Wirtschaft

Konjunkturflaute in Deutschland: Warum Verbraucher sparen und Firmen zögern

Die deutsche Wirtschaft steht vor einer historischen Durststrecke, während Verbraucher ihr Geld zusammenhalten und Unternehmen Investitionen zurückstellen. Experten warnen vor einem dritten Jahr sinkender Wirtschaftsleistung in Folge. Trotz leichter Aufhellungen bei einigen Indikatoren bleibt die Stimmung gedrückt – die Risiken sind vielfältig, von hohen Kosten bis zu globalen Handelskonflikten. Die neue Bundesregierung müsse jetzt handeln, fordern Wirtschaftsverbände.
27.05.2025 18:04
Lesezeit: 2 min
Konjunkturflaute in Deutschland: Warum Verbraucher sparen und Firmen zögern
Düstere Aussichten: Sinkende Wirtschaftsleistung und schwacher Konsum prägen Deutschland auch 2025. (Foto: dpa) Foto: Christian Charisius

Konjunkturflaute in Deutschland: Verbraucher sparen, Firmen zögern

Verbraucher sparen, Unternehmen halten Investitionen zurück – in Deutschland droht aus Sicht der Deutschen Industrie- und Handelskammer eine historische Konjunkturflaute. „Der wirtschaftliche Aufbruch, den wir alle wünschen und den unser Land braucht, ist noch nicht in Sicht“, sagte DIHK-Hauptgeschäftsführerin Helena Melnikov in Berlin. Die Konsumforschungsinstitute GfK und NIM teilten in Nürnberg als Ergebnis ihrer jüngsten Studie mit, das Konsumklima habe im Mai keinen entscheidenden Sprung machen können.

DIHK warnt vor wirtschaftlichem Rückgang

Es verdichte sich die Befürchtung, dass erstmals in der deutschen Nachkriegsgeschichte die Wirtschaftsleistung das dritte Jahr in Folge sinke, sagte Melnikov. „Wir müssen alles dafür tun, dass es kein verlorenes Jahr wird.“ Die DIHK rechnet für das laufende Jahr weiterhin mit einem leichten Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 0,3 Prozent. Damit ist die DIHK pessimistischer als die Bundesregierung sowie die „Wirtschaftsweisen“, die 2025 mit einer Stagnation des Bruttoinlandsprodukts rechnen.

Viele Risiken belasten Firmen

Melnikov bezog sich auf die Ergebnisse einer neuen DIHK-Konjunkturumfrage unter mehr als dreiundzwanzigtausend Betrieben. Demnach zeigten zwar einzelne Indikatoren leichte Verbesserungen. Die Stimmung bei den Unternehmen aber bleibe überwiegend schlecht. Nur ein Viertel der Betriebe beurteilt ihre Lage als gut. Die Geschäftserwartungen der Unternehmen blieben überwiegend pessimistisch.

Als größte Risiken sehen Firmen laut Umfrage die wirtschaftspolitischen Rahmenbedingungen, die schwache Inlandsnachfrage, hohe Arbeitskosten, steigende Sozialabgaben sowie hohe Energie- und Rohstoffpreise. Dazu komme die verschärfte und unberechenbare US-Zollpolitik.

DIHK fordert entschlossenes Handeln

Die Firmen warteten weiter ab, sagte Melnikov. Die Folge: Investitionen werden zurückgehalten. Es bestehe dringender Handlungsbedarf in der Wirtschaftspolitik. Melnikov nannte eine Senkung der Stromsteuer auf das europäische Mindestniveau, erleichterte Abschreibungen sowie weniger Bürokratie.

Damit das geplante kreditfinanzierte staatliche Sondervermögen von fünfhundert Milliarden Euro für zusätzliche Investitionen in Infrastruktur und Klimaschutz wirken könnte, seien umfassende Strukturreformen wie schnellere Planungs- und Genehmigungsverfahren erforderlich. Von dem Geld profitieren könnten laut DIHK vor allem die Industrie und das Baugewerbe. Die Stimmung dort habe sich bereits aufgehellt.

Die neue Bundesregierung hat ein umfassendes Maßnahmenpaket bis zur Sommerpause angekündigt, um Unternehmen zu entlasten. Dazu gehören die Senkung der Stromsteuer sowie bessere Abschreibungsbedingungen, um Investitionen anzuregen. „Wir wollen jetzt wirklich Taten sehen“, sagte Melnikov.

Konsum bleibt schwach

Zwar haben die Konjunktur- und Einkommenserwartungen spürbar zugelegt, wie die Institute GfK und NIM mitteilten. Nach den Daten lässt aber bei den Verbrauchern die Neigung nach, sich etwas anzuschaffen – stattdessen wollen sie lieber sparen. Das bremst die Konsumstimmung. „Die unberechenbare Zoll- und Handelspolitik der US-Regierung, Turbulenzen an den Börsen sowie Befürchtungen vor einem dritten Jahr der Stagnation in Folge sorgen dafür, dass das Konsumklima somit weiterhin schwach bleibt“, sagte NIM-Konsumforscher Rolf Bürkl. „Die Menschen halten es offenbar aktuell für ratsam, in Anbetracht der allgemeinen Wirtschaftslage, zu sparen.“

Auch in der DIHK-Umfrage heißt es, trotz gestiegener Einkommen hielten sich die Verbraucher beim Konsum zurück. Lasse man die beiden Corona-Ausnahmejahre 2020 und 2021 außer Acht, dann liege die Sparquote der privaten Haushalte auf dem höchsten Niveau seit 1996.

Mehr zum Thema
Bleiben Sie über das Thema dieses Artikels auf dem Laufenden Klicken Sie auf [+], um eine E-Mail zu erhalten, sobald wir einen neuen Artikel mit diesem Tag veröffentlichen
DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europa unter Zugzwang: Was im globalen KI-Wettlauf auf dem Spiel steht
06.05.2026

Europas Rückstand im KI-Wettlauf wird für Wirtschaft und Politik zunehmend zu einem strategischen Risiko. Kann der Kontinent seine...

DWN
Finanzen
Finanzen US-Börsenbericht: Rekordschlussstände für S&P 500 und Nasdaq, während der Waffenstillstand hält
05.05.2026

Erfahren Sie, welche Faktoren die Märkte aktuell antreiben und warum die Anleger trotz globaler Spannungen optimistisch bleiben.

DWN
Politik
Politik Misstrauensvotum in Rumänien: Prowestliche Regierung stürzt
05.05.2026

Rumäniens Regierung ist nach einem überraschenden Bündnis aus Rechtsextremen und Sozialdemokraten gestürzt. Hinter dem Misstrauensvotum...

DWN
Politik
Politik Trump erhöht Druck auf Grönland: US-Experte warnt vor Folgen für Europa
05.05.2026

Trump verschiebt die geopolitischen Machtlinien der USA und verbindet den Zugriff auf Grönland mit Energiefragen und Zugeständnissen an...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Teilkrankschreibung gegen hohe Fehlzeiten: Ist die Regelung sinnvoll?
05.05.2026

Krank, aber nicht ganz arbeitsunfähig – das soll künftig möglich sein: Im Zuge der neuen Gesundheitsreform hat die Bundesregierung die...

DWN
Wirtschaft
Wirtschaft Europas Stromnetz im Kostencheck: Welche Technologien langfristig überzeugen
05.05.2026

Europas Stromversorgung steht vor einer neuen Kostenlogik, in der erneuerbare Energien, Speichertechnologien und verlässliche Grundlast...

DWN
Finanzen
Finanzen Rheinmetall-Aktie steigt trotz schwachem Quartal
05.05.2026

Die Zahlen fallen schwächer aus als erwartet, doch die Aktie reagiert überraschend robust. Statt Abverkauf setzt Rheinmetall auf eine...

DWN
Unternehmen
Unternehmen Unicredit greift Commerzbank an: Übernahme rückt näher
05.05.2026

Unicredit macht Ernst und treibt die Übernahme der Commerzbank mit Tempo voran. Doch Widerstand aus Berlin und Frankfurt könnte den Deal...