Wirtschaft

OECD-Ausblick: Deutsche Wirtschaft auf dem Tiefpunkt – Trendwende 2025 möglich?

Die deutsche Wirtschaft kommt wegen teurer Energie und dem Zollstreit mit US-Präsident Donald Trump auch in diesem Jahr nicht richtig vom Fleck – doch Besserung ist in Sicht. Während schwelende Zollkonflikte Unternehmen am Investieren hindern, greifen Verbraucher nach den Jahren der Inflation wieder tiefer in die Tasche. Und kurbeln so bald die Wirtschaft an.
03.06.2025 11:42
Lesezeit: 2 min

Das sind die Ergebnisse des neuen wirtschaftlichen Ausblicks, den die Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung (OECD) in Paris vorlegte. Steht der deutschen Wirtschaft damit die Trendwende bevor?

Maues Wachstum: Kaum ein Land steht schlechter da

Handelskonflikte, teure Energie und weitere Strapazen lassen der deutschen Wirtschaft vorerst kaum Luft zum Atmen. Die OECD belässt ihre Prognose beim Mini-Wachstum von 0,4 Prozent. Unter den 54 untersuchten Wirtschaftsräumen schneiden lediglich Österreich und Norwegen schlechter ab.

In den vergangenen Monaten hätten Handelsbarrieren und einhergehende Unsicherheiten drastisch zugenommen, so OECD-Chefökonom Álvaro Pereira. „Die schwächeren Wirtschaftsaussichten werden fast ausnahmslos in der ganzen Welt zu spüren sein.“

Besonders frappierend: Die OECD-Prognose fällt noch vergleichsweise rosig aus. Sowohl die EU-Kommission als auch die deutschen „Wirtschaftsweisen“ strichen jüngst ihre Aussichten auf Wachstum zusammen. Sie erwarten für dieses Jahr nur noch eine Stagnation der Wirtschaftskraft.

Das Institut für Makroökonomie und Konjunkturforschung der Hans-Böckler-Stiftung prognostizierte im März gar das dritte Rezessionsjahr infolge. Es wäre ein Novum in der Geschichte der Bundesrepublik.

Kauflaune der Verbraucher kurbelt die Wirtschaft an

Anders sieht es fürs kommende Jahr aus: Hier erwarten die Fachleute der OECD statt 1,1 Prozent nun 1,2 Prozent Wachstum – damit trauen sie der deutschen Wirtschaft ähnlich viel zu wie „Wirtschaftsweise“ und EU-Kommission. Der Anstieg geht dabei unter anderem auf die geplanten Milliarden-Investitionen der Bundesregierung zurück. Sie waren in der vergangenen OECD-Prognose noch nicht voll berücksichtigt.

Für wichtige Impulse sorgen laut OECD die Verbraucherinnen und Verbraucher selbst, deren Konsumlaune nach den Jahren der Inflation wieder anziehen dürfte. Deutschland leidet seit Jahren unter einem schwachen Konsum. Verbraucher halten ihr Geld zusammen, weil die Preise infolge des Ukraine-Krieges deutlich anzogen. Doch obwohl sich die Teuerung wieder normalisierte und die Löhne stiegen, kam der private Konsum zuletzt nicht in Schwung – das wird sich laut OECD ändern.

Gefahr für Verbraucher – springt die Inflation wieder an?

Unterstützt wird der private Konsum durch höhere staatliche Ausgaben, vor allem wegen der neuen Schuldenregeln. Vor diesem Hintergrund warnen die OECD-Fachleute allerdings vor einer wieder erstarkenden Inflation: Im Zusammenspiel mit dem Fachkräftemangel könnte die steigende Nachfrage die Preise befeuern. Das Anwerben qualifizierter Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer aus dem Ausland müsse deshalb Priorität haben.

Gerade die exportstarke deutsche Wirtschaft bleibe zudem besonders verwundbar für Eskalationen im Zollstreit, so die OECD. Demnach gehen rund 10 Prozent der ausgeführten Güter in die Vereinigten Staaten. Aus diesem Grund ist das Zahlenwerk der OECD auch mit Vorsicht zu genießen. Je nach Ausgang der Verhandlungen könnte das Wachstum deutlich schlechter oder besser ausfallen.

Ist die Trendwende in Sicht?

Bessere Aussichten im kommenden Jahr setzten häufig voraus, dass die Handelskonflikte in diesem Jahr weitestgehend beigelegt werden und sich die Lage dann normalisiere, sagt Michael Grömling, Konjunktur-Chef am Institut der Deutschen Wirtschaft (IW). „Das ist schon eine gewaltige Annahme, wenn man sich die erratische Politik des US-Präsidenten anschaut.“

Auch die geplanten Investitionen der Bundesregierung könnten das Problem nicht allein lösen. „Die Frage ist, ob die öffentlichen Investitionen auch Investitionen von Unternehmen auslösen – oder die sich weiter zurückhalten.“

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
Anzeige
DWN
Finanzen
Finanzen XRP-Ledger-Transaktionsvolumen überschreitet die Marke von 1 Million

Analysten erwarten ein Aufwärtspotenzial von 100%. XRP Wie können Inhaber neue passive Einkommensquellen schaffen?

DWN
Panorama
Panorama Fußball-WM 2026: Milliarden fließen in wenige Taschen
15.06.2026

Die in Nordamerika beginnende Fußball-WM 2026 ist größer als je zuvor. Von den astronomischen Einnahmen dieses Sportfestes profitieren...

DWN
Finanzen
Finanzen EZB-Leitzins angehoben: Wer sind die Verlierer und Gewinner?
15.06.2026

Die Europäische Zentralbank hat den Leitzins für die Eurozone am vergangenen Donnerstag angehoben. Für Sparer, Kreditnehmer, Staaten und...

DWN
Politik
Politik Europäische Schlüsselstaaten wollen Kaja Kallas’ Macht beschneiden
15.06.2026

Mehrere Mitgliedstaaten der Europäischen Union, allen voran Deutschland und Frankreich, suchen nach Möglichkeiten, die Macht der Hohen...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Investoren verlieren Geduld: Merz-Beauftragter Blessing warnt vor Ernüchterung
15.06.2026

Deutschland gilt international weiterhin als verlässlicher und stabiler Standort. Dennoch wächst bei manchen Investoren die Skepsis...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft USA-Iran-Abkommen: Kommt jetzt die Entlastung bei den Spritpreisen?
15.06.2026

Die Einigung zwischen den USA und dem Iran sorgt weltweit für Aufmerksamkeit – auch an den Energiemärkten. Experten sehen Chancen auf...

DWN
Politik
Politik Ukraine entwickelt kostengünstige Alternative zu US-amerikanischen Patriot-Raketen
15.06.2026

Die Ukraine hat eine neue Luftabwehrrakete getestet, die eine kostengünstigere und für die Serienfertigung geeignete Alternative zum...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie kaufen? Der Superzyklus steht erst am Anfang
15.06.2026

Der Wert der Rheinmetall-Aktie hat sich seit 2022 bereits vervielfacht. Russlands Krieg gegen die Ukraine, Europas Aufrüstung und...

DWN
Finanzen
Finanzen SpaceX, Anthropic und OpenAI in Ihrem ETF-Fonds? Vielleicht schneller, als Sie denken
15.06.2026

Während Tesla ein ganzes Jahrzehnt gebraucht hat, um in den S&P 500 und damit in passiv verwaltete ETF-Fonds aufgenommen zu werden,...