt als etwa in den USA.

Fazit und zentrale Botschaft der Studie

Es geht nicht nur um Effizienz, sondern auch um den Mut, neue Wege zu gehen und zu innovieren. Deutschland hat in traditionellen Industrien wie der Automobilbranche starke Player. Aber in Wachstumsbereichen wie Elektronik oder Halbleitern hinkt das Land hinterher. Hier liegt eine der größten Herausforderungen für die Zukunft.

Für die Zukunft müsse der Fokus daher mehr auf Innovation und nicht nur auf Effizienz liegen, sagt Mitautor der Studie Jan Mischke.

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Mirell Bellmann

Mirell Bellmann schreibt als Redakteurin bei den DWN über Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Zuvor arbeitete sie für Servus TV und den Deutschen Bundestag.

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