Technologie

Fahrerlose Taxis in Hessen: Chinesische Technik, deutscher Pilotbetrieb

In Deutschland startet das erste Pilotprojekt für autonome Taxis: Ohne Fahrer, aber mit Überwachung aus der Ferne. Ein Modell mit Potenzial – und Risiko.
01.06.2025 17:34
Lesezeit: 2 min

Künstliche Intelligenz ersetzt den Fahrer

In Deutschland ist heute ein landesweiter Pilotversuch für autonome Taxis gestartet – unterstützt vom Rhein-Main-Verkehrsverbund (RMV) und der Deutschen Bahn. Die Fahrten können, wie bei klassischen Taxis, per Smartphone-App gebucht werden. Es ist das erste Projekt seiner Art in Deutschland, bei dem Fahrzeuge im autonomen Fahrmodus der Stufe 4 unterwegs sind.

Die eingesetzten Fahrzeuge stammen vom chinesischen Hersteller Nio und sind Teil des Projekts „Kira“. Während der Pilotphase kommen zunächst sechs vollelektrische SUV des Modells ES8 zum Einsatz. Sie sind mit modernster Sensorik, Kameras, Lidar-Technologie und Software des Unternehmens Mobileye ausgestattet. Diese ermöglicht hochautomatisiertes Fahren – auch ohne Fahrer an Bord.

Menschliche Aufsicht aus der Ferne – als Antwort auf den Fahrermangel

Trotz der autonomen Fahrweise werden die Fahrzeuge aus einem Kontrollzentrum heraus überwacht. Bei Bedarf können die dort stationierten Operatoren per Fernzugriff eingreifen. Damit reagiert das System auf den zunehmenden Fachkräftemangel im Transportsektor: Ein einzelner Operator kann mehrere Fahrzeuge gleichzeitig betreuen.

Im Stadtverkehr dürfen die Taxis mit bis zu 50 km/h fahren, außerorts mit bis zu 100 km/h – entsprechend der allgemeinen Tempolimits für Pkw in Deutschland. Technisch wären sogar 130 km/h möglich, allerdings nur unter Anwesenheit eines Sicherheitsfahrers.

Zunächst wird das System in den Städten Langen und Egelsbach (Region Offenbach, Hessen) getestet. Noch im Laufe dieses Jahres könnte die Erprobung auf die Stadt Darmstadt ausgeweitet werden. Der Fokus liegt dabei bewusst auf weniger stark befahrenen Straßen.

Finanzierung und Technologie: 2,2 Millionen Euro für 2024

Für das laufende Jahr stehen dem Projekt 2,2 Millionen Euro zur Verfügung. Die Finanzierung erfolgt durch ein Konsortium aus der Deutschen Bahn, der Deutschen Raumfahrtagentur, dem Karlsruher Institut für Technologie (KIT) sowie dem Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV).

Ursprünglich war der Start bereits für Mai 2023 geplant, verzögerte sich jedoch wegen der Insolvenz von CleverShuttle, einer Tochtergesellschaft der Deutschen Bahn. Nun sind deutlich mehr Partner beteiligt, um das Vorhaben tragfähiger und langfristiger zu gestalten.

Die verwendeten Fahrzeuge der Marke Nio ES8 kombinieren elektrischen Antrieb mit einer Vielzahl an Assistenzsystemen. Sie gelten als technologisch führend im Bereich seriennaher autonomer Mobilität. Dennoch wird auch während der Pilotphase stets ein Aufsichtspersonal im Fahrzeug sitzen.

Bedeutung für Deutschland: Pilotprojekt mit Signalwirkung

Das Kira-Projekt ist ein Testlauf, der über Hessen hinaus Aufmerksamkeit erzeugen dürfte. Autonome Mobilitätslösungen gelten als strategische Komponente im Kampf gegen Personalmangel im öffentlichen Verkehr – und als Baustein zur Verkehrsmodernisierung. Das Pilotprojekt zeigt, dass Deutschland beginnt, chinesische Fahrzeugplattformen mit westlicher Sensorik zu kombinieren, um konkrete Betriebserfahrungen zu sammeln.

Für deutsche Hersteller und Verkehrsplaner ist das ein Weckruf: Die technologische Machbarkeit ist vorhanden – entscheidend ist nun der regulatorische, gesellschaftliche und infrastrukturelle Rahmen, um autonome Mobilität in die Fläche zu bringen.

Fazit: Zukunft fährt vor – noch unter Beobachtung

Mit dem Start autonomer Taxis im Rhein-Main-Gebiet beginnt in Deutschland ein neues Kapitel urbaner Mobilität. Das Modell kombiniert chinesische E-Fahrzeuge mit europäischer Aufsicht und KI-gesteuerter Navigation. Der begrenzte Einsatz auf Nebenstraßen und die menschliche Fernaufsicht zeigen: Die Zukunft rollt langsam an – aber sie rollt. Wenn Sie Interesse haben, die Taxis auszuprobieren, finden Sie alle Details hier.

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