Politik

Merz bei Brigade in Litauen: Jeder Zentimeter Nato-Gebiet wird verteidigt

Die Stationierung der Brigade Litauen markiert eine sicherheitspolitische Wende für Deutschland und Europa. Ist das die Antwort auf Russlands Drohkulisse oder ein riskanter Kraftakt?
23.05.2025 11:25
Lesezeit: 2 min
Merz bei Brigade in Litauen: Jeder Zentimeter Nato-Gebiet wird verteidigt
Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) spricht auf einer Pressekonferenz nach dem Treffen mit Litauens Präsident G. Nauseda im Präsidentenpalast (Foto: dpa). Foto: Michael Kappeler

Merz: Jeder Meter Nato-Gebiet wird verteidigt

Bundeskanzler Friedrich Merz hat mit Blick auf die Brigade Litauen entschlossene Maßnahmen Deutschlands zur militärischen Verteidigung innerhalb des Nato-Bündnisses betont. Dabei unterstützt die Bundesregierung auch die Pläne von Nato-Generalsekretär Mark Rutte, die Verteidigungsausgaben auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsproduktes zu erhöhen und weitere 1,5 Prozent in die militärische Infrastruktur zu investieren, sagte der CDU-Chef in Vilnius.

"Das sind zwei Zahlen, denen wir uns aus der Sicht der Bundesregierung nähern könnten. Sie erscheinen uns vernünftig, sie erscheinen uns auch erreichbar, jedenfalls in der vorgegebenen Zeitspanne bis zum Jahr 2032", sagte Merz. Anlass seines Besuchs war die Aufstellung der Brigade in Litauen.

Litauen als Symbol eines Wandels

"Wer einen Verbündeten bedroht, muss wissen, dass das gesamte Bündnis gemeinsam jeden Zentimeter des Nato-Territoriums verteidigen wird", sagte Merz bei der offiziellen Aufstellung der Panzerbrigade 45, die als Brigade Litauen firmiert und als erster fester Großverband der Bundeswehr dauerhaft im Ausland stationiert wird.

Für Merz markiert die Brigade in Litauen den Beginn einer "neuen Ära" für die Bundeswehr. Er unterstrich sein Ziel, die Bundeswehr zur stärksten konventionellen Armee Europas zu machen. "Das ist dem bevölkerungsreichsten und wirtschaftsstärksten Land Europas angemessen", erklärte er.

Feierliche Indienststellung in Vilnius

Zur feierlichen Indienststellung mit 800 Soldaten auf dem Kathedralenplatz in Vilnius reiste auch Verteidigungsminister Boris Pistorius (SPD) an. Er bezeichnete Russland als die auf absehbare Zeit größte Bedrohung für den Frieden in Europa. "Abschreckung und Verteidigung sind Deutschlands Top-Prioritäten", betonte er.

Man müsse vorbereitet sein und dies auch zeigen. "Die kommenden Monate und Jahre werden Abstimmung, Entschlossenheit und Durchhaltevermögen erfordern. Aber vor allem werden Vertrauen und Einigkeit nötig sein", sagte Pistorius. Und: "Es kann und darf keinen Zweifel geben, dass wir unsere Verpflichtungen erfüllen werden."

Litauen betont symbolische Bedeutung

Der litauische Präsident Gitanas Nauseda sprach von einem historischen Tag. "Ein Tag des Vertrauens, der Verantwortung und des Handels", sagte er. Dies zeige allen, dass die Sicherheit Litauens zur Sicherheit Deutschlands geworden sei – ein direktes Zeichen der engen Verbindung im Nato-Bündnis.

Pistorius hatte die Entscheidung im Juni 2023 bei einem Besuch in Litauen bekannt gegeben. Er erinnerte daran, dass Deutschland einst an der Ostflanke der NATO lag und sich auf die Unterstützung durch das Bündnis verlassen musste – ein Punkt, der durch die neue Brigade Litauen aufgegriffen wird.

Truppenaufbau bis 2027 geplant

Die Panzerbrigade 45 soll bis 2027 einsatzbereit sein. Geplant ist eine dauerhafte Stationierung von bis zu 5.000 Soldaten. Der Hauptstandort wird eine neue Kaserne mit Übungsplatz in Rudninkai sein, nahe der Grenze zu Belarus. Bis zur Fertigstellung dienen litauische Kasernen nahe Vilnius als Übergangslösung.

Soldaten und Familien sollen in Vilnius und Kaunas wohnen. Dort entstehen jeweils eine Schule und ein Kindergarten. Die Bundeswehr ist bereits seit 2017 in Litauen präsent, derzeit mit rund 400 Soldaten – der Aufbau der Brigade Litauen bedeutet hier eine deutliche Verstärkung.

Strategischer Wert für die Allianz

Litauen grenzt an das mit Russland verbündete Belarus und an die russische Exklave Kaliningrad. Zwischen beiden verläuft ein schmaler Korridor – die Suwalki-Lücke –, über den ein Angriff das Baltikum vom übrigen NATO-Raum trennen könnte. Die Brigade Litauen gilt daher als strategisch wichtig.

Mit nur 15.000 Soldaten, davon 3.500 Wehrpflichtige, verfügt Litauen über eine kleine Armee. Bis 2030 soll sie auf 17.000 bis 18.000 Soldaten wachsen – unterstützt durch die deutsche Präsenz der Brigade Litauen, ein bedeutendes Zeichen für das gesamte Bündnis.

Ambitionierte Verteidigungsausgaben

Der Ukraine-Krieg wird in Litauen als akute Bedrohung wahrgenommen. Die Regierung in Vilnius plant daher, ab dem kommenden Jahr zwischen fünf und sechs Prozent des Bruttoinlandsproduktes in Verteidigung zu investieren. Damit unterstreicht Litauen seine Führungsrolle an der Ostflanke – Seite an Seite mit der Brigade Litauen.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen Gold als strategischer Anker: Warum physische Substanz zählt

Wo sich die wirtschaftlichen Gewichte grundlegend verschieben, suchen Unternehmen sowie Privatanlegerinnen und Privatanleger nach...

X

DWN-Wochenrückblick

Weniger E-Mails, mehr Substanz: Der DWN-Wochenrückblick liefert 1x/Woche die wichtigsten Themen kompakt als Podcast. Für alle, deren Postfach überläuft.

E-mail: *

Ich habe die Datenschutzerklärung sowie die AGB gelesen und erkläre mich einverstanden.

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Arbeitskosten in Deutschland: So stark unterscheiden sich die Regionen
05.11.2026

Die Kosten einer Arbeitsstunde liegen in Deutschland regional weit auseinander. Besonders deutlich zeigt sich das Gefälle zwischen...

DWN
Technologie
Technologie Roboter im Stromnetz: Eon testet humanoide Helfer gegen Fachkräftemangel
05.11.2026

Humanoide Roboter könnten künftig Fachkräfte im Stromnetz bei Kontrollen und gefährlichen Arbeiten unterstützen. Eon, EnviaM und Neura...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Nike-Aktie in der Krise: Rund 200 Milliarden Dollar vernichtet
05.11.2026

Jahrzehntelang galt Nike als nahezu unantastbar. Doch strategische Fehlentscheidungen, vernachlässigte Innovationen und aufstrebende...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Haushalte in Deutschland schrumpfen bis 2050 – Osten besonders betroffen
05.11.2026

Die Zahl der Privathaushalte in Deutschland könnte bis 2050 erstmals seit der Wiedervereinigung sinken. Nach Berechnungen des...

DWN
Unternehmen
Unternehmen DHL unter Druck: Deutschlandgeschäft bremst Wachstum deutlich
05.11.2026

Das Deutschlandgeschäft entwickelt sich für DHL zunehmend zum Problem. Während der Konzern international kräftig wächst, bricht das...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Investitionen in Deutschland schwächeln: DIHK warnt vor Folgen für Jobs
05.11.2026

Die deutsche Wirtschaft hellt sich etwas auf, doch bei Investitionen bleiben viele Unternehmen vorsichtig. Laut DIHK will nicht einmal...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Klimaneutralität verfehlt: Allianz sieht Deutschland erst 2051 am Ziel
05.11.2026

Deutschland, Europa und die Welt kommen beim Klimaschutz voran, aber nicht schnell genug. Nach Berechnungen der Allianz wird das Ziel der...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Probezeit: Was ist zu beachten?
05.11.2026

Die Stellenausschreibung wurde veröffentlicht, Vorstellungsgespräche geführt und endlich scheint derpassende Kandidat...